(Gemeinsame Pressemitteilung der Stadt Seesen, der Ev.–luth. Kirchengemeinde St. Vitus und St. Andreas in Seesen und des Israel Jacobson Netzwerks vom 9.11.2025)
Am Sonntag, den 9.11.2025 eröffnete um 16.00 Uhr die Ausstellung „Haus der Ewigkeit“ im Ev. Kirchenzentrum der Stadt Seesen. Zentraler Gegenstand sind jüdische Friedhöfe in Mitteleuropa, die Marcel-Th. und Klaus Jacobs seit 2004 mit ihrer analogen Kamera dokumentiert haben, um sich so für den Erhalt dieser steinernen Denkmale und Gedenkorte einzusetzen.
Das Besondere am Veranstaltungsort Seesen – zur bestehenden Ausstellung „Haus der Ewigkeit“ werden erstmals auch Fotografien vom jüdischen Friedhof Seesen gezeigt, die Marcel-Th. Jacobs mit seiner analogen Leica-Kamera im März 2025 aufgenommen hat. Die Stadt Seesen und die Ev. – luth. Kirchengemeinde St. Vitus und St. Andreas erschaffen somit, neben der offiziellen Kranzniederlegung um 11.00 Uhr auf dem Jacobson-Platz, ein weiteres Stück zentraler Erinnerungskultur zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht vom 9.11.1938.
Neben den Bethäusern und Mikwaot (rituelle Tauchbäder) zählen Friedhöfe zu den zentralen Einrichtungen jüdischer Gemeinden; sie sind damit ein wesentlicher Bestandteil der jüdischen Alltagskultur. In ihnen spiegelt sich die große berufliche Vielfalt der einstigen jüdischen Bevölkerung und ihr sozialer Status wider: Industrielle, Bankiers und Kaufleute (überwiegend aus der Textilwirtschaft), Hoteliers, Handwerker, Landwirte, Arbeiter, Politiker, Rechtsanwälte, Rabbiner, Talmudgelehrte, Philosophen, Wissenschaftler, Mediziner, Schauspieler, Künstler und Sportler – hinter jedem Grabstein steht die Biographie eines Verstorbenen.
Marcel-Th. Jacobs erläutert als Mit-Initiator und Fotograf das Ziel der Ausstellung: „Einen kleinen Teil unserer fotografischen Dokumentation von inzwischen 91 jüdischen Friedhöfen in Deutschland, Polen, der Ukraine und der Tschechischen Republik sowie im Baltikum präsentieren wir Ihnen hier in unserer Ausstellung. Kurze Steckbriefe erläutern die örtlichen Gegebenheiten und Hintergründe der besuchten Friedhöfe. Dabei geht es uns in erster Linie um die fotografische Erfassung dieser fast verloren gegangenen Sepulkralkultur und nicht um eine wissenschaftliche Erforschung.“
Die eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Fotografien, aufgenommen mit einer analogen Leica-Kamera, fangen die Atmosphäre auf den Friedhöfen ein. Viele spannende Details sind auf den 48 Aufnahmen zu entdecken, die von den Spuren des vergangenen jüdischen Alltags zeugen.
Die Ausstellung „Haus der Ewigkeit“ ist bis zum 27. Januar 2026 zu den regulären Öffnungszeiten der Ev. Kirchengemeinde in Seesen zu sehen.
Zusatzinfo:
1805 kaufte Israel Jacobson in Seesen ein Areal für einen jüdischen Friedhof, die ersten Bestattungen fanden erst ab 1836 statt. Heute befinden sich noch ca. 100 Grabsteine auf dem Friedhof. Die ältesten Steine (Sandsteine) befinden sich im oberen Teil des Friedhofs, versehen mit hebräischen Inschriften. Die neueren Steine folgen weiter im unteren Teil des Friedhofes als Granitsteine und weisen neben den hebräischen auch deutsche Inschriften auf.
Neben den einzigartigen baulichen Gegebenheiten des jüdischen Friedhofes in Seesen findet sich dort auch eine weitere Besonderheit: zwei christliche Gräber.






Mit einer bunten Feier wird am Sonntag, 15. September, auf dem Platz vor und in der Celler Synagoge Im Kreise der Abschluss der 5. Jüdischen Kulturtage zwischen Harz und Heide gefeiert. Das große Familienfest, das das Stadtarchiv Celle gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Celle und dem Israel Jacobson Netzwerk e.V. veranstalten, trägt den Titel „Mesiba“ (Hebräisch für Feier oder Party) und lädt zum Erleben von jüdischer Geschichte und Gegenwart ein.
Vom 18. August bis zum 20. September 2024 veranstaltet das Israel Jacobson Netzwerk für jüdische Kultur und Geschichte e.V. gemeinsam mit vielen Partner:innen bereits zum fünften Mal die Jüdischen Kulturtage zwischen Harz und Heide. Unter dem Motto trotzdem jüdisch nehmen wir jüdisches Leben in Geschichte und Gegenwart in seiner großen Vielfalt in den Blick! Vorbereitet wurde ein buntes Programm für Jung und Alt.

Die Themenseite „Jüdische Frauen“ im Portal Jüdisches Niedersachsen online wurde in Kooperation mit zwei regionalen Institutionen entwickelt und umgesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Landesfrauenrat Niedersachsen e. V. werden jene fünf frauenORTE hervorgehoben, die im Bundesland in Erinnerung an Jüdinnen bestehen. Eingeladen wird, die frauenORTE zu bereisen. Erfahren Sie beispielsweise mehr über das Wirken der Kauffrau Susanna Abraham in Nienburg/Weser oder über Dr. Paula Tobias als Landärztin in Bevern.




