Interaktive Landkarte

Machen Sie sich auf eine spannende Reise durch die jüdische Kultur in der Region zwischen Harz und Heide in Geschichte und Gegenwart.

Die Landkarte bietet einen Überblick über jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart in der Region zwischen Harz und Heide, von Hannover bis Helmstedt, von Wolfsburg bis Göttingen, von Celle bis Halberstadt. In mehr als 60 Einträgen werden die jeweiligen Bauwerke, Standorte bzw. Objekte kurz vorgestellt. Die notwendigen Informationen für eine Besichtigung (wie Adresse, Zugänglichkeit, Öffnungszeiten) sind hier ebenfalls zu finden. Die beschriebenen Orte reichen von jüdischen Friedhöfen, ehemaligen Synagogen, ausgewählten Wohn- und Geschäftshäusern bis hin zu heute bestehenden Museen und Gedenkorten.

Die gedruckte Landkarte liegt in einer zweiten erweiterten Auflage vor. Um diese zu erhalten, wenden Sie sich gerne über unser Kontaktformular an uns. Außerdem ist die gedruckte Landkarte bei den Mitgliedern sowie Partnerinnen und Partnern des IJN kostenfrei erhältlich. Unter Publikationen finden Sie die Landkarte zum kostenfreien Download.

Wir danken ganz herzlich allen Privatpersonen und Institutionen, die Bilder und Texte zur Erstellung dieser Karte geliefert haben.

 

Sonderthema: „Galka Scheyer – Von Braunschweig in die Welt“

Galka Scheyer, geboren 1889 in Braunschweig als Emmy E. Scheyer, war Künstlerin und Netzwerkerin. Vor allem wirkte sie als Vermittlerin der Künstlergruppe „Blaue Vier“, zu der Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Alexej von Jawlensky gehörten. Um deren Werke bekannt zu machen, organisierte sie Ausstellungen und Vorträge in vielen Ländern und emigrierte 1924 in die USA, wo sie 1945 in Hollywood starb.

Gemeinsam mit dem Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V. hat die Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa (TU Braunschweig) 50 ausgewählte Orte (v.a. in Europa und den USA) auf der Karte sichtbar gemacht, an denen Galka gewirkt hat und die ihr breites Netzwerk verdeutlichen. Das Projekt ist Teil des Jubiläumsjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, gefördert außerdem durch die Stadt Braunschweig, Bürgerstiftung Braunschweig und US-Generalkonsulat Hamburg.

Legende

Synagoge
Schule/Bildungseinrichtung
Museum
Privathaus
Geschäftshaus
Denkmal/Gedenktafel
Friedhof
KZ-Gedenkstätte
Galka Scheyer – Von Braunschweig in die Welt

Benutzerhinweise

Im oberen Bereich der Webpage ist die virtuelle Landkarte verfügbar, in der die entsprechenden Ortseinträge zu finden sind. Im unteren Bereich finden Sie die einzelnen Ortseinträge mit ein paar grundlegenden Informationen und den Details für eine Besichtigung. Hier können Sie auch die von Ihnen geplante Fahrtroute berechnen und sich den Einzeleintrag in der Landkarte anzeigen lassen.
Bitte beachten Sie auch die allgemeinen Hinweise zur Besichtigung jüdischer Friedhöfe ganz unten auf der Seite.

Wir wünschen Ihnen viele neue Eindrücke und Erkenntnisse über die reichhaltige jüdische Kultur in der Region zwischen Harz und Heide. Gute Reise!

KML-LogoFullscreen-LogoGeoRSS-Logo
Landkarte Niedersachsen

Karte wird geladen - bitte warten...

01 Bergen-Belsen: KZ-Gedenkstätte: 52.757800, 9.911800
02 Celle: Synagoge und Jüdisches Museum: 52.622995, 10.087337
03 Celle: Jüdischer Friedhof am Berge: 52.632626, 10.071282
04 Steinhorst: ehem. Wohnheim des Land- und Lehrgutes der Simon’schen Stiftung, heute Haus der Gemeinde („Tessenow-Haus“): 52.688082, 10.403200
05 Groß Oesingen: Grabstein für Julius Katz auf dem christlichen Friedhof: 52.647200, 10.469200
06 Wittingen: Wohn- und Geschäftshaus Familie Nathan: 52.728100, 10.740400
07 Wittingen: jüdische Familiengrabstätte auf dem evangelischen Friedhof: 52.728727, 10.733975
08 Gifhorn: Jüdischer Friedhof An der Lehmkuhle: 52.487293, 10.533418
09 Gifhorn: Betsaal bei Jakob Jeremias Menke: 52.487141, 10.546564
10 Wolfsburg: Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf dem Gelände des Volkswagenwerks: 52.438443, 10.763855
11 Wolfsburg: Friedhof und Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft: 52.453100, 10.803700
12 Wolfsburg: Denkmal auf dem Sara-Frenkel-Platz: 52.426400, 10.789600
13 Peine: jüdisches Viertel auf dem Damm: 52.323200, 10.221600
14 Peine: Standort Neue Synagoge: 52.323485, 10.231605
15 Peine: Jüdischer Friedhof An der Laubenkolonie: 52.327725, 10.199475
16 Peine: ehem. jüdische Landwirtschaftsschule: 52.302889, 10.241666
17 Peine: Kreismuseum: 52.324700, 10.225600
18 Braunschweig: Friedhof Hamburger Straße: 52.286579, 10.518605
19 Braunschweig: Friedhof Helmstedter Straße mit Trauerhalle: 52.255716, 10.562123
20 Braunschweig: Neue Synagoge mit Gemeindehaus: 52.261020, 10.516907
21 Braunschweig: Standort Villa Jüdel: 52.259089, 10.533440
22 Braunschweig: Eulenspiegel-Brunnen: 52.265400, 10.515400
23 Braunschweig: Wohnhaus des Grafikers Ephraim Moses Lilien: 52.255040, 10.528429
24 Braunschweig: Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße: 52.256800, 10.540600
25 Braunschweig: Braunschweigisches Landesmuseum – Hinter Aegidien: 52.259439, 10.524564
26 Braunschweig: Braunschweigischs Landesmuseum, Haupthaus am Burgplatz: 52.264700, 10.523600
27 Braunschweig: Städtisches Museum Braunschweig im Altstadtrathaus: 52.262938, 10.517062
28 Braunschweig: Geburtshaus der Kunsthändlerin Galka Scheyer: 52.268624, 10.516408
29 Helmstedt: Betsaal Holzberg 22: 52.226136, 11.009897
30 Helmstedt: Jüdischer Friedhof: 52.219564, 11.025939
31 Helmstedt: Juleum mit Kreis- und Universitätsmuseum: 52.229157, 11.008539
32 Helmstedt: Israel Jacobson-Brücke: 52.232032, 11.036481
33 Wolfenbüttel: Betsaal bei Marcus Gumpel Fulda am Holzmarkt: 52.161958, 10.540722
34 Wolfenbüttel: Jüdischer Friedhof Am Jahnstein: 52.165346, 10.551499
35 Wolfenbüttel: Alte Synagoge Harzstraße mit Samsonschule: 52.160799, 10.537965
36 Wolfenbüttel: Standort Neue Synagoge Lessingstraße: 52.165121, 10.530986
37 Wolfenbüttel: Neue Samsonschule: 52.181455, 10.536345
38 Wolfenbüttel: Herzog August Bibliothek: 52.164186, 10.530342
39 Wolfenbüttel: Lessinghaus: 52.163300, 10.530100
40 Wolfenbüttel: Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel: 52.165800, 10.541000
41 Schöningen: jüdische Grabstätten auf dem städtischen Friedhof: 52.144100, 10.971500
42 Salzgitter-Lebenstedt: Ausländerfriedhof Jammertal: 52.158009, 10.353177
43 Salzgitter-Bad: Friedhof Hinter dem Salze: 52.044400, 10.368400
44 Salzgitter-Drütte: Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Außenlager Drütte: 52.158077, 10.418944
45 Hornburg: Jüdischer Friedhof Hagenberg: 52.026300, 10.606800
46 Hornburg: ehem. jüdische Schule und Standort Synagoge: 52.031235, 10.603582
47 Hornburg: Denkmal für einen 1870/71 gefallenen jüdischen Soldaten: 52.030000, 10.604700
48 Wöltingerode: Israel Jacobsons Kloster: 51.959249, 10.539676
49 Groß Rhüden: ehem. Synagoge: 51.941538, 10.126659
50 Goslar: Jüdischer Friedhof Glockengießerstraße: 51.907788, 10.436912
51 Goslar: Standort Synagoge Bäckerstraße: 51.908153, 10.429248
52 Bad Harzburg: Standort der Synagoge im Garten des ehemaligen Hotels Parkhaus: 51.876550, 10.560324
53 Bad Harzburg: Plastik „Schalom“ von Peter Moosmann: 51.879100, 10.563100
54 Seesen: Jacobsonschule (ehem. Alumnatsgebäude, heute „Jacobson-Haus“): 51.889500, 10.176400
55 Seesen: Standort des Jacobstempels: 51.889500, 10.176400
56 Seesen: Jüdischer Friedhof Dehnestraße: 51.886600, 10.189300
57 Seesen: Städtisches Museum: 51.891800, 10.172400
58 Halberstadt: Berend Lehmann Museum und Moses Mendelsohn Akademie: 51.897258, 11.042633
59 Halberstadt: drei jüdische Friedhöfe: 51.893934, 11.039543
Burgdorf: Synagoge: 52.446241, 10.008837
Burgdorf: Jüdischer Friedhof: 52.444800, 10.019700
Hannover: Jüdische Gemeinde Hannover: 52.367836, 9.770585
Hannover: Liberale Jüdische Gemeinde: 52.400380, 9.670630
Hannover: Jüdisch-bucharisch-sefardische Zentrum: 52.347600, 9.721630
Hannover: Synagogenmahnmal: 52.372069, 9.727648
Hannover: Mahnmal: 52.373052, 9.740179
Hannover: Israel-Jacobson-Bibliothek: 52.400904, 9.670742
Hannover: Jüdischer Friedhof Oberstraße: 52.381814, 9.722713
Hannover: Jüdischer Friedhof an der Strangriede: 52.390594, 9.719789
Hannover: Jüdischer Friedhof in Bothfeld: 52.419109, 9.798217
Hannover: Jüdischer Friedhof Seelhorst: 52.342535, 9.791710
Hannover: Gedenkstätte Ahlem: 52.377414, 9.672507
Hannover: Europäisches Zentrum für jüdische Musik: 52.384638, 9.755098
Hildesheim: Jüdischer Friedhof Teichstraße: 52.151422, 9.958929
Hildesheim: Jüdischer Friedhof Peiner Landstraße: 52.166324, 9.956220
Hildesheim: Jüdischer Friedhof Moritzberg: 52.146383, 9.928787
Hildesheim: Synagogenmahnmal: 52.145900, 9.951810
Göttingen: Jüdische Gemeinde Göttingen: 51.530925, 9.929342
Göttingen: Mahnmal am Platz der Synagoge: 51.536300, 9.931110
Göttingen: Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen: 51.532725, 9.936597
Göttingen: Jüdischer Friedhof an der Gerichtslinde: 51.534283, 9.912624
Göttingen: Jüdischer Friedhof Geismar: 51.508320, 9.959080
Dransfeld: Ehemalige Synagoge: 51.503708, 9.761315
Dransfeld: Jüdischer Friedhof: 51.495628, 9.749776
Galka Scheyer: Beim Kunstliebhaber Kauth: 52.274043, 10.518945
Galka Scheyer: Malunterricht mit Pfingstrosen: 52.272800, 10.520400
Galka Scheyer: Konservenfabrik M. Maseberg: 52.268848, 10.503541
Galka Scheyer: Wohnung der Mutter: 52.269910, 10.507248
Galka Scheyer: Bei Kunstsammlern zu Hause: 52.266004, 10.511523
Galka Scheyer: Paul und Paula Scheyer: 52.266870, 10.512543
Galka Scheyer: Freundin Lette Valeska: 52.268029, 10.514034
Galka Scheyer: Früheste Kindheit: 52.268671, 10.516526
Galka Scheyer: Ein bunter Steg über die Oker: 52.269864, 10.515139
Galka Scheyer: Klavierunterricht für höhere Töchter: 52.267607, 10.524057
Galka Scheyer: Junge Damen und feuchte Hände: 52.268489, 10.541709
Galka Scheyer: Malen im Grünen: 52.263354, 10.585338
Galka Scheyer: Lederhandlung Scheyer & Regensburger: 52.263453, 10.518154
Galka Scheyer: Familie Heynemann: 52.262588, 10.518964
Galka Scheyer: Schule für höhere Töchter: 52.263371, 10.522681
Galka Scheyer: Die \'Brücke\' zu Gast in Braunschweig: 52.263955, 10.526415
Galka Scheyer: Herzogliches Residenzschloss: 52.263100, 10.527100
Galka Scheyer: Herzogliches Museum: 52.263279, 10.532531
Galka Scheyer: Synagoge und Religionsunterricht: 52.261017, 10.516711
Galka Scheyer: Kunstausstellungen in der Gewerbeschule: 52.260770, 10.531125
Galka Scheyer: Städtisches Museum: 52.261030, 10.532225
Galka Scheyer: Kindheit am Monumentsplatz: 52.258695, 10.529248
Galka Scheyer: Lichtbildvorträge bei Dr. Spanjer-Herford: 52.256167, 10.528030
Galka Scheyer: Grab von Leopold Scheyer: 52.255247, 10.562646
Galka Scheyer: Ascona: 46.155400, 8.770790
Galka Scheyer: Bali: -8.385431, 115.180664
Galka Scheyer: Berkeley und Beverly Hills: 37.870800, -122.273000
Galka Scheyer: Berlin: 52.517000, 13.388900
Galka Scheyer: Braunlage: 51.726400, 10.610100
Galka Scheyer: Brüssel: 50.846600, 4.351700
Galka Scheyer: Carmel-by-the-Sea: 36.555200, -121.923000
Galka Scheyer in Chemnitz: 50.832300, 12.925300
Galka Scheyer: Chicago: 41.875600, -87.624400
Galka Scheyer: Dessau: 51.831100, 12.242900
Galka Scheyer: Hamburg: 53.550300, 10.000700
Galka Scheyer: Hannover: 52.374500, 9.738550
Galka Scheyer: Honolulu: 21.313700, -157.806000
Galka Scheyer in Lausanne und Saint Prex: 46.521800, 6.632700
Galka Scheyer: London und Oxford: 51.507300, -0.127647
Galka Scheyer: Los Angeles, Hollywood und Pasadena: 34.053700, -118.243000
Galka Scheyer: Mexico City: 19.432600, -99.133300
Galka Scheyer: München: 48.137100, 11.575400
Galka Scheyer: New York City: 40.712700, -74.006000
Galka Scheyer: Oakland: 37.804500, -122.271000
Galka Scheyer: Ossining: 41.161300, -73.862000
Galka Scheyer: Paris und Saint Valery en Caux: 48.854600, 2.347710
Galka Scheyer: Prag: 50.087500, 14.421300
Galka Scheyer: San Francisco: 37.779000, -122.420000
Galka Scheyer: Viareggio und Pisa: 43.867200, 10.250600
Galka Scheyer: Weimar: 50.980300, 11.329100
Galka Scheyer: Wiesbaden: 50.082000, 8.241660
Galka Scheyer: Zürich: 47.372400, 8.542330
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
01 Bergen-Belsen: KZ-Gedenkstätte
01 Bergen-Belsen: KZ-Gedenkstätte

2007 wurde das Dokumentationszentrum mit einer Dauerausstellung, einem Buchladen, einer Bibliothek und einem Museumscafé eröffnet. Angrenzend befindet sich das Gelände des ehem. Konzentrationslagers, dessen Bauten bis auf wenige Fundamente nach 1945 beseitigt wurden. Heute ist dort ein Friedhof mit Gräbern und Mahnmalen.

Anne-Frank-Platz, 29303 Bergen-Lohheide,
1.4.-30.9.: 10-18 Uhr; 1.10.- 31.3.: 10-17 Uhr

Anne-Frank-Platz Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
02 Celle: Synagoge und Jüdisches Museum
02 Celle: Synagoge und Jüdisches Museum

Die 1740 erbaute Synagoge gilt als die älteste erhaltene Fachwerksynagoge in Niedersachsen. Sie wird seit 1997 von der Jüdischen Gemeinde Celle wieder als Ort des Gebets genutzt. Der Gebäudekomplex beherbergt zudem ein jüdisches Museum, in dem eine Dauer- sowie Wechselausstellungen zu sehen sind.

Im Kreise 23-24, Mo 10-17 Uhr; Di-Do 9-17 Uhr,
Fr 9-16 Uhr, So 15-17 Uhr

Im Kreise 24 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
03 Celle: Jüdischer Friedhof am Berge
03 Celle: Jüdischer Friedhof am Berge

Der Friedhof wurde von 1692 bis 1953 belegt. Das Gelände ist knapp 2.000 m² groß, 289 Grabsteine sind vorhanden. Die Begräbnisstätte steht unter Denkmalschutz.

Am Berge/Hügelstraße, Schlüssel in der Touristinfo (Markt 14-16) oder im Stadtarchiv (Westerceller Str. 4) erhältlich

Am Berge Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
04 Steinhorst: ehem. Wohnheim des Land- und Lehrgutes der Simon’schen Stiftung, heute Haus der Gemeinde („Tessenow-Haus“)
04 Steinhorst: ehem. Wohnheim des Land- und Lehrgutes der Simon’schen Stiftung, heute Haus der Gemeinde („Tessenow-Haus“)

Das „Land- und Lehrgut für Landwirtschaft Steinhorst“ wurde 1911-12 für die Simon’sche Stiftung (vgl. Nr. 16 und Hannover) errichtet. Jüdinnen und Juden wurden hier für eine Tätigkeit in der Landwirtschaft ausgebildet. Der Architekt des sehr gut erhaltenen Hauses war Heinrich Tessenow (1876-1950), er gehört zu den bedeutendsten Baumeistern der frühen ­Moderne.

Metzinger Str. 1, heute Gemeindebüro,
Tel. 05148-275, geöffnet zu den Bürozeiten
Mo-Fr 8:30-11:30 Uhr

Metzinger Straße 1 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
05 Groß Oesingen: Grabstein für Julius Katz auf dem christlichen Friedhof
05 Groß Oesingen: Grabstein für Julius Katz
auf dem christlichen Friedhof


Der jüdische Sattlermeister Katz (1885-1957) wurde während des Naziregimes von der Bevölkerung geschützt und versorgt. Der Grabstein für ihn und seine nichtjüdische Ehefrau hat einen Ehrenplatz auf dem christlichen Friedhof gefunden.

Friedhofstraße, Friedhof frei zugänglich

Friedhofstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
06 Wittingen: Wohn- und Geschäftshaus Familie Nathan
06 Wittingen: Wohn- und Geschäftshaus Familie Nathan

Im Haus von Mendel Nathan, 1863-74 Vorsteher der jüdischen Gemeinde Bodenteich-Hankensbüttel-Wittingen, fanden Gottesdienste statt. 1912 ließen seine Nachkommen hier ein neues Wohn- und Geschäftshaus durch den Celler Architekten Otto Haesler errichten, der zu den führenden Architekten der Moderne gerechnet wird.

Lange Straße 33, heute Geschäftshaus

Lange Straße 33 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
07 Wittingen: jüdische Familiengrabstätte auf dem evangelischen Friedhof
07 Wittingen: jüdische Familiengrabstätte
auf dem evangelischen Friedhof


Die Grabstätte der Kaufmannsfamilie Nathan mit sechs Grabsteinen aus dem Zeitraum 1893-1981 befindet sich am westlichen Hauptweg des Friedhofs auf einem eigenen Feld.

Bahnhofstraße, frei zugänglich

Bahnhofstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
08 Gifhorn: Jüdischer Friedhof An der Lehmkuhle
08 Gifhorn: Jüdischer Friedhof An der Lehmkuhle

Auf dem Mitte oder Ende des 18. Jhs. angelegten Friedhof sind 31 Grabsteine aus dem Zeitraum 1793-1915 erhalten. Viele Grabstätten der Familie Menke sind hier zu finden – sogar Angehörige, die bis zu ihrem Tod in Hamburg gelebt hatten, wurden hier bestattet, was ihre enge Bindung zur Stadt Gifhorn zeigt.
Roonstraße/Lutherstraße, nicht zugänglich, von außen einsehbar

Lutherstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
09 Gifhorn: Betsaal bei Jakob Jeremias Menke
09 Gifhorn: Betsaal bei Jakob Jeremias Menke

1809 richtete Menke im Nebengebäude seines Hauses einen Betsaal ein, den die jüdische Gemeinde bis in die 1880er Jahre nutzte. Im Nachbarhaus (Steinweg 15) betrieb Menkes Sohn Jonas eine Holzhandlung.

Steinweg 13, heute Wohnhaus, nicht zugänglich

Steinweg 13 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
10 Wolfsburg: Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf dem Gelände des Volkswagenwerks
10 Wolfsburg: Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf dem Gelände des Volkswagenwerks

Der Erinnerungsort befindet sich in einem ehem. Luftschutzbunker im Volkswagen Werk Wolfsburg. Die Ausstellung zeigt die Einbindung des Unternehmens in die deutsche Kriegswirtschaft und das NS-Zwangsarbeitersystem. Auch die Situation jüdischer KZ-Häftlinge wird dabei berücksichtigt.


Volkswagen Werk Wolfsburg, Besichtigung nach Voranmeldung: history@volkswagen.de

Wolfsburg Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
11 Wolfsburg: Friedhof und Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
11 Wolfsburg: Friedhof und Gedenkstätte
für die Opfer der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft


Auf dem Gelände im Norden der Stadt (damals neben der städt. Müllhalde) wurden über 400 Zwangsarbeiter/innen und KZ-Häftlinge unterschiedlicher Herkunft in Massengräbern verscharrt, darunter auch ungarische Jüdinnen, die aus Auschwitz zur Zwangsarbeit ins Werk gebracht wurden. 1970/71 wurde der Friedhof zu einer Gedenkstätte umgestaltet.

Lydia-Stowbun-Weg, frei zugänglich, Gedenktafel

Lydia-Stowbun-Weg Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
12 Wolfsburg: Denkmal auf dem Sara-Frenkel-Platz
12 Wolfsburg: Denkmal auf dem Sara-Frenkel-Platz

Die heute in Antwerpen lebende Sara Frenkel musste als jüdische Polin von 1943-45 Zwangsarbeit im VW-Werk Wolfsburg verrichten. Die Krankenschwester musste in einer so genannten „Ausländer-Pflegestätte“ Kinder von Zwangsarbeiterinnen betreuen, die den Müttern weggenommen worden waren. In diesen Einrichtungen lag die Kindersterblichkeitsrate bei 80-90%.

Sara-Frenkel-Platz, frei zugänglich

Sara-Frenkel-Platz Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
13 Peine: jüdisches Viertel auf dem Damm
13 Peine: jüdisches Viertel auf dem Damm

Auf dem Damm konzentrierten sich bis zum Ende des 19. Jhs. die Wohnungen und Gemeindeeinrichtungen der jüdischen Familien. Der 1619 als „Judenschule“ (Damm 23) erwähnten Synagoge folgte 1714 der bis 1907 genutzte Neubau (Damm 12). Das Haus Damm 1 ist das Geburtshaus von Sally Perel, bekannt durch
„Ich war Hitlerjunge Salomon“.

Damm 37 war das Wohnhaus des beim November­pogrom 1938 ermordeten Hans Marburger. In der Straße befindet sich ein Denkmal für die jüdische Gemeinde Peine.

Damm, verschiedene Standorte, Gebäude nicht
zugänglich

Damm Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
14 Peine: Standort Neue Synagoge
14 Peine: Standort Neue Synagoge

Die 1906-07 erbaute Synagoge des hannoverschen Architekten F. Rudolf Vogel (1849-1926) gehörte mit ihren orientalischen, nach dem Geschmack des Jugendstils verwandelten Formen zu den interessantesten Synagogengebäuden der Region. Sie wurde 1938 zerstört.

Hans-Marburger Straße/Goethestraße,
heute Gedenkort

Hans-Marburger-Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
15 Peine: Jüdischer Friedhof An der Laubenkolonie
15 Peine: Jüdischer Friedhof An der Laubenkolonie

Der 1728 erstmals erwähnte Friedhof wurde vielleicht schon im 17. Jh. angelegt. In der NS-Zeit wurden bis auf die neun erhaltenen alle Grabsteine abtransportiert. Einige Gräber bettete man um, sie sind seit 1944 durch Kissengräber gekennzeichnet. Ein Gedenkstein erinnert an die Opfer der NS-Regimes.

An der Laubenkolonie, nicht frei zugänglich und schlecht einsehbar, Besichtigung nach Voranmeldung beim Kreisheimatbund Peine e.V., Tel. 05171-402810

An der Laubenkolonie Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
16 Peine: ehem. jüdische Landwirtschaftsschule
16 Peine: ehem. jüdische Landwirtschaftsschule
(Simon’sches Seminar für Gartenbau, Landwirtschaft und Handfertigkeit)

Das Seminar war eine Einrichtung der Simon’schen Stiftung, die sich der Verbreitung landwirtschaftlicher Berufe unter der jüdischen Bevölkerung widmete
(vgl. Nr. 04 und Hannover). Es bestand von 1913 bis 1928. Das inzwischen stark veränderte Gebäude ist ein Werk des bedeutenden Architekten Heinrich
Tessenow (1876-1950).

An der Simonstiftung, Wohnhaus, nicht zugänglich

An der Simonstiftung Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
17 Peine: Kreismuseum
17 Peine: Kreismuseum

Das Kreismuseum Peine zeigt u.a. eine Abteilung zur jüdischen Geschichte der Stadt, in der auch die beiden Synagogen und andere jüdische Einrichtungen präsentiert werden. In der Dauerausstellung wird das Leben von Peiner Jüdinnen und Juden in vielfältiger Weise skizziert. Von Zeit zu Zeit werden auch Sonderausstellungen mit Bezug zur jüdischen Geschichte gezeigt.
Stederdorfer Straße 17, Di-So 11-17 Uhr

Stederdorfer Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
18 Braunschweig: Friedhof Hamburger Straße
18 Braunschweig: Friedhof Hamburger Straße

Der um 1760 angelegte jüdische Friedhof wurde bis Anfang des 20. Jh. genutzt. Von den etwa 850 Grabstellen fällt das 1890 erbaute Mausoleum für Moses Aschkenasy aus Odessa ins Auge. Er war während einer Kur in Bad Harzburg (vgl. Nr. 52) verstorben.

Hamburger Straße, nicht frei zugänglich, Besichtigung für kleinere Gruppen nach Anmeldung,
Jüdische Gemeinde Braunschweig, Tel. 0531-45536

Hamburger Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
19 Braunschweig: Friedhof Helmstedter Straße mit Trauerhalle
19 Braunschweig: Friedhof Helmstedter Straße mit Trauerhalle

Der neue jüdische Friedhof wurde 1904 neben dem Hauptfriedhof angelegt und wird bis heute genutzt. Auf dem Gelände finden sich etwa 250 Grabsteine. Die 1910-14 durch den Braunschweiger Architekturprofessor Georg Lübke erbaute Trauerhalle ist ein wertvolles Zeugnis der Architektur aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Friedhof frei zugänglich, Trauerhalle verschlossen

Helmstedter Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
20 Braunschweig: Neue Synagoge mit Gemeindehaus
20 Braunschweig: Neue Synagoge mit Gemeindehaus

Die Synagoge und das Gemeindehaus wurden 1875 durch Constantin Uhde (1836-1905, vgl. Nr. 36) im maurischen Stil erbaut. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht 1938 zerstört. An ihrer Stelle steht heute ein Hochbunker. Das benachbarte Gemeindehaus blieb erhalten und ist auch heute noch Sitz der Jüdischen Gemeinde Braunschweig. Ihre Synagoge
im Innenhof wurde 2006 eingeweiht.

Steinstraße 4 (jüd. Gemeindehaus), Besichtigung nach Anmeldung, Tel. 0531-45536 (nicht am Sabbat oder an jüd. Feiertagen)

Steinstraße 4 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
21 Braunschweig: Standort Villa Jüdel
21 Braunschweig: Standort Villa Jüdel

Seine 1904 erworbene Villa, von Constantin Uhde entworfen, vererbte der Industrielle und Mäzen
Max Jüdel (1845-1910) der Stadt als Wohnsitz für den jeweiligen Oberbürgermeister. Der Bau wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Adolfstraße 52, Gedenktafel

 

 

Adolfstraße 52 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
22 Braunschweig: Eulenspiegel-Brunnen
22 Braunschweig: Eulenspiegel-Brunnen

Bernhard Meyersfeld (1841-1920) stiftete 1905 den von Arnold Kramer gestalteten Brunnen. Er war mit seinem Vater Gründer des Bankhauses D. Meyersfeld (Altstadtmarkt 8). Im Haus Bäckerklint 11 soll Eulenspiegel Eulen und Meerkatzen gebacken haben.

Bäckerklint, frei zugänglich

Bäckerklint Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
23 Braunschweig: Wohnhaus des Grafikers Ephraim Moses Lilien
23 Braunschweig: Wohnhaus des Grafikers
Ephraim Moses Lilien


Der in Galizien geborene E. M. Lilien (1874-1925)
trug mit seinen Grafiken wesentlich zur Entwicklung der zionistischen Kunst bei. 1920 zog er nach Braunschweig in das Haus seines Schwiegervaters. Lilien bemühte sich um die Rettung der Hornburger Synagoge (vgl. Nr. 25 und 46). Sein Grab mit einem bemerkenswerten Grabstein befindet sich auf dem Friedhof Helmstedter Straße (vgl. Nr. 19).

Wolfenbüttelerstraße 5, Wohnhaus,
nicht zugänglich

Wolfenbütteler Straße 5 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
24 Braunschweig: Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße
24 Braunschweig: Gedenkstätte KZ-Außenlager
Schillstraße


Auf dem heutigen Parkplatz des „BraWo-Parks“ befand sich von August 1944 bis März 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Heute erinnern ein Denkmal und die Gedenkstätte im Schill-Haus mit einem „Offenen Archiv“ an die zumeist jüdischen Opfer.

Außenanlage frei zugänglich, „Offenes Archiv“
Di, Mi 14-17 Uhr, Do 16-19 Uhr, jeden ersten Sa im
Monat 14-17 Uhr und nach Vereinbarung,
Tel. 0531-2702565,
gedenkstaette.schillstrasse@braunschweig.de

Schillstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
25 Braunschweig: Braunschweigisches Landesmuseum – Hinter Aegidien
25 Braunschweig: Braunschweigisches Landesmuseum – Hinter Aegidien

Das Museum zeigt als größtes und bedeutendstes Exponat der Abteilung zur jüdischen Geschichte und Kultur die Inneneinrichtung der Hornburger Synagoge von 1766 (vgl. Nr. 46). Sie ist wohl Deutschlands älteste nahezu vollständig erhaltene Synagogenausstattung. Eine bedeutende Sammlung von Ritual- und Alltagsobjekten veranschaulicht jüdisches Leben in der Region.

Hinter Aegidien, Di-Do 11-18 Uhr, Mo geschlossen
Führungen jeden Sonntag um 11:30 Uhr,
um Anmeldung wird gebeten, Tel. 0531-1225 2424


Eintrittspreise: Erwachsene 4 € / ermäßigt 3 €
Kinder (ab 6 Jahren) 2 €, Eintritt frei für Kinder bis 5 Jahre

Hinter Ägidien Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
26 Braunschweig: Braunschweigischs Landesmuseum, Haupthaus am Burgplatz
26 Braunschweig: Braunschweigisches
Landesmuseum, Haupthaus am Burgplatz

In der Dauerausstellung werden Geschichten jüdischen Lebens und jüdischer Persönlichkeiten im Kontext der Landesgeschichte des braunschweigischen Herzogtums präsentiert. In Braunschweig können seit 1282 jüdische Bewohner/innen nachgewiesen werden. Als ältester Hinweis jüdischen Lebens können archäologische Funde aus der Gördelingerstraße gelten, die eine jüdische Ansiedlung in der mittelalterlichen Stadt belegen.

Burgplatz 1, Di-So 10-17 Uhr

Burgplatz 1 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
27 Braunschweig: Städtisches Museum Braunschweig im Altstadtrathaus
27 Braunschweig: Städtisches Museum Braunschweig im Altstadtrathaus

Der Bankier Alexander David hatte in seinem Haus Kohlmarkt 16 ab 1729 den ersten Betsaal der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde eingerichtet. Das Museum zeigt die Türbekrönung des Eingangs. Sie ist das einzige originale Zeugnis dieser frühen Synagoge. Ein weiteres bemerkenswertes Stück ist ein Chanukkaleuchter aus der Sammlung des jüdischen Industriellen Max Jüdel (vgl. Nr. 21).

Altstadtmarkt 7, Di-So 10-17 Uhr

Altstadtmarkt Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
28 Braunschweig: Geburtshaus der Kunsthändlerin Galka Scheyer
28 Braunschweig: Geburtshaus der Kunsthändlerin
Galka Scheyer


Emilie Esther Scheyer wurde 1889 in diesem Haus geboren. Sie war selbst Malerin, wurde aber vor allem als Kunsthändlerin und -sammlerin bekannt. Scheyer war die Begründerin der Künstlergemeinschaft „ Die Blaue Vier“ zu der Feininger, Jawlensky, Kandinsky und Klee gehörten. Sie starb 1945 in Hollywood.

Okerstraße 10, Wohnhaus, nicht zugänglich,
Gedenktafel

Okerstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
29 Helmstedt: Betsaal Holzberg 22
29 Helmstedt: Betsaal Holzberg 22

Im Haus ihres Vorstehers Louis Friede richtete die kleine jüdische Gemeinde 1859 ihren Betsaal ein, der aufgrund der geringen Mitgliederzahlen nur bis in die 1860er Jahre genutzt wurde. Zuvor bestand 1810-57 ein Betsaal im Haus Neumärker Straße 4, das jedoch nicht erhalten ist.

Holzberg 22, Wohnhaus, nicht zugänglich

Holzberg Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
30 Helmstedt: Jüdischer Friedhof
30 Helmstedt: Jüdischer Friedhof

Die jüdische Gemeinde ließ 1876 in der Westecke des städtischen Friedhofs ein eigenes Gräberfeld anlegen, auf dem 19 Grabstellen erhalten sind. Die beiden älteren jüdischen Friedhöfe Helmstedts sind heute nicht mehr erkennbar.

Magdeburger Tor, frei zugänglich

Magdeburger Tor Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
31 Helmstedt: Juleum mit Kreis- und Universitätsmuseum
31 Helmstedt: Juleum mit Kreis- und
Universitätsmuseum

Von 1612 bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1810 beherbergte das Juleum die Helmstedter Universität. Sie verlieh dem Bankier Israel Jacobson (vgl. Nr. 32,
48, 54-57) 1807 die Ehrendoktorwürde – eine seinerzeit für Juden höchst außergewöhnliche Ehrung.

Collegienplatz 1, Museum Di-Fr 10-12 Uhr und 15-17 Uhr, Sa, So 15-17 Uhr, Juleum Führungen nach Vereinbarung, Tel. 05351-5239723

Collegienplatz 1 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
32 Helmstedt: Israel Jacobson-Brücke
32 Helmstedt: Israel Jacobson-Brücke

Der Braunschweiger Bankier Israel Jacobson
(vgl. Nr. 31, 48, 54-57) stiftete 1805 eine Brücke für die Straße von Helmstedt nach Bad Helmstedt. Eine Inschrift rühmt den Stifter „Ob Deutschen oder Franken, des Gesunden oder Kranken, das nahe Bad erquicke, erbaute diese Brücke der edle Jacobsohn. Ihm gilt der Dank als Lohn.“

Brunnenweg, ca. 400 Meter nordöstlich der
Autobahnbrücke, frei zugänglich

Brunnenweg Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
33 Wolfenbüttel: Betsaal bei Marcus Gumpel Fulda am Holzmarkt
33 Wolfenbüttel: Betsaal bei Marcus Gumpel Fulda am Holzmarkt

Um 1710 erwarb der Bankier Marcus Gumpel Fulda  (vgl. Nr. 45) das Gebäude und richtete im Hinterhaus einen Betsaal ein, der 1733 durch die Behörden zwangsweise geschlossen wurde.

Holzmarkt 9, Vorderhaus erhalten, Wohnhaus, nicht zugänglich

Holzmarkt Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
34 Wolfenbüttel: Jüdischer Friedhof Am Jahnstein
34 Wolfenbüttel: Jüdischer Friedhof Am Jahnstein

Auf dem 1724 angelegten Friedhof sind etwa 200 Grabsteine erhalten.

Am Jahnstein, Besichtigung für kleinere Gruppen nach Anmeldung, Jüdische Gemeinde Braunschweig,
Tel. 0531-45536

Am Jahnstein Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
35 Wolfenbüttel: Alte Synagoge Harzstraße mit Samsonschule
35 Wolfenbüttel: Alte Synagoge Harzstraße mit
Samsonschule


Philipp Samson (1743-1805) erbaute 1781 eine
Synagoge im Hof seines Hauses. Sie wurde bis 1893 genutzt (vgl. Nr. 36). Gleichzeitig gründete er hier
eine Religionsschule, die spätere Samsonschule (vgl. Nr. 37). Hier wirkten bedeutende Gelehrte wie
Samuel Meyer Ehrenberg (1773-1853) und der Mitbegründer der Wissenschaft des Judentums, Leopold Zunz (1794-1886). Hier lehrte auch Samuel Spier (1838-1903), einer der Gründerväter der SPD. Die Schule bestand bis 1928.

Harzstraße 12, Wohnhaus, nicht zugänglich,
Gedenktafel

Harzstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
36 Wolfenbüttel: Standort Neue Synagoge Lessingstraße
36 Wolfenbüttel: Standort Neue Synagoge
Lessingstraße


Die 1893 vom Braunschweiger Architekten Constantin Uhde (1836-1905, vgl. Nr. 20) im maurischen Stil entworfene Synagoge war durch ihre Doppelturmfront im Straßenbild sehr auffällig. Sie wurde in der Pogromnacht 1938 zerstört.

Lessingstraße 12, Wohnhaus, nicht zugänglich,
Gedenktafel

Lessingstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
37 Wolfenbüttel: Neue Samsonschule
37 Wolfenbüttel: Neue Samsonschule

1896 zog die Samsonschule vom alten Standort (vgl. Nr. 35) in einen repräsentativen Neubau am Neuen Weg. Die Schule wurde 1928 aufgrund wirtschaftlicher Probleme geschlossen. Später nutzte die SA das Gebäude als Kaserne.

Neuer Weg 50, Gebäude z.Z. leerstehend und nicht zugänglich

Neuer Weg 50 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
38 Wolfenbüttel: Herzog August Bibliothek
38 Wolfenbüttel: Herzog August Bibliothek

Die Herzog August Bibliothek besitzt einen der größten Bestände an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften, Drucken und Graphiken weltweit. Dieser geht u.a. auf Herzog August d. J. (1579-1666) zurück und beinhaltet auch andere Sammlungen, darunter die Bibliothek der ehem. Helmstedter Universität (vgl. Nr. 31). Auch ca. 400 hebräische und jiddische Drucke sowie hebräische Handschriften sind hier zu finden. Berühmt ist die Magdeburger Tora-Rolle aus dem 14. Jh.

Lessingplatz 1, Di-So 10-17 Uhr (museale Räume und temporäre Ausstellungen)

Lessingplatz 1 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
39 Wolfenbüttel: Lessinghaus
39 Wolfenbüttel: Lessinghaus

Der Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729-81) war in seinen letzten zehn Lebensjahren herzoglicher Bibliothekar in Wolfenbüttel und lebte seit 1777 im heutigen Lessinghaus. Hier besuchte ihn sein jüdischer Freund, der Philosoph Moses Mendelssohn (1729-86), der den Anstoß für die jüdische Aufklärung gab. Lessing verewigte Mendelssohn in der Gestalt des Nathan in seinem Drama „Nathan der Weise“; eine Bronze­plastik Nathans erinnert daran. Das Lessinghaus zeigt eine Dauerausstellung zu Leben und Umfeld des Aufklärers.

Lessingplatz 2, Di-So 10-17 Uhr

Lessingplatz 2 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
40 Wolfenbüttel: Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel
40 Wolfenbüttel: Gedenkstätte in der
JVA Wolfenbüttel


Die Gedenkstätte thematisiert die Rolle der Justiz bei der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Mord­politik am Beispiel des Strafgefängnisses Wolfenbüttel: Dort wurden mindestens 526 Menschen hingerichtet. Das Gefängnis diente auch als Haftstätte für politische Gegner. Im November 1938 wurden dort alle im Land Braunschweig nach der Pogromnacht verhafteten jüdischen Männer vor dem Weitertransport in die Konzentrationslager festgesetzt.

Am Herzogtore 13, das Dokumentationszentrum mit der Dauerausstellung ist von Dienstag bis Sonntag, 10-17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Ein Besuch der historischen Orte, die sich innerhalb der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wolfenbüttel befinden, ist grundsätzlich nur nach Voranmeldung möglich. Tel. 05331 935501-0 (Information); wolfenbuettel@stiftung-ng.de

Am Herzogtore 13 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
41 Schöningen: jüdische Grabstätten auf dem städtischen Friedhof
41 Schöningen: jüdische Grabstätten auf dem
städtischen Friedhof


Die kleine jüdische Gemeinde hatte ihren Betsaal zunächst in der Beguinenstraße 10 und ab 1924 im Kurhaus (beide Gebäude zerstört). 1929 wurde ein jüdisches Gräberfeld als Teil des städtischen Friedhofs, rechts von der Kapelle, angelegt. Drei Gräber sind erhalten, ein Gedenkstein erinnert an die jüdischen Bürger/innen. Die beiden älteren jüdischen Friedhöfe sind nicht erhalten.

Müller-Mühlenbein-Straße, frei zugänglich

Müller-Mühlenbein-Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
42 Salzgitter-Lebenstedt: Ausländerfriedhof Jammertal
42 Salzgitter-Lebenstedt:
Ausländerfriedhof Jammertal


Auf Grund der steigenden Sterberate richteten die Reichswerke „Hermann Göring“ im Sommer 1943 einen zentralen „Ausländerfriedhof“ ein. Bis dahin wurden etwa 1.000 Zwangsarbeiter/innen, KZ-Häftlinge sowie Gefangene eines Arbeitserziehungslagers auf dem Friedhof Westerholz (Papenstieg, SZ-Hallendorf) beigesetzt. Im „Jammertal“ wurden die Toten, von denen über 4.000 Namen aus mehr als 15 Nationen nachgewiesen sind, in Einzelgräbern bestattet. Ein Ehrenmal für die jüdischen Opfer und zahlreiche Grab­platten mit Davidstern finden sich auf dem Gräberfeld.

Peiner Straße, Zufahrt gegenüber Einmündung Steinmetzweg, frei zugänglich

Peiner Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
43 Salzgitter-Bad: Friedhof Hinter dem Salze
43 Salzgitter-Bad: Friedhof Hinter dem Salze

Der 1826 angelegte und bis 1921 genutzte jüdische Friedhof ist mit seinen 23 erhaltenen Grabsteinen das einzige heute sichtbare Zeugnis der kleinen jüdischen Gemeinde in Salzgitter-Bad. Der älteste Grabstein stammt von 1849. Die Zeit des Nationalsozialismus überstand der Friedhof ohne Zerstörungen.
Tillystraße/Hinter dem Salze, frei zugänglich

Tillystraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
44 Salzgitter-Drütte: Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Außenlager Drütte
44 Salzgitter-Drütte: Gedenk- und
Dokumentationsstätte KZ Außenlager Drütte


1942 richteten die Reichswerke „Hermann Göring“ das KZ Außenlager ein, in dem mehr als 3.000 Häftlinge zur Zwangsarbeit untergebracht wurden. Ein ehem. Unterkunftsraum wurde 1994 als Gedenkstätte eröffnet. Das Gedenkstätten-Archiv verfügt u.a. über eine Vielzahl von Biografien jüdischer Häftlinge aus den Lagern im Salzgittergebiet.

Eisenhüttenstraße, Tor 1 der Salzgitter AG, geöffnet jeden 2. Samstag im Monat, 15-17 Uhr, oder nach Anmeldung beim Arbeitskreis Stadtgeschichte e.V., Tel. 05341-44581, info@gedenkstaette-salzgitter.de
Weitere Mahnmale erinnern an das KZ Watenstedt/Leinde (Seesener Straße, Höhe Firma Friedrich,
SZ-Immendorf) und an das KZ Salzgitter-Bad
(Friedrich-Ebert-Straße 110, SZ-Bad)

Eisenhüttenstraße 75 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
45 Hornburg: Jüdischer Friedhof Hagenberg
45 Hornburg: Jüdischer Friedhof Hagenberg

Der vor 1672 angelegte Friedhof wurde bis 1923 genutzt. 1701 bestattete Marcus Gumpel Fulda aus Wolfenbüttel (vgl. Nr. 33) sein Kind hier, da die Wolfenbütteler Gemeinde noch über keinen eigenen Begräbnisplatz verfügte. Auf den 86 nachweisbaren Grabstätten sind noch 57 Grabsteine erhalten.

Auf dem Hagenberg/Judengasse, frei zugänglich

Auf dem Hagenberg Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
46 Hornburg: ehem. jüdische Schule und Standort Synagoge
46 Hornburg: ehem. jüdische Schule und
Standort Synagoge


Im Garten hinter dem 1763 erworbenen jüdischen Gemeinde- und Schulhaus stand die 1766 erbaute barocke Fachwerksynagoge. Bis 1882 fanden hier Gottesdienste statt, danach blieb sie ungenutzt und wurde in den 1920er Jahren abgebrochen. Die Innen­einrichtung wurde ins heutige Braunschweigische Landesmuseum überführt (vgl. Nr. 25).

Dammstraße 20, ehem. Gemeindehaus erhalten,
heute Wohnhaus, nicht zugänglich

Dammstraße 20 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
47 Hornburg: Denkmal für einen 1870/71 gefallenen jüdischen Soldaten
47 Hornburg: Denkmal für einen 1870/71
gefallenen jüdischen Soldaten


Neben dem Denkmal für die Gefallenen der
Weltkriege steht ein Obelisk, der an den deutsch-
französischen Krieg 1870/71 und den einzigen
Gefallenen des Ortes erinnert: den jüdischen
Kaufmannssohn Joseph Schwabe (1850-70).

Friedrich-Ebert-Platz, frei zugänglich

Friedrich-Ebert-Platz Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
48 Wöltingerode: Israel Jacobsons Kloster
48 Wöltingerode: Israel Jacobsons Kloster

Das 1174 gegründete Kloster gelangte 1807 an das Königreich Westphalen. Nach Auflösung des Nonnen­klosters 1809 erwarb Israel Jacobson (vgl. Nr. 31-32, 54-57), seinerzeit Finanzrat König Jérôme Bonapartes, dieses und fünf weitere Klöster. Wöltingerode baute er als seine Wohnstätte aus und lebte hier 1813/14. Schließlich musste Jacobson das Kloster verkaufen, da nach hannoverschem Gesetz Juden kein Grundeigentum haben durften, und zog nach Berlin.

Wöltingerode 1

Wöltingerode 1 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
49 Groß Rhüden: ehem. Synagoge
49 Groß Rhüden: ehem. Synagoge

Die jüdische Gemeinde errichtete 1834 eine neue Synagoge mit Schulraum und Lehrerwohnung, nachdem zwei Vorgänger durch Brand zerstört worden waren. Sie wurde bis 1900 genutzt und 1920 verkauft. Das Fachwerkhaus ist typisch für ländliche Synagogenbauten in Südniedersachsen, die oft mehrere Gemeinde­institutionen unter einem Dach vereinigten.

Auf den Steinen 23, Wohnhaus, nicht zugänglich,
kein Hinweis vor Ort

Auf den Steinen Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
50 Goslar: Jüdischer Friedhof Glockengießerstraße
50 Goslar: Jüdischer Friedhof Glockengießerstraße

Der 1608/09 angelegte Friedhof ist einer der ältesten erhaltenen jüdischen Friedhöfe der Region und beherbergt über 185 Gräber. Die 145 erhaltenen Grabsteine spiegeln die Entwicklung jüdischer Grabkunst und Traditionstreue eindrucksvoll wider.

Glockengießerstraße,
1.4.-31.10.: So-Fr 10-17 Uhr;
1.11- 31.3.: So-Fr 10-15 Uhr

Glockengießerstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
51 Goslar: Standort Synagoge Bäckerstraße
51 Goslar: Standort Synagoge Bäckerstraße

Als Ersatz für die 1780 bei einem Stadtbrand zerstörte Synagoge in der Piepmäkerstaße 11-13 erbaute die Gemeinde 1782 eine neue Synagoge. Sie wurde in der Pogromnacht 1938 stark beschädigt und nach Kriegsende bis ca. 1950 durch eine Gemeinde von jüdischen KZ-Überlebenden als Bethaus genutzt. 1959 erfolgte der Abbruch des Fachwerkhauses.

Bäckerstraße 31, Gedenktafel

Bäckerstraße 31 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
52 Bad Harzburg: Standort der Synagoge im Garten des ehemaligen Hotels Parkhaus
52 Bad Harzburg: Standort der Synagoge im Garten des ehemaligen Hotels Parkhaus

Das 1896 eröffnete Hotel warb mit koscherer Küche und ab 1901 mit einer neuen Synagoge im Garten. Nach Aufgabe und Verkauf des Hotels wurde die „Privatsynagoge“ um 1935 abgebrochen, das Hotelgebäude ist erhalten. Einige weitere Hotels und Pensionen in Bad Harzburg wurden von jüdischen Familien betrieben, so dass die Stadt ein beliebtes Ziel jüdischer Kurgäste aus aller Welt war (vgl. Nr. 18).

Herzog-Wilhelmstraße 104, ehem. Hotel
„Parkhaus“, heute „Parkhof“ mit Einkaufspassage,
frei zugänglich

Herzog-Wilhelm-Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
53 Bad Harzburg: Plastik „Schalom“ von Peter Moosmann
53 Bad Harzburg: Plastik „Schalom“ von
Peter Moosmann


Die Plastik stand seit 1995 zunächst im Garten des ehem. Hotels Ernst August, das ab 1921 vor allem jüdische Kurgäste besuchten. Im November 1938 war es Schauplatz brutaler Übergriffe gegen den Betreiber und die Gäste; anschließend wurde es „arisiert“. 1946-50 war ein jüdisches Erholungsheim eingerichtet, in das bis etwa 1950 KZ-Überlebende kommen konnten. Im Mai 1948 feierte der Rat der jüdischen Gemeinden der britischen Zone hier die Gründung des Staates Israel.

Rohkamallee, unterer Badepark, frei zugänglich

Rohkamallee Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
54 Seesen: Jacobsonschule (ehem. Alumnatsgebäude, heute „Jacobson-Haus“)
54 Seesen: Jacobsonschule (ehem.
Alumnatsgebäude, heute „Jacobson-Haus“)


Die 1801 von Israel Jacobson (vgl. Nr. 31-32, 48, 55-57) gestiftete „Religions- und Industrieschule“ war eine der frühesten modernen jüdischen Bildungseinrichtungen. Ab 1802 nahm sie auch christliche Schüler auf. Nach dem 1975 erfolgten Abbruch des umfangreichen Schul- und Internatskomplexes blieb nur das 1889 erbaute Alumnat (Wohnheim) erhalten, in dem eine Ausstellung zur Schulgeschichte gezeigt wird. Erhalten ist noch der alte Speisesaal.

Jacobsonplatz 1, frei zugänglich Mo-Fr 9-18 Uhr, Stolperschwelle für 260 Opfer unter den ehem. Schülern

Jacobsonplatz 1 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
55 Seesen: Standort des Jacobstempels
55 Seesen: Standort des Jacobstempels

Im Hof seiner Schule ließ Jacobson (vgl. Nr. 31-32, 48, 54, 56-57) 1810 eine Fachwerksynagoge erbauen, die als erste Reformsynagoge weltweit von hoher Bedeutung ist. Sie wurde in der Pogromnacht 1938 zerstört, ihre Lage ist in der Pflasterung nachgezeichnet.

Jacobsonplatz, frei zugänglich, Denkmal vor dem Alumnatsgebäude

Jacobsonplatz Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
56 Seesen: Jüdischer Friedhof Dehnestraße
56 Seesen: Jüdischer Friedhof Dehnestraße

Auf dem 1805 durch Israel Jacobson (vgl. Nr. 31-32, 48, 54-55, 57) angekauften Gelände fanden von 1836 bis 1963 Bestattungen statt; etwa 100 Grabsteine sind erhalten. Für den Lehrkörper der Jacobsonschule (vgl. Nr. 54) gibt es eigene Reihen auf der Hügelkuppe.

Dehnestraße, frei zugänglich

Dehnestraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
57 Seesen: Städtisches Museum
57 Seesen: Städtisches Museum

Im ehemaligen herzoglichen Jagdschloss präsentiert das Museum unter anderem eine Ausstellung zur Jacobsonschule mit ihrer Synagoge (Nr. 54-55) sowie zur Jacobson’schen Waisenanstalt, deren Bauten nicht erhalten sind.

Wilhelmsplatz 4, Di-Fr 11-17 Uhr, Sa, So 14-17 Uhr

Wilhelmsplatz Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
58 Halberstadt: Berend Lehmann Museum und Moses Mendelsohn Akademie
58 Halberstadt: Berend Lehmann Museum und
Moses Mendelsohn Akademie


Das Museum für jüdische Geschichte und Kultur ist nach dem Halberstädter Berend Lehmann (1661-1730) benannt, einem der bedeutendsten Hofjuden seiner Zeit. In der Dauerausstellung wird am Beispiel der jüdischen Gemeinschaft Halberstadts die Geschichte der Judenheit in Preußen illustriert. Im Hof befand sich die 1938 zerstörte Barocksynagoge. Die 1995 gegründete Moses Mendelsohn Akademie ist eine internationale Begegnungsstätte, in der einer breiten Öffentlichkeit Wissen über die jüdische Geschichte und Kultur vermittelt wird.

Museum: Judenstraße 25/26, 1.5.-31.10.: Di-So 10-17 Uhr; 1.11.-30.4.: Di-So 10 -16 Uhr. Akademie: Rosenwinkel 18.

Judenstraße Sachsen-Anhalt, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
59 Halberstadt: drei jüdische Friedhöfe
59 Halberstadt: drei jüdische Friedhöfe

Besonders sehenswert sind die beiden ältesten Friedhöfe mit zahlreichen Grabsteinen aus der Barockzeit. Die Friedhofschlüssel können gegen ein Pfand von 20 EUR an der Kasse des Berend Lehmann Museums ausgeliehen werden. Die Friedhöfe sind an Schabbat und den jüdischen Feiertagen geschlossen. Freitags sind Besuche nur bis 12.00 Uhr möglich.

1. ältester Friedhof: Sternstraße an der Mauer am Roten Strumpf (Flur 35 / Flurstück 50); 2. Friedhof neben dem 1. Friedhof an der rechten Mauer vom Roten Strumpf/Katholischer Friedhof Am Berge;
3. Friedhof Klein Quenstedter Straße 

Westendorf Sachsen-Anhalt, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Burgdorf: Synagoge
Burgdorf: Synagoge

Die Synagoge wurde 1811 für die jüdische Gemeinde erbaut. Der Betraum dieser für diese Zeit typischen Fachwerksynagoge war durch hohe Rundbogenfenster an der Fassade zur Louisenstraße ablesbar; im vorderen Teil an der Poststraße befanden sich Gemeinde- und Wohnräume. Bis 1935 wurde die Synagoge genutzt und nur wegen Gefahr für die umgebenden Fachwerkhäuser 1938 nicht in Brand gesetzt. Seit 2008 beherbergt das Gebäude die städtische „Kultur­werkstatt“.

Poststraße 2, Sa-So 14-17 Uhr

 

Poststraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Burgdorf: Jüdischer Friedhof
Burgdorf: Friedhof

Der Jüdische Friedhof wurde von 1694 bis 1936 belegt, der älteste der 102 erhaltenen Grabsteine stammt aus dem Jahr 1750.

Uetzer Straße 25, nicht zugänglich

 

Uetzer Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Jüdische Gemeinde Hannover
Hannover: Jüdische Gemeinde

Die Synagoge in der Haeckelstraße wurde am 10. November 1963 eingeweiht. Das Gemeindezentrum verfügt über einen Saal für kulturelle Zwecke, das Gemeindebüro, Schul- und Klubräume.  Nach 1990 wurde das Gemeindeleben insbesondere in den Bereichen Jugend-, Kultur-, Sozial- und Seniorenarbeit erheblich ausgebaut. Die Mitgliederzahl der Jüdischen Gemeinde Hannover stieg seit den 1990er Jahren von ursprünglich 900 auf mehr als 4.000 im Jahre 2018 an.

Haeckelstraße 10

 

Haeckelstraße 10 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Liberale Jüdische Gemeinde
Hannover: Liberale Jüdische Gemeinde

Die Liberale Jüdische Gemeinde Hannover K.d.Ö.R. gründete sich 1997. Sie eröffnete 2009 ihr Gemeinde- und Kulturzentrum „Etz Chaim" [Hebräisch für Baum des Lebens] in Leinhausen. Das neu geweihte jüdische Gemeindezentrum mit Synagoge war zuvor eine evangelische Kirche.

Fuhsestraße 6

Fuhsestraße 6 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Jüdisch-bucharisch-sefardische Zentrum
Hannover: Jüdisch-bucharisch-sefardische Zentrum Deutschland in Hannover e.V.

Einmalig in Deutschland. Im September 2009 eröffnete eine Gemeinde bucharischer Juden ihre Synagoge in Ricklingen. Sie hat etwa 200 Mitglieder. Die Gemeinde ist einzigartig in Deutschland.

Bangemannweg 8a

Bangemannweg Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Synagogenmahnmal
Hannover: Synagogenmahnmal

An die Pogromnacht 1938 zerstörte Synagoge des jüdischen Architekten Edwin Oppler erinnert ein Synagogenmahnmal am ungefähren Standort der Synagoge.

Rote Reihe 6

 

Rote Reihe 6 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Mahnmal
Hannover: Mahnmal

Am Opernplatz wurde in Erinnerung an die ermordeten Juden und Jüdinnen der Stadt ein Mahnmal durch den italienischen Künstler Michelangelo Pistoletto entworfen.

Opernplatz

Opernplatz Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Israel-Jacobson-Bibliothek
Hannover: Israel-Jacobson-Bibliothek im Gemeindezentrum Etz Chaim

Die Jüdische Bibliothek Hannover bietet mehr als 7.000 Titel in mehreren Sprachen. Schwerpunkte beim Buchbestand und den Veranstaltungen sind die deutsch-jüdische Geschichte, die jüdische Geschichte in Hannover und Niedersachsen, Belletristik jüdischer Schriftsteller und Werke israelischer Autorinnen und Autoren in deutscher Übersetzung. Die Jüdische Bibliothek Hannover ist eine öffentliche Bibliothek. Trägerin ist die Israel Jacobson Gesellschaft e.V.

Fuhsesstr. 8; Mo, Mi 14.30-18.30 Uhr.

 

Fuhsestraße 8 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Jüdischer Friedhof Oberstraße
Hannover: Jüdischer Friedhof Oberstraße

Der Friedhof Oberstraße mit 700 Grabsteinen ist der älteste erhaltene Friedhof Norddeutschlands.

Oberstraße, nicht zugänglich

Oberstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Jüdischer Friedhof an der Strangriede
Hannover: Jüdischer Friedhof an der Strangriede

Der jüdische Friedhof an der Strangriede mit Friedhofshalle und über 3.500 Bestattungen, wurde zwischen 1864 und 1924 genutzt.

An der Strangriede 55a, nicht zugänglich, Anmeldung zu Führungen unter: Friedhof.Strangriede@web.de

 

An der Strangriede Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Jüdischer Friedhof in Bothfeld
Hannover: Friedhof in Bothfeld

Seit 1924 dient der Friedhof Bothfeld, ebenfalls mit einer Friedhofshalle, als Bestattungsplatz.

Burgwedeler Straße 9, Winterzeit (November-März): So-Do 9-16 Uhr, Fr 9-14 Uhr. Sommerzeit (April-Oktober): So-Do 9-18 Uhr, Fr 9-16 Uhr

 

Burgwedeler Straße 90 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Jüdischer Friedhof Seelhorst
Hannover: Jüdischer Friedhof Seelhorst

Peiner Straße 130, Eingang Peiner Straße, Winterzeit (November-März): So-Do 9-16 Uhr, Fr 9-14 Uhr. Sommerzeit (April-Oktober): So-Do 9-18 Uhr, Fr 9-16 Uhr

Peiner Straße 130 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Gedenkstätte Ahlem
Hannover: Gedenkstätte Ahlem

Der Komplex der ehemaligen Israelitischen Erziehungsanstalt der Simon’schen Stiftung (vgl. Nr. 4, 16) beherbergt heute die Gedenkstätte Ahlem. Die dortige Dauerausstellung ist zweigeteilt. Ein Teil fokussiert auf die Verfolgung und Ausgrenzung der deutschen Judenheit in der NS-Zeit; im zweiten Teil wird die Geschichte der Erziehungsanstalt, der 1893 gegründeten Gartenbauschule rekonstruiert.

Hannover-Ahlem: Heisterbergallee 8, Di-Do 10-17 Uhr; Fr 10-14 Uhr; So 11-17 Uhr, Führungen jeden ersten und dritten Sonntag im Monat, um 14 Uhr (ab fünf Personen), Tel. 0511 616-23745

Heisterbergallee 8 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hannover: Europäisches Zentrum für jüdische Musik
Hannover: Europäisches Zentrum für jüdische Musik

Das Europäische Zentrum für jüdische Musik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover widmet sich der Erforschung, Rekonstruktion, Dokumentation und Vermittlung jüdischer Musik in all ihren Erscheinungsformen. In der Villa Seligmann, in der es seinen Sitz hat, finden regelmäßig Konzerte statt. Die repräsentative Villa wurde Anfang des 20. Jahrhunderts für den jüdischen Bankkaufmann Siegmund Seligmann errichtet.

Villa Seligmann, Hohenzollernstraße 39

Hohenzollernstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hildesheim: Jüdischer Friedhof Teichstraße
Hildesheim: Jüdischer Friedhof Teichstraße

Der jüdische Friedhof in der Teichstraße wurde von etwa 1600 bis 1821 belegt. Es befinden sich dort rund 330 Grabsteine.

Teichstraße zwischen Binder- und Augustastraße, nicht zugänglich, von außen einsehbar

Teichstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hildesheim: Jüdischer Friedhof Peiner Landstraße
Hildesheim: Jüdischer Friedhof Peiner Landstraße 

Mit Kapelle

Peiner Landstraße 26, nicht zugänglich, von außen einsehbar

 

Peiner Landstraße 26 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hildesheim: Jüdischer Friedhof Moritzberg
Hildesheim: Jüdischer Friedhof Moritzberg

Die jüdische Begräbnisstätte Friedhof liegt in der Bennostraße im Hildesheimer Stadtteil Moritzberg. Es befinden sich dort knapp 30 Grabsteine.

Bennostraße, frei zugänglich

 

Bennostraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Hildesheim: Synagogenmahnmal
Hildesheim: Synagogenmahnmal

Im Hinterhof des 1881 errichteten Backsteinbaus der jüdischen Schule am Lappenberg befand sich bis 1839 der jüdische Betsaal. Frei auf dem Platz davor stand bis zur Pogromnacht die 1849 eingeweihte Synagoge, die durch ihren oktogonalen Grundriss auffiel. Ein 1948 aufgestellter Gedenkstein und das 1989 errichtete Mahnmal erinnert an sie.

Synagogenmahnmal: Lappenberg; Jüdische Schule: Lappenberg 21 (heute Gemeindehaus St. Godehard)

Lappenberg Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Göttingen: Jüdische Gemeinde Göttingen
Göttingen: Jüdische Gemeinde Göttingen

Die Jüdische Gemeinde Göttingen (JGG) hat die 1825 erbaute Synagoge der Landgemeinde Bodenfelde im Jahre 2006 in die Stadt transloziert und nutzt sie seitdem als Gotteshaus.

Angerstraße 14, Besichtigung nach
Voranmeldung unter jg-goettingen@t-online.de


 

Angerstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Göttingen: Mahnmal am Platz der Synagoge
Göttingen: Mahnmal am Platz der Synagoge

An die in der Pogromnacht 1938 zerstörte Synagoge von 1872 erinnert seit 1973 ein Mahnmal des italienischen Künstlers Corrado Cagli.

Platz der Synagoge

 

Platz der Synagoge Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Göttingen: Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen
Göttingen: Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen

Die Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen gründete sich im Jahr 2005. Sie beherbergt in ihren Räumlichkeiten eine Bibliothek und richtet in Kooperation mit dem Jüdischen Lehrhaus regelmäßig Veranstaltungen aus.

Rote Straße 28

Rote Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Göttingen: Jüdischer Friedhof an der Gerichtslinde
Göttingen: Jüdischer Friedhof an der Gerichtslinde

Der Jüdische Friedhof an der Gerichtslinde besteht aus zwei Teilen. Der ältere Teil wird nicht mehr belegt und ist nicht zugänglich. Der vordere jüngere Teil wird von der Jüdischen Gemeinde Göttingen als Begräbnisstätte genutzt. Auf dem jüdischen Friedhof im Stadtteil Geismar findet sich ein Gedenkstein, der von der Straße einsehbar ist. 2017 wurde eine Informations­tafel am Friedhof aufgestellt.

An der Gerichtslinde/Groner Landstraße, Besichtigung des jüngeren Teils nach Voranmeldung unter
jg-goettingen@t-online.de

An der Gerichtslinde Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Göttingen: Jüdischer Friedhof Geismar
Göttingen: Jüdischer Friedhof Geismar

Auf dieser mehr als 400 m² großen jüdischen Begräbnisstätte in Geismar sind keine Grabsteine mehr erhalten sind. Er wurde im Jahr 1937 aufgelassen. Zwei Gedenkorte erinnern an die Geschichte.

Trift/Hauptstraße, nicht zugänglich

Duderstädter Landstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Dransfeld: Ehemalige Synagoge
Dransfeld: Ehemalige Synagoge

1836 wurde die Synagoge, ein schlichter, verputzter Bruchsteinbau, als Ersatz für den durch ein Feuer zerstörten Vorgängerbau an selber Stelle eingeweiht. Sie ist ein typisches Beispiel für eine Landsynagoge in Südniedersachsen. Da sie schon 1937 aufgegeben wurde, entging sie der Zerstörung in der Pogromnacht. Ab 1951 diente sie als katholische Kirche, seit 1986 befindet sich in dem Gebäude eine Schreinerwerkstatt.

Gerlandstraße 7, nicht zugänglich

 

Gerlandstraße 7 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Dransfeld: Jüdischer Friedhof
Dransfeld: Jüdischer Friedhof

Auf diesem rund 2.500 m² großen Friedhof am Nordosthang (Am Hohen Hagen) des Dransberges befinden sich mehr als 130 Grabsteine. Die Grabmale stammen aus der Zeit von 1853 bis 1937. Verstorbene aus Dransfeld und Umgebung sind dort bestattet.

Am Hohen Hagen, frei zugänglich

Im Kampe Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Beim Kunstliebhaber Kauth
Galka Scheyer in Braunschweig:
Beim Kunstliebhaber Kauth


Drunter und drüber ging es in diesem Haus in der Wohnung des Kunstliebhabers Urban Kauth, dem Galka Scheyer später Bilder abkaufte. 

Im zweiten Stock des schmalen, aber langgestreckten Hauses Ratsbleiche 7 wohnte von 1920 bis 1923 ein Kunstliebhaber, der für Emmy Scheyer wichtig wurde – der Gerichtsassessor Urban Kauth. Wie viele andere sehnte er sich in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg nach einem Menschen, der versprach, die deutsche Gesellschaft von ihrem materialistischen Denken zu heilen. Im Oktober 1920 lernte er in Hannover einen Mann kennen, der die nötigen Gaben zu haben schien, den Arzt, Schriftsteller und Maler Reinhard Goering. 

Reinhard Goering (1887–1936) war im Ersten Weltkrieg an Tuberkulose erkrankt. In der Schweiz, genauer: im Luftkurort Davos und in Ascona versuchte er zu gesunden. Gut möglich, dass Emmy Scheyer ihm in Ascona begegnete. Mit seinem Bühnenstück Die Seeschlacht in der Inszenierung von Max Reinhardt erzielte er einen großen Erfolg. 1920 war er aber völlig mittellos und Morphinist. 

Da bot ihm Urban Kauth an, in seiner Wohnung an der Ratsbleiche zu wohnen. Weil er das Gefühl hatte, allzu bürgerlich-konventionell zu leben, war er bereit, sich von diesem berühmten Dichter und Heiler umerziehen zu lassen und vieles zu ertragen, was dieser ihm zumutete. Er nahm zum Beispiel in Kauf, dass seine Bücher eines Tages zum Fenster hinaus auf die Straße geworfen wurden und die Marmeladegläser gleich hinterher, weil sie spießig seien. Wenn er gelegentlich Widerstand leistete, drohte Goering, die Bilder an den Wänden mit Schüssen aus seiner Browning zu zerstören. Um dies und Schlimmeres zu verhindern gab Kauth nach. Er besitze „die besten Klees“, schrieb der Maler Rudolf Jahns einem Kollegen. 

Als Kauth 1922 nach Berlin zog, seine Wohnung in Braunschweig aber beibehielt, nutzte Goering die Gelegenheit, ein Bild von Emil Nolde und zehn Zeichnungen von Paul Klee an sich zu nehmen und verschiedenen Kunsthändlern zum Kauf anzubieten. Kauth bemerkte den Diebstahl und rang sich zu einer Anzeige durch, weil er hoffte, Goering per Gerichtsbeschluss zu einer ärztlichen Behandlung bringen zu können. Braunschweiger Gutachter und das Gericht erkannten dessen Schizophrenie und Gemeingefährlichkeit. Kauth fand seine Bilder wieder, weil es kaum Käufer für diese Art von Kunst gab. Das ganze Drama wurde in Braunschweiger Tageszeitungen abgehandelt. 

Als Urban Kauth in Berlin als Rechtsanwalt arbeitete, konnte Emmy Scheyer mehrere Bilder von Jawlensky bei ihm zwischenlagern. Der Maler dankte ihm für diese Art von Unterstützung und schenkte ihm ein Bild. Emmy Scheyer meldete Jawlensky: „Er weiß nicht, wie er es verdient. Ich aber finde, er verdient es, und ich hoffe, Sie auch.“ Sie kaufte ihm fünf Bilder von Paul Klee ab. Sie sind heute noch im Norton Simon Museum in Pasadena zu sehen.

Ratsbleiche 7, Wohnhaus, nicht zugänglich 

Bildquelle: K. Kessler

Ratsbleiche 7 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Malunterricht mit Pfingstrosen
Galka Scheyer in Braunschweig:
Malunterricht mit Pfingstrosen


Emmy Scheyer nahm Malunterricht aber bei welchem der zahlreichen Braunschweiger Künstler ist nicht überliefert. Vielleicht lernte sie bei Anna Pricelius oder bei Anna Löhr.

Schon während ihrer Schulzeit nahm Emmy Scheyer Klavierstunden (siehe Hagenmarkt) und sie nahm Unterricht im Malen. 1907 schuf sie ein Bild in Ölfarben auf Leinwand, einen Strauß gelber Pfingstrosen in voller Blüte, mit dunkelgrünen Blättern vor hellblauem Hintergrund. Das Bild mutet nicht wie das Werk einer Anfängerin an, es ist mit „flottem Pinselstrich“ gemalt worden, und die üblichen Andeutungen einer Blumenvase, einer Tischdecke, eines Zimmers fehlen. Die achtzehnjährige Malerin signierte und datierte ihr Bild, das etwa 60 x 50 cm misst ganz selbstbewusst auf dem Keilrahmen der Leinwand mit „E. E. Scheyer 7“. Es fragt sich, bei wem sie lernte, Bilder in dieser lockeren Art und Weise zu malen.

Bei ihrem Zeichenlehrer Hans Herse wohl nicht. Es war bekannt, dass er Landschaftsansichten mit größter naturalistischer Genauigkeit malte und in erster Linie an der Städtischen Gewerbeschule (heute Löwenwall 18a) unterrichtete, wo er Damen nur Ornamente zeichnen ließ.

Bekannt für das Genre der Blumenmalerei war die Malerin Anna Pricelius. Sie hatte in Karlsruhe und Antwerpen studiert und wohnte an der Schleinitzstraße 17 bei ihren Eltern. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung war sie mehrmals vertreten. 1905 hatte sie Erfolg mit einer Einzelausstellung im Herzoglichen Museum Braunschweig. 

Weniger bekannt für dieses Genre, aber den aktuellen Strömungen in der Malerei mehr zugeneigt, war die Malerin Anna Löhr, Tochter eines Konservenfabrikanten in Harxbüttel. Sie wohnte 1907, als Emmy Scheyer das Ölbild „Pfingstrosen“ malte, an der Bammelsburgerstraße 9. Von 1909 an hatte sie auch ein Atelier an der Humboldtstraße 10, wo Emmy Scheyers jüngere Freundinnen Käthe Evers und Elsa Daubert Unterricht nahmen. 

Das Bild „Pfingstrosen“ gelangte auf ungeklärte Weise zu Verwandten von Gustav Lehmann, Emmy Scheyers Lehrer und Freund. Vielleicht nahm sie schon 1907 bei ihm Unterricht, obwohl er die meiste Zeit in München, Dresden, Leipzig und Wien und nur gelegentlich bei seinen Eltern an der Hennebergstraße 18 in Braunschweig war. Sein Vater war Mitinhaber eines Geschäftes mit „Möbelstoffen u. Teppichen, Gardinen u. Linoleum“. Erklärt dies, warum sich im Nachlass des Malers auch Entwürfe für farbige Möbel befinden? Nur eine der vielen Fragen, die der Klärung bedürfen! 

Bammelsburger Straße 9, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: G. Holzgang (o.), Privatsammlung (m.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Bammelsburger Straße 9 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Konservenfabrik M. Maseberg
Galka Scheyer in Braunschweig:
Konservenfabrik M. Maseberg


Um 1906 wurde Familie Scheyer durch den Kauf der Konservenfabrik W. Maseberg zu einer Fabrikantenfamilie. Galka Scheyer profitierte von dem Unternehmen durch regelmäßige finanzielle Unterstützung.
Zwei Monate nach dem Tod ihres Vaters veranlassten die Geschwister Paul, Erich und Emilie Scheyer beim Stadt-Magistrat zu Braunschweig die Neufassung der „Gewerbe-Anmeldung.“ Sie waren von nun an die gewerbesteuerpflichtigen Eigentümer der Firma W. Maseberg. Ihre Mutter Henriette Scheyer wurde in dem Dokument nicht erwähnt. Sie wohnte bei ihren Kindern in der Unternehmervilla, 1924 zog sie in eine große Wohnung an der Besselstraße 6.

Als Emmy Scheyer 1910 volljährig wurde, erklärte sie den Austritt aus dem Leitungsgremium der Firma. Trotzdem war die Villa an der Goslarschestraße, die drei Geschosse mit etwa 260 Quadratmetern Fläche und Räumen von 2,8 m, 3,8 m und 3,5 m Höhe sowie einen Dachboden aufwies, ihr Zuhause, wenn sie sich in Braunschweig aufhielt. Aber sie fühlte sich dort nicht wohl. Sie reagierte allergisch auf ihre Mutter, litt an Essstörungen und verkroch sich in ein Zimmer im ersten Stock der Villa oder im Dachboden bei der „Kutschersfrau“. 
Hier rahmte sie 1919 ihre eigenen Bilder, um sie im Herzoglichen Museum (siehe Museumstraße 1) ausstellen zu können, hier fasste sie in einem Gespräch mit ihrem jüngeren Bruder Erich den Entschluss, Alexej von Jawlensky mit Ausstellungen zu fördern, hier fühlte sie sich, umgeben von seinen Bildern, wie in einem „Karussell Jawlensky“. Ihre Schwägerin Margrit und zahlreiche Angestellte der Firma W. Maseberg halfen ihr bei dreißig Jawlensky-Ausstellungen in Deutschland und darüber hinaus.  
In der Unternehmervilla hingen schließlich zahlreiche Werke von Emmy Scheyer und von Gegenwartskünstlern, gesammelt von Erich und Margrit Scheyer.

Erich Scheyer arbeitete bei der Handelskammer als Sachverständiger für das Konservenwesen und überwies an seine Schwester in Los Angeles, solange es erlaubt war, eine kleine Rente, und an Jawlensky in Wiesbaden die Beträge, die sie ihm zukommen lassen wollte. Im November 1938 wurde er im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert und erst freigelassen, als seine Frau Margrit Fahrkarten nach San Francisco erworben hatte. 

Hinter der Unternehmervilla entstanden im Lauf der Jahre zahlreiche kleine und große Gebäude der Firma W. Maseberg. Im Zweiten Weltkrieg wurde das ganze Ensemble zerstört. 

Goslarsche Straße 61, Historisches Gebäude abgerissen, heutzutage ein Rewe

Bildquellen: K. Keßler (o.), 'Sie lebten in Braunschweig ...' (R. Bein, BS 2009) (m.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Goslarsche Straße 61 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Wohnung der Mutter
Galka Scheyer in Braunschweig:
Wohnung der Mutter


Bei ihrer Mutter hielt sich Galka Scheyer auf als sie 1932/33 Deutschland zum letzten Mal besuchte. Henriette Scheyer verwahrte drei Jahre lang eine Kiste mit Galkas Bildern auf einem Dachboden. 
 
Wenige Monate nach Emmy Scheyers Abreise nach New York zog Henriette Scheyer, ihre 64 Jahre alte Mutter, von der Goslarschestraße 61 an die zwei Querstraßen entfernte Liebigstraße (heute Besselstraße). Im Erdgeschoss des Hauses Nr. 6 mietete sie eine 170-Quadratmeter-Wohnung. 
 
Als Emmy Scheyer 1932 wieder nach Deutschland kam, ruhte sie sich erst einmal bei ihrer Mutter aus und schrieb Kandinsky, sie werde sich vielleicht ein gutes gebrauchtes Automobil besorgen und dann nach Berlin kommen. „Wenn ich erst ein Auto habe, dann gondele ich überhaupt so ein bisschen herum.“ Stattdessen wurde sie krank, erholte sich in Braunlage und erlebte in der Reichshauptstadt Hitlers Machtergreifung und den Boykott aller jüdischen Geschäfte, Banken und Arztpraxen. In größter Eile reiste sie zurück nach Amerika. 
 
Im März 1936 wurde Henriette Scheyer eine riesige Transportkiste zugestellt. Sie fand darin gebrauchte Wäsche und 56 Bilder, die mit „Emmy Scheyer“ oder „Renée“ signiert waren, und vergaß sie, weil ihre Schwester Ida Berger zu Besuch kam und ein paar Jahre blieb. Im Januar 1939 fanden Paul und Paula

 Scheyer auf dem Dachboden die 56 Bilder Emmy Scheyers. Henriette Scheyer bat die Zollfahndungsstelle in Hannover um Genehmigung, sie nach Hollywood zu senden. Es gab keine Einwände. 
 
Nach Kriegsbeginn hörte Emmy Scheyer, jetzt offiziell Galka Emmy Scheyer genannt, lange nichts mehr von ihrer Mutter. Im April 1940 erfuhr sie über Otto Ralfs, sie wohne nicht mehr an der Liebigstraße sondern Am Gaußberge 1. Dass dies ein sogenanntes „Judenhaus“ war, wurde nicht geschrieben. 
 
Ida Berger zog 1941 nach Hannover, und Henriette Scheyer konnte bei ihr im Altersheim der Minna-James-Heinemann-Stiftung unterkommen. Galka Scheyer bemühte sich um ein Affidavit für sie, aber Henriette Scheyer starb am 24. Februar 1941 nach einer Grippe mit Lungenentzündung und Herzinfarkt (und nicht 1942 durch Suizid, wie oft geschrieben wird). 
 
Ida Berger wurde 1942 in das „Judenhaus“ Ellernstraße in Hannover „verlegt“. Wie die zuständige Stelle 2016 verlauten ließ, habe sie sich am 23.07.1942 „nach Theresienstadt abgemeldet.“ Ida Berger wurde wenige Tage später in Treblinka ermordet.

Besselstraße 6, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o., u.)

Besselstraße 6 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Bei Kunstsammlern zu Hause
Galka Scheyer in Braunschweig:
Bei Kunstsammlern zu Hause


Emmy Scheyer war eng in die Kunstszene und vor allem in die der Kunstsammler vernetzt, gleich mehrere von ihnen lebten am Petritorwall.

Emmy Scheyer kannte mehrere Kunstsammler in Braunschweig. Einer von ihnen war der Stadtbaumeister, Privatdozent und Freizeitmaler Herman Flesche (1886-1972). Er wohnte am Petritorwall 26 und gehörte zu den Leihgebern einer Ausstellung, die Otto Ralfs im März 1924 im Prachtbau veranstaltete, der seit 1927 Herzog Anton Ulrich-Museum genannt wird (Museumstraße 1). Herman Flesche lieh Otto Ralfs ein Bild „Die Häuser“ von Paul Klee. Emmy Scheyer informierte den Maler am 14. April 1924 über diese Tatsache und fügte hinzu, so etwas sei ihr unbegreiflich und: „Ich will mal nachfragen, wieviel es kosten soll, und es Ihnen schreiben.“

Herman Flesche interessierte sich auch für Werke von Max Beckmann. Der Maler war bereit, ihm das Gemälde „Seelandschaft mit Pappeln“ von 1924 für 2.000 statt für 3.000 Mark zu überlassen, wenn er diesen Preis sofort bezahle und das Werk trotzdem für eine Ausstellung in Frankfurt zur Verfügung stelle. Zwei Jahre später nannte Beckmann dem Kunsthändler Günther Franke Flesches Adresse in Braunschweig mit dem Hinweis: „Ich glaube, daß man in Braunschweig verkaufen kann!!“

Ganz sicher kannte Emmy Scheyer auch das Sammlerehepaar Hugo und Marianne Kanter. Hugo war 1924 Professor für Privatwirtschaftslehre an der Technischen Hochschule und Syndikus der Industrie- und Handelskammer Braunschweig. Marianne schrieb gelegentlich Zeitungskritiken, z.B. eine sehr positive über die Ausstellung, die die Berliner Galerie Der Sturm 1916 in Braunschweig durchführte. Das Ehepaar gehörte im selben Jahr zu den Sammlern, die ein Bild „Italienischer Markt“ von Gustav Lehmann erwarben. Aus der Sammlung ihres Mannes vermachte Marianne Kanter dem Städtischen Museum (Steintorwall 14) ein Pastell von Edgar Degas und ein Ölbild von Henri de Toulouse-Lautrec.

Andere Kunstsammler in Braunschweig waren Urban Kauth (siehe Ratsbleiche 7), und der Konservenfabrikant Hermann Querner jun. Er kaufte Bilder von Gustav Lehmann, Erich Heckel, Emil Nolde, Arthur Segal und anderen. Außerdem war er 1925 bereit, für ein Stillleben von Alexej von Jawlensky, das heute in der Hamburger Kunsthalle hängt, 300 Mark in Form von Konserven aus seiner Fabrikation und 700 Mark in Raten zu bezahlen. Jawlensky war froh, dass Emmy Scheyers Bruder Erich bereit war, die monatlichen Zahlungen durchzuführen.

Erich Scheyer und seine Frau Margrit gehörten neben Otto Ralfs zu den wichtigsten Sammlern von Gegenwartskunst in Braunschweig. Als Erich Scheyer im Dezember 1938 notgedrungen die „Auswanderung“ seiner Familie vorbereiteten, stellte er den Antrag, seiner Schwester in Hollywood weit über 50 Arbeiten von Beckmann, Jawlensky, Kandinsky, Klee, Kokoschka, Kubin, Matisse, Moholy-Nagy, Munch, Segal und anderen Vertretern der „Jungen Kunst“ schicken zu dürfen. Ein Ölbild von Emmy Scheyer gehörte auch dazu.

Petritowall 26, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Petritorwall 26 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Paul und Paula Scheyer
Galka Scheyer in Braunschweig:
Paul und Paula Scheyer


Am Petritorwall lebte der ältere Bruder Paul mit seiner Familie, dem Galka Scheyer die Ausreise in die USA ermöglichte. Stolpersteine erinnern vor dem Haus an die früheren Bewohner.

Emmy Scheyer hatte lange Zeit ein schlechtes Verhältnis zu Paul, ihrem älteren Bruder. Sie fühlte sich von ihm schlecht verstanden und ungeliebt, und er empfahl ihr, in Deutschland einen vernünftigen Lebenswandel an den Tag zu legen. Er wohnte mit seiner Frau Paula, geborene Eisenstein, und den Söhnen Leopold und Gerhard etwa zehn Jahre an der Goslarschestraße 61, dann mietete er eine Wohnung am Petritorwall 7, bis er 1922 das Haus gegenüber, die Nummer 30, erwerben konnte. Als Besitzerin wurde Paula Scheyer im Adressbuch eintragen.

Paul bewältigte die Schwierigkeiten, in die die Firma W. Maseberg wegen der Weltwirtschaftskrise geriet, mit Bravour. Die Konserven mit dem Markenzeichen WEMA wurden in viele Länder exportiert. Dann waren die Gebrüder Scheyer und ihre Familien diskriminierenden Schikanen ausgesetzt, eine Haft im Konzentrationslager Buchenwald eingeschlossen. Am 30. Juni 1936 wurde Paul Scheyer gezwungen, ein Papier zu unterschreiben, in dem er versicherte, seine Firma freiwillig verkauft zu haben.

In der Bedrohung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten näherten sich Paul und Galka Scheyer an. Sie war bereit, seine Söhne in Amerika aufzunehmen, sie konnten aber nach England entkommen. Dann kümmerte sie sich um Affidavits für Paul und Paula. Im Februar 1939 erhielten sie endlich die Nachricht, dass die Ausstellung der Visa für die USA am 7. März stattfinde. Paula schrieb ihrer Schwägerin: „Wir sind restlos glücklich. Paul ist ein anderer Mensch.“

In New York musste Paul Scheyer eine neue Existenz aufbauen. Wie es in den Kriegsjahren zu einem neuen Missverhältnis zwischen ihm und seiner Schwester kam, ist noch nicht geklärt. Wahrscheinlich lag es in unterschiedlichen Auffassungen begründet, auf welche Weise Galka Scheyers Privatsammlung von Bildern der Blauen Vier und anderer Maler zustande gekommen war, und was mit ihr geschehen solle. Vermutlich trafen sich die Geschwister ein letztes Mal im Frühling 1944 in New York.

1948 machten die Brüder Paul und Erich Scheyer wegen des Verlustes von Vermögen und Firma Wiedergutmachungsansprüche geltend. Sie erstritten sich 1951 mühsam einen finanziellen Teilerfolg. 

Petritorwall 30, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o., m.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Petritorwall 30 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Freundin Lette Valeska
Galka Scheyer in Braunschweig:
Freundin Lette Valeska


Emmys beste Freundin, Valeska Heynemann, besuchte am Petritorwall 2 ihre Eltern, wo sie u.a. 1920 ihre Hochzeit vorbereitete.

An dieser Stelle kann man an Auswirkungen des deutschen Nationalismus erinnern, unter denen Emmy Scheyer, ihre Freundin Valeska Heynemann und ihre Familien zu leiden hatten. Hier schlug Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg am 31. Juli 1809 ein Feldlager auf, tags darauf zog er mit seiner Schwarzen Schar in die Schlacht bei Ölper. Ihm zu Ehren wurde vierzig Jahre später an dieser Stelle eine Eiche gepflanzt und mit einer Umfriedung versehen, die Kanonenrohre und Kanonenkugeln imitiert.

Das damals hier stehende Haus Petritorwall 2 gehörte dem Hofbildhauer Wilhelm Sagebiel. Er hatte das Talent, jeden Auftrag in dem Stil zu erfüllen, den seine Auftraggeber wünschten. In seinem Haus wohnten 1919 und 1920 die Eltern von Emmy Scheyers Schulfreundin Valeska Heynemann, die an der Poststraße 5 aufgewachsen war. Sie besuchte ihre Eltern, als Alexej von Jawlensky die Hoffnung äußerte, seine Bilder nicht nur in Deutschland, sondern auch in Holland verkaufen zu können. Emmy Scheyer schrieb ihm postwendend, Valeska werde demnächst nach Holland fahren, sie gebe ihr einige Bilder mit, um sie holländischen Kunsthändlern anzubieten.

Im Oktober 1920 heiratete Valeska Heynemann einen Chemiefabrikanten aus Frankfurt am Main. Bald darauf hielt sich Emmy Scheyer bei dem Paar auf und bereitete eine Jawlensky-Ausstellung vor. Als sie sie eröffnete, zerstritt sie sich mit Valeska. Sie schrieb Jawlensky, seit ihrer Heirat verhalte sich ihre Freundin, als ob sie gerade aus Mutters Küche käme, „banal, banal, banal.“

1930 starb Valeskas Vater, 1935 zog ihre Mutter vom Petritorwall an den Löwenwall. Zwei Jahre später emigrierte sie nach Palästina, bald darauf floh sie nach Holland. Dort kam sie bei einem Bombenangriff der Wehrmacht ums Leben. Valeska lebte damals schon bei Galka Scheyer in Los Angeles. Sie trennte sich von ihrem Ehemann und machte eine Karriere als Fotografin. Von Galka Scheyer dazu ermuntert, begann sie, Bilder zu malen und nahm den Künstlernamen Lette Valeska an.

Auch während des Zweiten Weltkrieges gehörte das Haus Petritorwall 2 Wilhelm Sagebiel. Einer seiner Söhne war NSDAP- und SA-Mitglied und machte als Architekt Karriere: Ernst Sagebiel plante in Berlin den Flughafen Tempelhof und das Reichsluftfahrtministerium. Es waren die Jahre, in denen Lette Valeska Galka Scheyer oft in Los Angeles besuchte. Beide waren jedem Nationalismus abhold.

In den Fünfziger Jahren wurde die Kriegsruine Petritorwall 2 in Braunschweig durch einen Neubau ersetzt. Und in Los Angeles begann Lette Valeska, den schriftlichen Nachlass Galka Scheyers und der Blauen Vier zu ordnen und über sie ein Buch zu schreiben. Sie tat dies im Auftrag des Pasadena Art Museum, aus dem das Norton Simon Museum hervorging. 1974 verlieh ihr der Botschafter in Los Angeles das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Sie hoffte, die Stadt Braunschweig werde sie zu einem Besuch einladen. Sie wurde enttäuscht und starb 1985 im Alter von hundert Jahren in Los Angeles. Heute erinnert hier eine Gedenktafel an sie.   

Petritorwall 2, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler

Petritorwall 2 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Früheste Kindheit
Galka Scheyer in Braunschweig:
Früheste Kindheit


Ein Jahr vor Emmys Geburt war die Familie Scheyer in die Okerstraße gezogen, wo Emmy Scheyer die ersten drei Lebensjahre verbrachte.

An der Okerstraße im nördlichen Bereich des Braunschweiger Stadtzentrums kam es kurz nach 1880 zu großen Veränderungen. Auf der Liegenschaft Nr. 1 wurde gerade ein mehrstöckiges Haus errichtet, und die Parzelle Nr. 2, die dem gleichen Kreismaurermeister gehörte, war ein leergeräumtes Baugrundstück. In die neu gebauten Häuser Nr. 3, 4 und 5, die ein Tischlermeister besaß, zogen als erste Mieter ein „Finanzcalculator“, ein Werkführer, ein Lehrer und eine Lehrerin ein. Auf den Liegenschaften Nr. 7 und 8 standen noch keine Häuser, auf der Nr. 9 hingegen wurde 1884 eine städtische mittlere Bürgerschule für Knaben errichtet. Sie machte die Wohngegend attraktiv, besonders für Familien mit jungen Söhnen wie die Familie Scheyer. Haus Nr. 13 war der Sitz einer nach Lessing benannten Freimaurerloge. In der Nr. 14 wohnten die Malerin Caroline Pockels mit Mutter und Schwester, ein weiterer Lehrer und ein Regierungsrat. Zusätzliche Wohnhäuser wurden gebaut, bis auch dieser Bereich der Stadt eng besiedelt war.

Als Ende 1888 oder zu Beginn des folgenden Jahres im ersten Stock des sechs Jahre alten Hauses Nr. 10 eine Wohnung frei wurde, konnten Leopold und Henriette Scheyer mit ihren Söhnen Paul und Erich sie mieten. Im Erdgeschoss wohnte ein Kaufmann Franz Nahde von der Firma „Brendecke & Nahde, Garn- und Posamenteriehandlung en gros.“ Die beiden Wohnungen wurden 1962, in Zeiten großer Wohnungsnot, geteilt, und das Haus erhielt einen weiteren Eingang mit der Nummer 10a.

Kurze Zeit nach ihrem Umzug an die Okerstraße wurden Leopold und Henriette Scheyer Eltern eines dritten Kindes. Ihre Tochter Emilie Esther Scheyer kam am 15. April 1889 zur Welt. Das Mädchen wurde immer Emmy gerufen, Emilie nie, und Henriette Scheyer schrieb ihre Tochter auch noch Jahrzehnte später, als sie einen amerikanischen Pass auf den Namen Galka Emmy Scheyer erhalten hatte, mit „Liebes Kind“ an.

Emmy Scheyer verbrachte nur ihre ersten drei Lebensjahre an der Okerstraße 10. Vor dem Haus wurde 2019 eine Tafel eingeweiht, die über ihr Leben und Werk informiert. 1892 zog Familie Scheyer an den Löwenwall 4b. 

Okerstraße 10, Wohnhaus, nicht zugänglich, Gedenktafel

Bildquellen: K. Keßler (o., u.)

Okerstraße 10 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Ein bunter Steg über die Oker
Galka Scheyer in Braunschweig:
Ein bunter Steg über die Oker


Emmy Scheyer wird häufiger durch Braunschweig gestreift sein auf der Suche nach schönen Motiven. Den Steg am Petriwehr malte sie 1914 gemeinsam mit ihrer Freundin Käthe Evers. Gustav Lehmann, der Lehrer und Freund von Emmy Scheyer, Käthe Evers, Elsa Daubert und Albert Hamburger, starb im Juli 1914 nach einer Blinddarmoperation. Als dann auch noch der Erste Weltkrieg ausbrach, wird sich die Braunschweiger Maler-Clique gefragt haben: Wohin geht die Reise? Emmy Scheyer und Käthe Evers trafen sich. Sie kannten in der Nähe von Emmy Scheyers Geburtshaus einen hölzernen Steg, der auf einem Wehr errichtet worden war und Fußgängerinnen und Fußgängern ermöglichte, die Oker zu überqueren. Neben einander an ihren Staffeleien stehend, malten die beiden Freundinnen diesen Fußgängersteg. Es entstanden zwei ganz ähnliche Bilder in Öl auf Leinwand. Man kann in ihnen Sinnbilder für einen Weg in eine ungewisse Zukunft erkennen.

In späteren Jahren wurde das Wehr verstärkt und mit einer befahrbaren Straße versehen. In dem Haus beim Brückenpfeiler, Wehrstraße Nr. 1, wohnte von 1937 an Julius Scheyer, ein Kaufmann, der wie Emmy Scheyers Vater aus Bleicherode in Thüringen stammte; vermutlich waren sie verwandt. Er hatte mehrere Jahre in der Wohnung am Löwenwall 4b gewohnt, in der Emmy Scheyer aufwuchs, und dann in Belgien und der Schweiz als Vertreter von Schuhfabriken gearbeitet. Von 1923 an lebte Julius Scheyer mit seiner Familie wieder in Braunschweig, an der Fasanenstraße 51. 1936 starb seine Frau Helene, geborene Gutkind. Als Witwer zog Julius Scheyer an die Wehrstraße 1. Es war das Jahr, in dem seine Tochter Gertrud, die in der Firma W. Maseberg als Sekretärin gearbeitet hatte, um die Bewilligung kämpfte, nach England auszuwandern. Ihr Antrag, 100 RM und eine Schreibmaschine mitzunehmen, wurde abgelehnt. Gertrud verließ Deutschland Ende 1939. Sie überlebte den Holocaust in Haiti. Julius Scheyer hingegen kam in einem Altersheim für Juden in Hannover unter. Laut Angaben des Bundesarchives Berlin wurde er am 24.07.1942 nach Theresienstadt und von dort nach Treblinka deportiert.

Das Bild, das Emmy Scheyer 1914 von dem Fußgängersteg an der Wehrstraße gemalt und mit ihrem Pseudonym Renée, die Wiedergeborene, signiert hatte, befand sich viele Jahre in Amerika. 2020 gelangte es in eine Braunschweiger Privatsammlung. 

Wehrstraße, Brücke über die Oker, öffentlich zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o.), Privatsammlung (m.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Wehrstraße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Klavierunterricht für höhere Töchter
Galka Scheyer in Braunschweig:
Klavierunterricht für höhere Töchter


Wie im gehobenen Bürgertum üblich, hatten die Töchter Klavierunterricht – so auch Emmy Scheyer. Das „Musik-Conservatorium“ am Hagenmarkt ist eine der Schulen, die sie dafür besucht haben könnte.

„Studied Piano in the Conservatory of Braunschweig for 10 years“, behauptete Galka Scheyer 1939 in einem Antrag für ein Stipendium der Solomon Guggenheim Foundation und fuhr fort: „Piano Studies at the Conservatory of Paris where I held a Scholarship.“ Mit Einträgen in Schülerlisten oder anderen Dokumenten können diese Behauptungen nicht belegt werden. Gut möglich, dass sie in finanzieller Not formuliert wurden und der Kategorie Antragslyrik zuzurechnen sind.

Emmy Scheyer spielte wohl in ihrer Jugend, wie es sich für eine „höhere Tochter“ gehörte, Klavier. Wenn ihre Leistungen an der Schule „Kleine Burg“ es erlaubten, nahm sie Unterricht an einer privaten Musikschule, genannt Konservatorium. Eine herzogliche oder städtische Musikschule existierte damals noch nicht in Braunschweig.

Wahrscheinlich war Emmy Scheyer Schülerin von Minette Wegmann. Sie stammte aus der Instrumentenmacher-Familie Rautmann. Minette wurde Konzertpianistin und heiratete 1895 den „Tonkünstler“ und Musiklehrer Erich Wegmann. Die Beiden gründeten eine Schule. 1896 nannte sich Erich Wegmann „Director des Musik-Conservatoriums“ am Hagenmarkt 18. Von größerer Bedeutung und Bekanntheit war aber die pädagogische Fähigkeit seiner Frau Minette. Sie unterrichtete etwa 40 Jahre lang am Hagenmarkt und ging dabei ganz individuell auf die Neigungen und Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler ein. In vielen Städten hielt sie Vorträge über Musikerziehung und trat als Pianistin auf, erfolgreich. 

Eine andere Möglichkeit, Klavierstunden zu nehmen, hätte etwas später beim Musiklehrer Max Plock an der Fallersleber Straße 41 bestanden. Im Adressbuch des Jahres 1900 bot er zum ersten Mal eine „Ausbildung in sämtlichen Fächern der Tonkunst“ an, Prospekte seien gratis erhältlich, Anmeldungen täglich möglich.

In ihren Briefen kam Galka Scheyer später nie auf ihre Klavierstunden zurück, und ein Klavier ist auf keiner Fotografie ihres Hauses in Hollywood zu sehen. Valeska Heynemann ist die Einzige, die die musikalischen Fähigkeiten ihrer Freundin lobte. Ihre anderen Bekannten erwähnten sie nicht, wohl aber Emmy Scheyers eigenartige Sprechstimme. Auf ihre alles überragende Gesangskunst wies die Künstlerin oft hin, voller Selbstironie. 

Hagenmarkt 18, Arztpraxis/Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Hagenmarkt 18 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Junge Damen und feuchte Hände
Galka Scheyer in Braunschweig:
Junge Damen und feuchte Hände


Zwei Jahre wohnte Familie Scheyer in einer großzügigen Wohnung im neuen Wohnviertel für das aufsteigende Bürgertum bevor sie in die Fabrikantenvilla ihrer neuen Konservenfabrik zog.

Trotz saisonaler Schwankungen und wachsender Konkurrenz war die Herstellung von Gemüse- und Früchtekonserven um 1900 ein prosperierender Industriezweig. Leopold Scheyer, Emmy Scheyers Vater, verkaufte im Lauf des Jahres 1906 seinen Anteil an der Lederhandlung Scheyer & Regensburger an der Gördelingerstraße 48 und übernahm die Konservenfabrik W. Maseberg, die ihre Anlagen auf engem Raum und umgeben von Wohnhäusern an der Wiesenstraße hatte.

Er scheint damit Erfolg gehabt zu haben. Im April 1907, kurz vor dem achtzehnten Geburtstag seiner Tochter, konnte er mit der ganzen Familie in eine etwa 320 Quadratmeter große Wohnung an der Kaiser-Wilhelmstraße umziehen. Sie wird seit Ende des Zweiten Weltkrieges Jasperallee genannt. Stadtbaurat Ludwig Winter hatte diese Prachtallee als Hauptachse eines Viertels geplant, das in erster Linie Rücksicht nahm auf die Repräsenationsbedürfnisse des zahlungskräftigen Bürgertums und des Offizierscorps. Lage und Größe der Wohnungen wurden im ganzen “Östlichen Ringgebiet” nach dem militärischen Grad der Bewohner gestaffelt. Es standen ihnen geräumige Esszimmer, Herrenzimmer und Salons für große Gesellschaften zur Verfügung. Die Dienstboten und Lieferanten mussten einen Hintereingang benutzen, die Küche befand sich oft im Keller. Die Schriftstellerin Ina Seidel berichtet: „Obgleich es ein reges geselliges Treiben gab, so bestand die Geselligkeit doch wesentlich darin, daß die ‚tonangebenden‘ Kreise der höheren Beamten, der Akademiker, der Offiziere sich nach einem festen Ritus gegenseitig zum Genuß außerordentlich nahrhafter Diners mit unzähligen Gängen einluden.“

Die neuen Nachbarn der Familie Scheyer waren arrivierte Kaufleute und Baumeister, höhere Beamte und Adelige, eine Hofschauspielerin Rupricht und der Hofballetmeister Golinelli, dessen Frau Tanzkurse für die Heranwachsenden gab. Valeska Heynemann schreibt, dass sie und Emmy Scheyer bei Einladungen „tanzen durften, mit neuen Kleidern und immer denselben Jünglingen, die entsetzlich langweilig waren und obendrein feuchte Hände hatten.“ Sie und ihre Freundin seien wohlbehütet aufgewachsen, „aufgezogen in Anschauungen der ausklingenden viktorianischen Aera und der Plüschsofakultur, in einer kleinen Provinzstadt, welche von den Ideen der Geistesrevolution des beginnenden neuen Zeitalters kaum berührt wurde, im Bemühen uns zu braven Bürgerinnen zu erziehen.“ 

Jasperallee 35a, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Jasperallee 35 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Malen im Grünen
Galka Scheyer in Braunschweig:
Malen im Grünen


Riddagshausen mit seinem Zisterzienserkloster war und ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel der Braunschweiger Bevölkerung, sondern bot auch pittoresque Motive für die Landschaftsmalerei.

Valeska Heynemann erzählt, Emmy Scheyer habe schon ganz früh von der Freiheit geschwärmt und gesagt, sie werde „Kunst studieren, malen und nach Italien gehen, wo alle großen Maler wohnen.“ Vorerst mussten die Freundinnen mit Radfahren Vorlieb nehmen. Ein beliebtes Ausflugsziel war die Buchhorst bei Riddagshausen.

Die Gemeinde mit dem Zisterzienserkloster und den Bauernhöfen wurde auch oft von Gustav Lehmann aufgesucht. Fotos sind erhalten, die zeigen, wie er dort junge Damen in der pleinair-Malerei unterrichtete und Bilder malte, im Sommer und im Winter.

Sein Lehrer Charles J. Palmié bezog im September 1908 Quartier im nahe gelegenen Gasthof Grüner Jäger und unterrichtete Wochen lang Malerinnen und Maler in Freilichtmalerei. Dass Albert Hamburger, Gustav Lehmanns Freund, an dem Kurs teilnahm, kann nachgewiesen werden. Gut möglich, dass auch Emmy Scheyer, Anna Löhr und ihre Schülerin Käthe Evers mitmachten. Einem Zeitungsbericht zufolge entstand unter den Blicken neugieriger Spaziergänger eine große Anzahl von Bildern.

Palmié wurde daraufhin von Paul Jonas Meier zu einer Retrospektive im Museum an der Museumstraße 1 eingeladen. Eine Braunschweiger Zeitung warnte, Palmié habe im Lauf der Jahre eine große Wandlung vollzogen: „Der Künstler zählt zu den Modernsten der Modernen. Man darf dreist annehmen, daß neun Zehntel der Besucher bedauern werden, daß er sich auf die neue Bahn hat locken lassen.“

Die Retrospektive wurde trotzdem ein großer Erfolg. Ein Gymnasiast mit Namen Karl Höse sah sie und erinnerte sich viele Jahre später, als er Landgerichtsdirektor im Ruhestand war: „Ich hatte zum ersten Mal eine Weiterentwicklung der Malerei über die Änderung von Mode und Geschmack hinaus erlebt.“ Und er gelobte: „Ich werde niemals intolerant der Moderne gegenüber sein.“

Paul Jonas Meier hatte die Idee, bei stadtbekannten Kunstliebhabern eine Sammlung durchzuführen, damit ein Werk Palmiés mit einem Riddagshausen-Motiv erworben und dem gerade eröffneten Städtischen Museum geschenkt werden könne. Mit Spenden der Bankiers Bremer, Löbbecke und Meyersfeld, der Firmen Büssing, Grotrian, Natalis, Witting und vieler anderer Personen kam die benötigte Summe schnell zusammen. Palmiés Bild „Brücke bei Riddagshausen“ kann heute noch im Städtischen Museum am Steintorwall 14 betrachtet werden. 

Ebertallee 50, Gaststätte Grüner Jäger Braunschweig, Di-So ab 11.30 Uhr, info@gruenerjaeger.de

Bildquellen: I. Kuxhaus (o.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Riddagshausen Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Lederhandlung Scheyer & Regensburger
Galka Scheyer in Braunschweig:
Lederhandlung Scheyer & Regensburger


1881 zog Leopold Scheyer, Emmy Vater, in die Gördelingerstraße und gründete hier im selben Jahr eine Lederwarenhandlung. Vier Jahre später mietete er nach seiner Heirat dann eine Wohnung im östlichen Ringgebiet.

Die Gördelingerstraße wurde schon im 13. Jahrhundert in Plänen der Stadt Braunschweig eingezeichnet. Sie lag im Bereich der Handelsmesse, die zweimal im Jahr stattfand. Im Lauf der Jahrhunderte siedelten sich kleine Läden und große Kaufhäuser an, Hotels, Gaststätten und andere Etablissements. Eine Filiale der Landespost kümmerte sich um Briefe und Pakete, Banken erledigten Geldgeschäfte. Zahllose Händler und Kunden, Bauern und Schausteller kamen von weither, knüpften Kontakte und schlossen Verträge ab.

In diesem gesellschaftlichen Schmelztiegel siedelte sich im Herbst 1881 ein Kaufmann an, der in der Kleinstadt Bleicherode, also in der preußischen Provinz Sachsen geboren worden war. Er hieß Leopold Scheyer und war 29 Jahre alt. Mit einem zwei Jahre jüngeren, aus Feuchtwangen im Königreich Bayern stammenden Freund namens Moritz Regensburger bezog er eine Wohnung an der Gördelingerstraße 4. Die Beiden wollten eine Firma gründen. Am 4. Oktober gaben sie in einer Tageszeitung bekannt, dass sie „ein Leder-Geschäft en gros & en detail verbunden mit Lager sämtlicher Schuhmacher-Artikel eröffnet haben.“ Sie sicherten ihren Kunden „bei streng reeller Bedienung möglichst billige Preise“ zu. Die Adresse der Firma: Gördelingerstraße 48 – allerbeste Geschäftslage! 

Das stattliche Haus war 1751-1754 vom Braunschweiger Hofbaumeister Georg Christoph Sturm mit elf Fensterachsen, Mittelrisalit und Mansarddach entworfen und als Massivbau, nicht in Fachwerkbauweise, errichtet worden.

Leopold Scheyer war ein tüchtiger und erfolgreicher Kaufmann. Und er wollte eine Familie gründen. Am 26. Juni 1885 heiratete er in der Haupt- und Residenzstadt Kassel Henriette Katzenstein. Sie war vierundzwanzig Jahre alt und Tochter eines Kaufmanns namens Eduard Katzenstein, tätig in einer Firma, die Eisenbahn-, Post- und andere Uniformen herstellte.

Die Frischvermählten – beide waren jüdischen Glaubens – bezogen einen Monat nach ihrer Trauung eine Wohnung an der Friedrich-Wilhelm-Straße 9 in Braunschweig. 1886 wurde ihr Sohn Paul geboren, im Jahr darauf auch ihr Sohn Erich. Ihre Tochter Emmy kam 1889 an der Okerstraße 10 zur Welt. 

Gördelingerstraße 48, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o.), 'Sie lebten in Braunschweig ...' (R. Bein, BS 2009) (m.), Landesarchiv Wolfenbüttel (u.)

Gördelingerstraße 48 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Familie Heynemann
Galka Scheyer in Braunschweig:
Familie Heynemann


Die Familie von Emmys langjähriger Freundin Valeska Heynemann lebte in der Poststraße, wo der Vater über viele Jahre ein Textilgeschäft führte.

Als Emmy Scheyer 1889 geboren wurde, wohnte an der Poststraße 5 die Familie Heynemann. Berthold Heynemann hatte 1880 ein „Hamburger Engroslager“ eröffnet und in einer Zeitungsannonce verkündet, er beziehe seine Waren „aus den ersten Fabriken aller Länder.“ Die „Stickgarne, Nähartikel, Band- und Posamenteriewaren, Besätze, Knöpfe, Strumpfwaren, Corsetten, Weißwaren und Futterartikel“ könnten durch die „Vereinigung von Engros- und Detail-Geschäft“ zu „billigsten Hamburger Engros-Preisen“ erworben werden.

1882 erweiterte Berthold Heynemann das Sortiment „in wollenen Fantasiewaren“ durch „Tücher, Capotten, Kragen, Theater-Chales, Damen- und Kinderwesten, Gamaschen, Handschuhe, Pulswärmer, Muffen in enormer Auswahl zu Engros-Preisen.“ Ferner bot er Strickwaren und Strümpfe aus eigener Fabrikation an.

1882 und 1883 wurden Berthold und seine Frau Fanny Heynemann, geborene Kunstmann, Eltern zweier Söhne. 1885 wurde ihre Tochter Valeska geboren. 25 Jahre später erzählte sie: „Wir wohnten mitten in der Stadt, dem kleinen Warenhaus gegenüber, das meinem Vater gehörte, und das er hasste, weil es ihm die Zeit raubte, sich mit schöner Literatur zu beschäftigen. Doch er hatte eine Familie zu ernähren.“ Sie dachte dabei an die Wohnung ihrer Familie auf der einen Seite der Poststraße und an das Haus Nr. 13 gegenüber, wo sich das Geschäft ihres Vaters befand. In beiden Häusern und ihren Hinterhäusern wohnte eine Vielzahl von Mietern auf engstem Raum.

Familie Heynemann und Familie Scheyer kannten sich gut, erinnerte sich Valeska, als sie auf Emmy Scheyer zu sprechen kam. „Unsere Eltern waren befreundet, ebenso unsere Brüder, und so auch wir, als einzige Töchter der Familie.“ Die Scheyers seien reicher gewesen als ihre Familie. Das hinderte die beiden Freundinnen nicht daran, verbunden zu bleiben. Sie sahen sich immer wieder, in Brüssel und Ascona, in Braunschweig am Petritorwall 2, in Frankfurt am Main und Los Angeles. 

Poststraße 5 und 13, Schuhgeschäft/Bäcker/Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: I. Kuxhaus (o.), Stadtarchiv Braunschweig (m., u.)

Poststraße 5 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Schule für höhere Töchter
Galka Scheyer in Braunschweig:
Schule für höhere Töchter


Vermutlich besuchte Emmy Scheyer, wie ihre Freundinnen, die Städtische höhere Mädchenschule, das heutige Gymnasium kleine Burg mit seinem „Grauen Haus“ (1867 bezogen) und „Roten Haus“ (1880 erbaut).

Anzunehmen ist, dass Emmy Scheyer von April 1895 an, als sie sechs Jahre alt war, die Städtische höhere Mädchenschule besuchte, die allgemein „Kleine Burg“ genannt wurde. Etwas Schriftliches darüber ist nicht bekannt. Auch ihre Freundinnen Valeska Heynemann, Elsa Daubert und Käthe Brachvogel, die viel später Otto Ralfs heiratete, gingen auf diese Schule.

Im Laufe eines Schuljahres feierten die Schülerinnen und Lehrkräfte selbstverständlich die Geburtstage des Regenten Prinz Albrecht von Preußen und Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II., sowie den Sedantag. Einmal im Jahr durfte ein Ausflug in die Umgebung Braunschweigs gemacht, ein Schulfest in „Holsts Garten“ gefeiert und ein Konzert des Schülerinnenchors durchgeführt werden.

Emmy Scheyer und ihre Freundin Valeska Heynemann strolchten gerne in den engen Gassen und abenteuerlichen Hinterhöfen ihrer Fachwerkstadt herum, sie pflückten Blumen, wo sie nur konnten und packten mit an, wenn es galt, eine entgleiste Pferdebahn in ihre Gleise zurückzuschieben.

Wenn Emmy 1904/05 mit 27 Schülerinnen zusammen ihr obligatorisches zehntes Schuljahr absolvierte, hatte sie folgenden Unterricht: zwei Stunden Religion, je vier Stunden Deutsch (mit den Schwerpunkten Lessing, Goethe und Schiller), Französisch (mit einem Akzent auf Molière) und Englisch (wo Dickens und Shakespeare „drankamen“). Auf dem Plan standen ferner drei Stunden Geschichte, je zwei Stunden Erdkunde, Physik, Rechnen, Singen und Handarbeiten, eine Lektion Turnen und zwei Stunden Zeichnen. Ihr Lehrer in diesem Fach war der stadtbekannte Aquarellist Hans Herse, der in der Klasse I das Zeichnen von Blumen und die Grundzüge der Perspektive unterrichtete, aber in erster Linie an der Gewerbeschule (Löwenwall 18a) tätig war.

Am 14. April 1905, dem Tag vor ihrem 16. Geburtstag, verließ Emmy Scheyer die Schule „Kleine Burg“. Die dort eingerichtete Lehrerinnen-Ausbildung schloss sie nicht an, und das Abitur machte sie nicht. Wie es sich in der Kaiserzeit für Töchter aus „gutem Hause“ gehörte, ging sie nach der obligatorischen Schulzeit ein Jahr lang auf ein Internat. Familie Scheyer wählte das „Victoria-Pensionat in Dornholzhausen bei Bad Homburg für sie aus. 

Kleine Burg 5-7, Gymnasium, nicht zugänglich

Bildquellen: I. Kuxhaus (o.), Stadtarchiv Braunschweig (m., u.)

Kleine Burg 5 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Die 'Brücke' zu Gast in Braunschweig
Galka Scheyer in Braunschweig:
Die "Brücke" zu Gast in Braunschweig


Die Kunsthandlung Dörbandt am Bohlweg, gegenüber dem Schloss, brachte dem Braunschweiger Publikum u.a. Werke der Künstlergruppe Brücke aus Dresden nahe.

Am Bohlweg, Ecke Langerhof, hatte die Kunsthandlung, Spiegel- und Bilderrahmenfabrik Dörbandt ihren Sitz. Wie das berühmte Haus an der Museumstraße 1 veranstaltete sie regelmäßig Ausstellungen von lebenden Künstlerinnen und Künstlern. Im Juli 1906, als Emmy Scheyer in Braunschweig war, zeigte Karl Dörbandt Werke der noch völlig unbekannten Künstlergruppe Brücke aus Dresden. Karl Hildebrandt, der Kritiker der Landeszeitung Braunschweig, klassifizierte die Maler als „Vertreter der extremsten neueren Richtung“.

Im April 1907 schrieb er, in der zweiten Ausstellung der Künstlergruppe Brücke im Salon Dörbandt wolle der Maler Karl Schmidt-Rottluff anscheinend die pointillistische Technik seiner Vorbilder Manet und Signac noch überbieten. Er müsse sich nicht wundern, „wenn das Publikum diesen Arbeiten gegenüber sich völlig ablehnend verhält.“

1908 zeigte Karl Dörbandt zum dritten Mal Werke der Brücke, und Karl Hildebrandt kam zu einem freundlicheren Fazit. Er lobte die Bilder von Ernst Ludwig Kirchner mit ihren „derben, geschwungenen starkfarbigen Strichen“ und über die Kunst Schmidt-Rottluffs schrieb er: „Liegt innere Wahrheit in ihr, und hieran kann ich nicht zweifeln, so wird sie sich auch bei uns durchsetzen – wenn auch erst spät.“

Als Galka Scheyer 1924 Bilder, Zeichnungen und Grafiken zusammenstellte, die sie mit nach New York nehmen wollte, versuchte sie, Karl Schmidt-Rottluff in Berlin zu treffen. Er schrieb ihr kurz vor ihrer Abreise: „Sehr verehrte u. liebenswerte 

Frau Scheyer, also in Braunschweig stecken Sie mit Ihrer Viellebendigkeit im Schatten des Heinrichslöwen! Hat er nicht eine fabelhafte Grandezza?“ Er könne ihr leider keine Werke mit auf die Reise geben, sie steckten alle im Kunsthandel fest oder hingen in Ausstellungen. Galka Scheyer traf den Maler erst 1928, als sie sich kurze Zeit in Deutschland aufhielt.

Im April 1933 zur Genesung in Braunlage weilend, erlebte sie Hitlers Machtergreifung. Schmidt-Rottluff zu sehen, hatte sie keine Zeit. Er konnte ihr nur schreiben: „Ich freute mich, von Ihnen zu hören und Sie wieder im Land zu wissen, wobei ich glauben möchte, Sie sind weniger darüber erfreut.“

In Galka Scheyers Private Collection finden sich heute noch einige Arbeiten der Brücke-Maler Kirchner und Schmidt-Rottluff. 

Bohlweg 22/23, Kneipe/Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: I. Kuxhaus (o.), Stadtarchiv Braunschweig (m., u.)

Bohlweg 22 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Herzogliches Residenzschloss
Galka Scheyer in Braunschweig:
Herzogliches Residenzschloss


Die Gesellschaft der Freunde moderner Kunst nutzte an prominenter Stelle, im Schloss, einen Saal, in dem sie zahlreiche Ausstellungen zeigte.

Braunschweig war um 1920 eine Stadt, in der sich gleich zwei Personen um die Vermittlung der Gegenwartskunst bemühten, Emmy Scheyer und der ebenso passionierte, aber anders vorgehende Kaufmann Otto Ralfs. Er war 1919 als Prokurist in die Eisenwarenfirma eingetreten, die seinem Vater und einem Kompagnon gehörte. Dann entdeckte er seine Leidenschaft für moderne Kunst und erwarb zwei Werke von Kandinsky. 1922 sah er in einer Ausstellung Bilder von Paul Klee und kaufte vier davon. Er war froh, dass er durch seine Bekanntschaft mit der drei Jahre älteren Emmy Scheyer in der Lage war, Paul Klee, Alexej von Jawlensky und Wassily Kandinsky in seiner Wohnung am Petritorwall 24 zu beherbergen, wo ihre Werke hingen und wo Emmy Scheyer einer Schar geladener Gäste Lichtbilder von Gemälden zeigte, die sie nach Amerika mitnehmen wollte. Sie tat dies, obwohl sie mit Otto Ralfs schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Er war im Gegensatz zu ihr ein geschickter Briefeschreiber, Organisator und Kaufmann.

1924 verließ Emmy Scheyer Deutschland, und Otto Ralfs gründete, unterstützt durch Erich Scheyer, den Konservenfabrikanten Hermann Querner jun. und die Publizistin Charlotte Lange, die Gesellschaft der Freunde junger Kunst. Ihre erste Ausstellung mit Werken aus Braunschweiger Privatbesitz fand im Museum an der Museumstraße 1 statt. Von 1925 an stand der Gesellschaft im zweiten Geschoss des Braunschweiger Schlosses ein großer Raum zur Verfügung. Dort veranstalteten Otto Ralfs und seine Frau Käte (sie entstammte der Familie Brachvogel, welche schon früh den Mut hatte, Bilder von Charles Palmié und Gustav Lehmann zu erwerben) bis 1933 mehr als vierzig Ausstellungen der Gesellschaft der Freunde junger Kunst. Galka Scheyer erfuhr in Kalifornien immer wieder von „ihren“ Blaue Vier-Malern, die die Vernissagen besuchten oder Vorträge beim Lessingbund hielten, ob sie zufrieden waren mit dem Erfolg der Ausstellungen im Schloss oder derjenigen, die Otto und Käte Ralfs in ihrer Wohnung an der Moltkestraße 12 für geladene Gäste durchführten.

Otto Ralfs’ Kollektion von Werken Paul Klees und Wassily Kandinskys gehörte bald zu den größten weltweit. Zu diesen Arbeiten kamen solche von Feininger, Jawlensky, Modersohn-Becker, Mondrian, Nolde, Picasso, Rohlfs und vielen anderen.

Als Otto Ralfs’ Firma in der Weltwirtschaftskrise Konkurs anmelden musste, bat Kandinsky Galka Scheyer, eines oder mehrere seiner Werke aus der Sammlung Ralfs in Amerika anzubieten, damit diesem großen Braunschweiger Kunstförderer geholfen werde. Weil Kandinsky dies wünschte, war sie bereit dazu und hatte Erfolg. Sicher erfuhr sie auch noch, dass die Sammlung Ralfs im Zweiten Weltkrieg verloren ging, die eine Hälfte durch die Bombardierung der Braunschweiger Innenstadt, die andere Hälfte durch die Plünderung eines Depots in Ostpreußen, wo Otto Ralfs seine geliebte junge Kunst sicher aufgehoben glaubte. Erhalten blieb aber das Gästebuch des Ehepaars Ralfs mit Eintragungen vieler heute berühmter Künstler (im Städt. Museum). 

Schlossplatz 2, Residenzschloss Mo-Sa 9-20 Uhr, https://www.braunschweig.de/tourismus/ueber-braunschweig/sehenswuerdigkeiten/_residenzschloss.php

Bildquellen: I. Kuxhaus (o.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Schlossplatz 2 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Herzogliches Museum
Galka Scheyer in Braunschweig:
Herzogliches Museum


Im heutigen Herzog Anton Ulrich Museum fand Emmy Scheyers erste Ausstellung ihrer eigenen Gemälde statt, die gleichzeitig einen wichtigen Grundstein für ihre spätere Arbeit als Kunstagentin legte.

Als Emmy Scheyer vorwiegend in Braunschweig lebte, zeigte das prächtige Haus an der Museumstraße, das 1887 eröffnet und bis 1918 Herzogliches Museum genannt wurde, seinem Publikum nicht nur seine Sammlungen von flämischen und deutschen, französischen und italienischen Gemälden, Skulpturen und Kupferstichen, sondern auch Werke von lebenden Künstlerinnen und Künstlern. Drei- oder viermal im Jahr waren dann Ausstellungen zu sehen, die für Emmy Scheyers Entwicklung als Malerin wichtig waren: in den Jahren 1903 bis 1917 mehrmals solche von Charles J. Palmié, Anna Löhr und Gustav Lehmann.

Im Mai 1916 löste die Ausstellung „Expressionisten – Kubisten“ der Berliner Galerie Der Sturm, die in diesem Haus zu Gast war, einen Sturm der Entrüstung aus. Damals stand Emmy Scheyer wohl zum ersten Mal Werken von Gabriele Münter, Paul Klee und Franz Marc gegenüber. Vielleicht erlebte sie auch Herwarth Walden, den Leiter der Galerie, mit seiner sehr selbstbewussten Art der Kunstvermittlung.

1917 fragte sie den Direktor des Museums, Paul Jonas Meier, ob sie bei ihm die Ölbilder und Plastiken ausstellen dürfe, die sie selber geschaffen hatte. Das Vorhaben kam erst im Dezember 1919 zustande. Emmy Scheyer konnte etwa fünfundzwanzig ihrer Ölbilder zeigen, die sie zum Teil mit dem Pseudonym Renée signiert hatte. Ein Zeitungskritiker rühmte ihre farbenprächtigen Stillleben und nannte folgende Bildtitel: „Lehmanns Atelier mit Blick auf München“, „Leere Bühne“, „Cellospieler“, „Italienische Gasse“, „Arbeiter an der Drehbank“, „Wagen auf dem Felde“ und „Gelbes Haus“. Einige Bilder wurden verkauft. Zu erfahren, wo sie und andere Werke Emmy Scheyers sich heute befinden, wäre ein großer Gewinn für die Forschung. Warum die Malerin ihre Bilder nicht auch im Kunstsalon Dörbandt (Bohlweg 22-23) oder im Städtischen Museum (Steintorwall 14) präsentierte, ist eine offene Frage.

Der finanzielle Erfolg ihrer Ausstellung an der Museumstraße freute Emmy Scheyer so sehr, dass sie Alexej von Jawlensky vorschlug, zur Verbesserung seiner Lebensumstände Ausstellungen seiner Werke zu organisieren. In den folgenden Jahren veranstaltete sie etwa 30 davon in Deutschland und gründete mit Lyonel Feininger, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky und Paul Klee die Gruppe Die Blaue Vier. In der Ausstellung ihrer eigenen Werke im Jahr 1919 kann man die Keimzelle ihrer geradezu missionarischen Tätigkeit für diese Gruppe und andere Vertreter der europäischen Moderne erkennen. 

Museumstraße 1, Herzog Anton Ulrich-Museum, Di-So 11-18 Uhr, https://3landesmuseen-braunschweig.de/herzog-anton-ulrich-museum

Bildquellen: K. Keßler (o.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Museumstraße 1 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Synagoge und Religionsunterricht
Galka Scheyer in Braunschweig:
Synagoge und Religionsunterricht


Im Gemeindehaus in der Steinstraße besuchten jüdische Kinder den Religionsunterricht; vermutlich nur selten kam Familie Scheyer zum Gottesdienst in die Synagoge.

Emmy Scheyer und Valeska Heynemann mussten, als sie zur Schule „Kleine Burg“ gingen, den vorgesehenen protestantischen Religionsunterricht besuchen und zusätzlich an den Religionsstunden teilnehmen, die am Mittwoch- und Samstagnachmittag im jüdischen Gemeindehaus neben der Synagoge stattfanden. Auch die in Braunschweig aufwachsende Nellie Bruell, später verheiratet mit dem Mathematiker Kurt Otto Friedrichs, musste diese Lektionen an der Steinstraße 4 besuchen. Sie schreibt darüber in ihren „Lebenserinnerungen“: „Ich hasste diesen aufgezwungenen Unterricht, der zwei sonst freie Nachmittage verdarb…“

Bei den Familien Scheyer und Heynemann wird es sich um assimilierte Juden gehandelt haben. Es fällt auf, dass Emmy Scheyer in ihren Briefen nie etwas über das Judentum schrieb. Ihren Vornamen Esther erwähnte sie nur ganz selten (in einem Schreiben an die Maler ihrer Gruppe „Die Blaue Vier“ nannte sie sich einmal „Minister des Äußeren Emmy Esther S.“, ein anderes Mal bat sie darum, die Schwächen „der kleinen eitlen Esther Emy“ zu verzeihen). 1919 forderte sie Jawlensky auf, Geduld zu haben, sie habe „keine jüdische Hast“. Beten habe sie durch ihn gelernt. Dabei war Jawlensky russisch-orthodoxer Christ. In ihrem Testament verfügte sie, dass ihr Leichnam eingeäschert und die Asche verstreut werde, niemand dürfe zugegen sein – drei Forderungen, die jüdischem Brauchtum nicht entsprachen.

Auch ihre Freundin Valeska Heynemann schilderte die Distanz, die ihre eigene Familie zum jüdischen Leben hatte. So habe es ihre Mutter vermieden, in die Braunschweiger Synagoge zu gehen. Ihr Vater sei nur an Jom Kippur dorthin gegangen und habe dabei immer Schwierigkeiten gehabt, den für ihn vorgesehenen Sitzplatz zu finden. Deshalb habe sie einmal ein Bild gemalt, das genau das darstellt: ihren Vater, wie er in der Braunschweiger Synagoge seinen Sitzplatz sucht und wie er als einziger den Tempel verlässt, verfolgt von den Blicken einiger Anwesenden.

Die Synagoge wurde während des Judenpogroms 1938, zynisch und beschönigend „Reichskristallnacht“ genannt, zerstört und zu einem Bunker für arische Braunschweigerinnen und Braunschweiger umgebaut. Das jüdische Gemeindehaus blieb unzerstört, es wurde aber bis 1945 als Polizeirevier missbraucht. 

Steinstraße 4 (jüd. Gemeindehaus), Besichtigung nach Anmeldung, Tel. 0531-45536 (nicht am Sabbat oder an jüd. Feiertagen)

Bildquellen: I. Kuxhaus (o.), Privatsammlung Estate of Lette Valeska - trustees: Julia Hammid & Petra Hammid (m., u.)

Steinstraße 4 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Kunstausstellungen in der Gewerbeschule
Galka Scheyer in Braunschweig:
Kunstausstellungen in der Gewerbeschule


Die Kunstausstellungen, die im Gebäude der Gewerbeschule regelmäßig stattfanden, wird Emmy Scheyer regelmäßig besucht haben. Heute befindet sich an dieser Stelle die Gaußschule – Gymnasium am Löwenwall.

1892 wurde die Kaserne, die seit dreißig Jahren an der sogenannten Steinthorpromenade bestand, frei, weil die Husaren ihre neu gebaute Kaserne am Altewiekring bezogen. In das Gebäude – erweitert um einen Neubau des Architekten Osterloh – zog die Städtische Gewerbeschule ein. Hier fanden regelmäßig Ausstellungen des Braunschweigischen Kunstvereins statt, die immer reich bestückt und gut besucht waren. Das Bildungsbürgertum erwarb dann Kunstwerke, um seine Wohnungen auszustatten, es beteiligte sich an einer Tombola oder spendete namhafte Summen, damit der Kunstverein ein oder zwei Werke erwerben und dem Städtischen Museum zum dauerhaften Verbleib überreichen konnte.

Im August 1904 fand die 38. Ausstellung des Kunstvereins Braunschweig statt. Charles Johann Palmié, Professor in München, war mit einem Gemälde „Windmühle“ vertreten – ein Rezensent kritisierte: „Für ein so großes Format wirkt das sehr pastos gemalte Bild etwas leer.“ Die Malerin Anna Löhr zeigte ein Bild „Sonniger Herbst“ – weil Braunschweig gerade von einer Hitzwelle heimgesucht wurde, mäkelte ein Kritiker, das Bild scheine allzu sonnig, „besonders wenn Frau Sonne sich so bemerkbar macht wie in den letzten Tagen.“ Einmal legte der Kunstverein einen Schwerpunkt auf die Malerei aus Schottland und Frankreich – ein Kritiker rechnete vor, nur 139 Nummern würden von deutschen Malern stammen, 236 aber von ausländischen, dies sei „für die Kunstausstellung einer kleineren deutschen Großstadt ein unzulässiges, abnormes und ungesundes Verhältnis.“

Im Juli 1907 konnte Emmy Scheyer in der Gewerbeschule eine Ausstellung von Plakatentwürfen besuchen. Der Braunschweiger Verkehrsverein hatte einen Wettbewerb um das beste Plakat ausgeschrieben, weil er das Marketing der Stadt verbessern wollte. 120 Grafiker nahmen teil. Der Braunschweiger Maler Götz von Seckendorff war entsetzt über die drei ersten Preise, die die Jury vergeben hatte: „Braunschweig hat sich blamiert in seiner stumpfsinnigen, taktlosen Borniertheit.“ Und er rühmte seinen Kollegen Gustav Lehmann, der keinen Preis erhielt, er „hatte 5 sehr gute Sachen da.“

Der alte Teil der Gewerbeschule, die Husarenkaserne, wurde Ende 1907 abgerissen. Auf dem Kasernenareal entstand eine Städtische Realschule für Jungen, aus der das Gymnasium Gaußschule hervorging. Die Ausstellungen des Braunschweigischen Kunstvereins fanden in den folgenden Jahren im benachbarten Städtischen Museum, Steintorwall 14, statt. 

Löwenwall 18a, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o.), Bericht über die Städt. Fortbildungs- und Gewerbeschule 1901-1906 (m., u.)

Löwenwall Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Städtisches Museum
Galka Scheyer in Braunschweig:
Städtisches Museum


Das Städtische Museum ist damals und heute wichtig für Emmy Scheyer: Hier ließ sie sich in zahlreichen Ausstellungen inspirieren und hier sind heute mehrere Gemälde aus ihrem Braunschweiger Künstlerkreis zu finden.

Das Städtische Museum, erbaut nach Plänen des Architekten Max Osterloh, wurde 1906 eingeweiht. Von nun an fanden in diesem Haus ein- oder zweimal im Jahr, vorzugsweise kurz vor Weihnachten, die Ausstellungen des Braunschweiger Kunstvereins statt. Emmy Scheyer und ihre Kolleginnen und Kollegen Käthe Evers und Elsa Daubert, Gustav Lehmann und Albert Hamburger, konnten sich bei dieser Gelegenheit von den Werken ihrer Zeitgenossen inspirieren lassen. Andere Ausstellungen fanden im Kunstsalon Dörbandt am Bohlweg 22-23 und im Museum an der Museumstraße 1 statt.

Einen nachhaltigen Eindruck scheinen die Bilder des aus Aschersleben stammenden, in München lehrenden Malers Charles J. Palmié auf Emmy Scheyer gemacht zu haben, die dieser 1907 bei der 39. Ausstellung des Kunstvereins im Städtischen Museum zeigte. Die Braunschweigerin Anna Löhr, seine Schülerin, war mit vier Werken vertreten. Beide hatten gerade begonnen, im Stil der Neoimpressionisten zu malen: sie deuteten die Objekte, die sie in der freien Natur oder in Innenräumen vorfanden, nur mit kurzen Pinselstrichen, ja: mit Punkten an und malten ihre Bilder in den verschiedensten Lichtstimmungen eines Tages. Als 1908 die 40. Ausstellung des Kunstvereins zu sehen war, wurde der Einfluss der Wegbereiter dieser Technik (Monet, Seurat, Signac) als französischer Einfluss auf die deutsche Malerei kritisiert.

Gustav Lehmann arbeitete trotzdem mit Palmié weiter zusammen. 1910 stellte er vier Arbeiten, die er schon in bedeutenden Galerien in München und Dresden gezeigt hatte, auf der 41. Ausstellung des Kunstvereins im Städtischen Museum aus. Sechs Jahre später erwarb der Braunschweiger Sammler Hermann Querner jun. eines davon für 200 M.

Heute befinden sich im Städtischen Museum drei Bilder von Palmié, etwa zehn Bilder und einige Arbeiten auf Papier von Anna Löhr, drei Bilder von Gustav Lehmann, zwei von Käthe Evers und eines von Elsa Daubert. Seinem Titel zum Trotz stellt es wahrscheinlich nicht „Emmy (GalkaScheyer (1889-1945) im Garten“ dar, sondern Käthe Evers’ Mutter, Frau Margarethe Evers, geborene Zeumer. Zwei weitere Bilder von Lehmann und zwei seines Freundes Albert Hamburger gelten als vermisst oder als Kriegsverluste. Ein Ölbild von Emmy Scheyer ist im Städtischen Museum Braunschweig bislang nicht zu finden. 

Steintorwall 14, Städtisches Museum, Di-So 11-17 Uhr, https://www.braunschweig.de/kultur/museen/staedtisches-museum/index.php 

Bildquellen: K. Keßler (o.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Steintorwall 14 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Kindheit am Monumentsplatz
Galka Scheyer in Braunschweig:
Kindheit am Monumentsplatz


Ihre Kindheit im Alter von drei bis elf Jahren verbrachte Emmy Scheyer in diesem Haus am Monumentsplatz, wo die Familie die Wohnung im ersten Obergeschoss gemietet hatte.

1892 konnte Familie Scheyer von der Okerstraße an den Monumentsplatz umziehen. Er war bei der Umgestaltung der Wallanlagen durch Peter Joseph Krahe angelegt worden, wurde zur Augusttor-Promenade gezählt und manchmal mit, manchmal ohne Genitiv-s geschrieben. Seit 1904 wird der Monumentsplatz Löwenwall genannt.

Der Wohnsitzwechsel bedeutete für Familie Scheyer einen sozialen Aufstieg und Prestigegewinn. Ihre neuen Nachbarn waren der Verlagsbuchhändler Friedrich Westermann, ein Rittmeister a.D. Wilhelm Rosenthal, ein Oberbaurat, der Landstallmeister a.D. Carl v. Walbeck und der ehemalige Hofbäcker Albert Koch. Die Villa Nr. 7 gehörte dem Kaufmann Louis Gerloff, bewohnt wurde sie von Freifrau Natalie v. Rheinbaben, „Oberhofmeisterin I. K. H. d. Frau Prinzessin Albrecht.“

Im Erdgeschoss des Hauses Monumentsplatz 4b wohnte die Familie des Bankiers Louis Frank. Bei Familie Scheyer in der Beletage zog auch Julius Scheyer, ein Verwandter aus Bleicherode, ein, der von 1937 an der Wehrstraße 1 wohnte.

Valeska Heynemann, die sich später Lette Valeska nannte, berichtet, ihre Schulfreundin Emmy sei „jungenhaft und unbezähmbar, wie eine kleine Wildkatze“ gewesen. Mit ihrem großen Temperament habe sie meistens ihren Willen durchgesetzt und die Mitmenschen dominiert. „Ihr Vater, den sie sehr liebte, zeigte für ihr Temperament Verständnis und ermunterte sie noch in ihrer Lebhaftigkeit.“ Valeska Heynemann fügt hinzu: „Ihre Mutter war eine Frau von eher vornehm bürgerlicher Haltung, mit allen standesgemäßen Vorurteilen der Oberklasse der kleinen Residenzstadt behaftet.“ Henriette Scheyer habe aber mit ihren Erziehungsmaßnahmen Emmys „Rebelleninstikte“ noch gefördert: „Sie wurde eher noch widerspenstiger, schrie noch lauter, tobte noch wilder herum, wenn es möglich war.“ Hinter ihrer rauen Außenseite seien aber „eine unendlich zart beschaffene Seele und ein nicht minder großes Zärtlichkeitsbedürfnis“ verborgen gewesen.

Familie Scheyer wohnte acht Jahre lang am Monumentsplatz. Ende September 1900 bezog sie am Augustplatz 10 die erste Etage. Als der Platz und seine Umgebung 1963 völlig umgestaltet wurden, blieb dieses Haus erhalten (John F. Kennedy-Platz 10). Abgerissen wurden die Häuser an der Ottmerstraße, in denen Käthe Evers und Albert Hamburger gelebt hatten. Sie zählten zu Emmy Scheyers Freundeskreis. 

Löwenwall 4b, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o.), Stadtarchiv Braunschweig (m., u.)

Löwenwall Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Lichtbildvorträge bei Dr. Spanjer-Herford
Galka Scheyer in Braunschweig:
Lichtbildvorträge bei Dr. Spanjer-Herford


Um ihre „Blaue Vier“-Künstler bekannter zu machen, hielt Galka Scheyer regelmäßig und in aller Welt Lichtbildvorträge – natürlich auch in Braunschweig.

„Ich will hier im Operettenhaus eine Vorführung machen. Der Direktor hat sich ein bisschen verkukt in E. E. Sch.“, schrieb Emmy Scheyer am 14. Januar 1924 an Jawlensky. Sie plante einen Lichtbilderabend über die „Blaue Vier“ im Operettenhaus Braunschweig. Es war 1921 in ein Barock-Palais an der Wilhelmstraße eingebaut worden. Der Vortragsabend kam nicht zustande.

Besser lief es für den Multimediakünstler Kurt Schwitters aus Hannover. Er wollte am 26. Januar 1924 im Operettenhaus einen Merz-Abend durchführen. Weil er auf eine kostenlose Übernachtung angewiesen war, meldete er seine Ankunft am Bahnhof Braunschweig einem jungen Kunstbegeisterten namens Max Gundermann mit den Worten an: „Wollen Sie uns abholen? Wir gehen dann zu Scheyer und wenn es geht, möchte ich bei Ihnen schlafen.“ Er hatte sicher vor, Erich und Margrit Scheyer an der Goslarschestraße 1 zu besuchen, wo auch Emmy Scheyer logierte. Schwitters hatte mit seinem Merz-Abend den üblichen Erfolg. „Pfeifen, Lärm im Publikum. Jemand fasst sich schreiend an den Kopf...“, meldete der Volksfreund.

Erfolg hatte schließlich auch Emmy Scheyer. Sie konnte ihren Plan, eine Vorführung mit Werken ihrer Blaue Vier-Maler zu machen, sogar vervierfachen. Allerdings nicht wie geplant im Operettenhaus, sondern in den Räumen des Facharztes für Chirurgie, Blasen- und Nierenkrankheiten Dr. med. Richard Spanjer-Herford an der Wolfenbüttelerstraße 2 (2. Etage), einem Haus mit mehreren Arztpraxen. Dort sprach sie am 13., 16., 23. und 25. April 1924 über Feininger, Klee, Kandinsky und Jawlensky. Sie zeigte den Gästen einige ihrer Originalwerke und zahlreiche Lichtbilder. Und konnte sieben Holzschnitte von Feininger und Klees Aquarell „Vogel-Begegnung“ verkaufen. Zwei Wochen später fuhr sie im Dampfer „Deutschland“ nach New York.

Max Gundermann, der einen Kunstsalon eröffnen wollte, wurde im Dezember 1924 Mitglied der „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“. Im Januar 1926 zeigte sie am Schlossplatz 2 eine große Paul Klee-Ausstellung. Kurt Schwitters besuchte die Eröffnung. Er schrieb Emmy Scheyer: „Klee sah mit abrasiertem Schnurrbart fabelhaft aus“ und erzählte nebenbei: „Ich war in Braunschweig, im Operettenhaus, bei Paul Scheyer, habe Querner kennengelernt und mich oft an Sie erinnert.“ 

Wolfenbütteler Straße 2, Wohnhaus, nicht zugänglich

Bildquellen: K. Keßler (o.), Stadtarchiv Braunschweig (u.)

Wolfenbütteler Straße 2 Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Grab von Leopold Scheyer
Galka Scheyer in Braunschweig:
Grab von Leopold Scheyer


Nur ein Familienmitglied der Scheyers ist auf dem jüdischen Friedhof in Braunschweig bestattet – der Vater Leopold.

Leopold Scheyers Erfolg mit der Produktion von Gemüse- und Früchtekonserven scheint beträchtlich gewesen zu sein. 1909 sah er die Gelegenheit zu einer Verlagerung seiner Firma W. Maseberg von der Wiesenstraße an die Goslarschestraße außerhalb des Stadtzentrums. Er erwarb dort aus einer Liquidation eine alte Konservenfabrik mit einer geräumigen Unternehmervilla, maroden Fabrikgebäuden und bebaubaren Landreserven. Und verkaufte die Produktionsstätte Wiesenstraße an einen Konkurrenten.

Die Belastung, die diese Produktionsverlagerung mit sich brachte, mag der Grund gewesen sein, warum Leopold Scheyer kurz nach dem Umzug und dem zwanzigsten Geburtstag seiner geliebten Tochter Emmy erkrankte. Am 20. April 1909 starb er auf einer Geschäftsreise. Die Todesanzeige, die die Familie in die Zeitung setzen ließ, lautete: „Nach kurzem schwerem Leiden entschlief sanft unser innig geliebter Gatte, Vater, Bruder, Schwager und Onkel Leopold Scheyer im 57. Lebensjahr“.

Leopold Scheyer wurde am 23. April auf Braunschweigs jüdischem Friedhof an der Hamburger Straße bestattet. Die Eulogie auf der Rückseite seines Grabsteins lautet: „Hier ruht ein guter, redlicher und gerechter Mann. Herr Leopold Scheyer wurde hier beerdigt, nachdem er plötzlich erkrankte und am Neumondstag von Ijar 5669 in Berlin verstarb.“ Über die Trauer seiner Angehörigen ist nichts bekannt. Um

dem Verkehr auf der Hamburger Straße mehr Platz zu verschaffen, wurde der bis 1910 genutzte jüdische Friedhof 1939 verkleinert. Ein etwa 15 m breiter Streifen entlang der Straße, auf dem sich u.a. auch ein eine Leichenhalle befand, musste von der jüdischen Gemeinde abgetreten werden. Im Gegenzug sorgte die Stadt für eine neue Einfriedung und für die Umbettung der betroffenen Grabstellen auf den neuen jüdischen Friedhof an der Helmstedter Straße, der 1895 eingeweiht worden war. Henriette Scheyer lebte zu diesem Zeitpunkt als Einzige der Familie noch in Deutschland, an der Besselstraße. Sie starb am 24. Februar 1941 im Jüdischen Altersheim Hannover.

Auf dem Friedhof findet sich auch ein Ehrengrab für den Braunschweiger Maler Albert Hamburger (1893-1915) unter den Kriegsgräbern auf dem Friedhof Helmstedter Straße; er ist gefallen am 22. Januar 1915 bei Carency/Nordfrankreich. Im gleichen Jahr fiel auch sein Bruder Hermann (8. August 1915 bei Krasnoslan), der ebenfalls hier ein Ehrengrab hat. 

Helmstedter Straße38, Jüdischer Friedhof, ab 7 Uhr, Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit, https://www.propstei-braunschweig.de/friedhoefe.html

Bildquellen: G. Holzgang

Helmstedter Straße Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Ascona
Galka Scheyer in Ascona

Am 5. April 1918 verließ Emmy Scheyer Zürich, die Stadt mit den vielen Kriegsgegnern und Flüchtlingen. Sie siedelte sich im sonnigen Kanton Tessin an, in Ascona. Das Städtchen war wegen eines Sanatoriums auf dem Hügel Monte Verità bekannt geworden, wo die Kurgäste vegetarische Kost zu sich nahmen und von der Möglichkeit Gebrauch machten, unbekleidet Luftbäder zu nehmen, neugierig beobachtet von Touristen, die für ihre Spaziergänge auf dem Gelände Eintritt bezahlten. In Villen, Hütten und Höhlen lebten Künstler jeder Couleur und Outsider der Gesellschaft, der Mäzen und Anarchistenfreund Bernhard Mayer bewohnte eine prächtige Sommervilla am See.

Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky zogen ebenfalls nach Ascona, die Dichterin Else Lasker-Schüler besuchte mehrmals ihren kranken Sohn, Fanny Gräfin zu Reventlow hoffte, hier ihren permanenten Schulden durch eine Scheinehe zu entkommen, und die Tänzerinnen Mary Wigman und Katja Wulff stießen mit Rudolf von Laban dazu. Der rumänische Maler Arthur Segal wohnte mit seiner Familie auf dem Monte Verità, er lud Emmy Scheyer, die vermutlich alle diese Personen kennen lernte, zu Wanderungen ein. Mit Jawlensky zusammen malte sie im Freien und schrieb Gedichte. 

Wo sie das Kriegsende und die darauf folgenden Winterwochen erlebte, ist nicht geklärt. Am 29. Januar 1919 gab sie in Zürich bekannt, sie ziehe wieder nach Ascona. Bei diesem Aufenthalt konnte sie den amerikanischen Maler Albert Bloch kennenlernen, der in München an der ersten Ausstellung der Gruppe Der Blaue Reiter teilgenommen hatte. Vielleicht schloss sie auch Bekanntschaft mit dem Dichter und Arzt Reinhard Goering. Er hatte in Braunschweig einen Pro-forma-Wohnsitz, aber keinen guten Ruf, und lebte gerne in Ascona. 

Emmy Scheyer war im Städtchen schon 1919 als Galka bekannt, ein Spitzname, den ihr Jawlensky verlieh, weil sie ihn an eine Dohle (russisch галка) erinnerte. Im August dieses Jahres versuchte sie sich als stellvertretende Leiterin eines Kinderheimes auf dem Monte Verità und scheiterte. Weil sie beabsichtigte, eine Jawlensky-Monographie zu schreiben, diktierte ihr der Maler biografische Erinnerungen. Als die Beiden notariell vereinbarten, Ausstellungen zu organisieren und die Verkaufseinnahmen regelten, spitzte sich der Konflikt mit Marianne von Werefkin zu. 

Im November 1919 bat Familie Scheyer Valeska Heynemann, in das „Sündenbabel“ Ascona zu reisen, um Emmy bei der Beendigung ihres Aufenthaltes behilflich zu sein. Sie tat es. Dass die Bewohner des Städtchens sich gewöhnt hatten an die merkwürdigen Gewänder und Schmuckstücke ihrer Freundin, fiel ihr ebenso auf wie Jawlenskys Charme. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Ascona Ticino, Schweiz
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Bali
Galka Scheyer auf Bali

Viele Europäer hatten um 1900 das Bedürfnis nach einer Überwindung der Industrialisierung und des Materialismus. In Romanen und Zeitungen lasen sie verführerische Schilderungen eines ursprünglichen Lebens in den Kolonien und sehnten sich nach paradiesischen Lebensweisen auf entlegenen Inseln. Expressionistische Künstler suchten neue Ausdrucksformen und interessierten sich für die in den Völkerkundemuseen zur Schau gestellten Skulpturen, Bronzen und Malereien aus Afrika und Ozeanien. Amerikanische Museen begannen, Artefakte ihrer indigenen Bevölkerung zu sammeln. 

In Ascona war Karl Vester ein bekannter Mann, weil er von 1902 bis 1904 auf Samoa gelebt hatte und nun als Verwalter des Monte Verità-Geländes auftrat. Emil Nolde ging 1913 auf eine Südseereise, die seinen Malstil und seine Skulpturen beeinflusste – Galka Scheyer kaufte mehrere seiner Arbeiten. Der Komponist, Musikwissenschaftler und Maler Walter Spies fuhr 1923 als Matrose nach Java, arbeitete als Kapellmeister und lernte 1927 die Nachbarinsel Bali kennen. Im April 1930 besuchte ihn die Bildhauerin Gela Forster, verheiratete Angelica Archipenko. 

Galka Scheyer erhielt von ihr die Aufforderung zu einem Besuch. Sie schloss mit der Oakland Art Gallery einen Vertrag: wenn sie auf Bali eine Kollektion von Skulpturen, Malereien und Textilien zusammentrug, würde die Galerie die Reisekosten übernehmen. Am 11. Juli 1930 trat Galka Scheyer ihre Reise an. Sie besuchte zuerst Yokohama und Kobe in Japan, am 19. August kam sie in Shanghai an, dann reiste sie weiter nach Manila. Im September 1930 traf sie auf Bali ein und erfüllte ihren Auftrag: im Lauf der nächsten Wochen erwarb sie 70 balinesische Skulpturen und Wandmalereien sowie 43 Textilien. 

Anfang 1931 reiste sie mit Angelica Archipenko zurück nach Kalifornien. Am 13. Februar eröffnete sie in Oakland eine Ausstellung mit den gekauften Werken. Im Herbst 1932 wurde die Kollektion auch im Los Angeles Museum gezeigt. 

Balinesische Skulpturen schmückten in den folgenden Jahre auch das Haus von Rudolf Michael Schindler und Pauline Gibling in Los Angeles, wo Galka Scheyer wohnen durfte, und ihr eigenes Haus in den Hügeln von Hollywood. Einige Malereien sandte sie nach Braunschweig. Gerd Scheyer, der die Städtische Oberrealschule am Löwenwall besuchte, schrieb seiner Tante im Juni 1935: „In der Schule haben wir von Bali gesprochen und auch von den Bildern, die Du uns geschenkt hast.“ 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Bali, Indonesien
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Berkeley und Beverly Hills
Galka Scheyer in Berkeley und Beverly Hills

Im Juli 1926 berichtete Galka Scheyer ihren Brüdern, sie fahre jeden Dienstag von San Francisco nach Berkeley, weil sie Kunstlehrerin an einer Experimental School für Mädchen geworden sei, der Anna Head School. Sie erhalte fünf Dollar pro Stunde, in Zukunft vielleicht mehr, auf jeden Fall genug, um die Hotelkosten zu decken. Schon in Ossining und New York hatte sie an Experimental Schools unterrichtet, d.h. der Jugend mit Hilfe von Vorträgen, Lichtbildern und Originalarbeiten moderne Kunst nahe gebracht. Sie behauptete zurecht, diese Tätigkeit werde ihre Arbeit als Promoterin der Blauen Vier nicht behindern, sondern im Gegenteil ergänzen und vielleicht sogar Ausstellungen und Verkäufe zur Folge haben. 

Im Frühjahr 1927 konnte sie Arbeiten, die ihre Schülerinnen und Schüler geschaffen hatten, im California Palace der Legion of Honor in San Francisco ausstellen, zusammen mit Arbeiten von Studentinnen und Studenten aller Universitäten der Westküste. Als Art Director der Anna Head School in Berkeley fuhr sie 1928 an den 6. Internationalen Kongress für Kunsterziehung in Prag. 

In einem Artikel, den sie für die Zeitschrift Das Kunstblatt entwarf, notierte sie: „Mein Unterricht ist kein Unterricht, sondern die Kinder allen Alters bekommen ihr Material und dürfen damit machen was sie wollen, das ganze System beruht darauf, den Kindern Selbstvertrauen zu geben, sie können alles, sie sind reizend, sie sind gut, sie haben Phantasie und ihre eigene Welt und das Resultat ist faszinierend, sie halten selbst Disziplin und haben keine Minderwertigkeitsgefühle betreffs ihres Könnens, und weil sie an sich glauben und man ihnen erlaubt sich selbst auszudrücken, erzählen sie mit Bleistift, Farbe, Plastilin ihre Weltanschauung, sehr vital und sehr phantastisch.“ 

Der San Francisco Examiner berichtete am 26. Mai 1929 über eine Ausstellung im Berkeley Art Museum mit Arbeiten, die in „Madame Scheyers“ Anna Head-Klassen entstanden waren. Die Kinder seien „complete artists according to their own scale“, schrieb der Wissenschaftsjournalist Gobind Behari Lal enthusiastisch. 

Von 1934 unterrichtete Galka Scheyer auch aus finanziellen Gründen eine private Kindergruppe in Beverly Hills. „Damit habe ich sehr viel Erfolg, Freude und Taschengeld“, schrieb sie Kandinsky. Die Stelle an der Anna Head School hatte sie bis 1939 inne. Psychologen interessierten sich zunehmend für ihre emanzipatorische Arbeit. Dass sie mit ihr zu einem kleinen Einkommen kam, war ihr weniger wichtig als das Gefühl, den Boden der Zukunft zu bereiten. „Ich arbeite nur für Kunst und Kinder“, sagte sie mehrmals zu ihrer Freundin Lette Valeska und archivierte viele Arbeiten der Kinder. Höchste Zeit, sie einmal in einer Ausstellung zu sehen! 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Berkeley California, Vereinigte Staaten von Amerika
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Berlin
Galka Scheyer in Berlin

In Berlin hielt sich Emmy Scheyer im Februar 1920 auf, um abzuklären, wo ihre erste Jawlensky-Ausstellung stattfinden könnte. Ihre Wahl fiel auf die Galerie Fritz Gurlitt an der Behrenstraße. Die Vernissage wurde auf den 9. Juni 1920 festgelegt. Bestückt wurde die Ausstellung mit Werken, die Emmy Scheyer aus Ascona verschickt und in München aus dem Atelier an der Giselastraße geholt hatte. 

Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn erhielten Jawlensky und Werefkin, Helene Nesnakomoff und Andrej die Erlaubnis, nach Deutschland zu reisen. Sie fuhren über München und trafen sich mit Emmy Scheyer in Berlin. 

Die Vossische Zeitung und die Börsen-Zeitung brachten Ausstellungsbesprechungen, eine wohlwollende und eine vernichtende. Die Kunstzeitschrift Der Cicerone wertete Jawlenskys Schaffen positiv, und in der Zeitschrift Das Kunstblatt erschien ein Essay Emmy Scheyers mit poetischen Formulierungen, Jawlenskys Diktum „Kunst ist Sehnsucht zu Gott“ und Abbildungen. 

Der Maler schloss mit seiner Kunstvermittlerin einen Vertrag, in dem sie als Privatsekretärin mit geregelter Vergütung bezeichnet wurde. 

Wolfgang Gurlitt ließ einen Katalog mit einem Text von Emmy Scheyer und acht Abbildungen drucken, das Titelblatt wurde für die zahlreichen Ausstellungen in anderen Städten modifiziert. In Berlin war die Ausstellung in anderer Zusammensetzung Ende des Jahres und im Februar-März 1923 erneut zu sehen. Jawlensky kam langsam wieder ins Gespräch. 

Im April 1933, hielt sich Galka Scheyer, die an Politik überhaupt nicht interessierte Jüdin, wieder in Berlin auf und erlebte den Triumph der Nationalsozialisten. In aller Eile organisierte sie mit Kandinsky die Verschickung neuer Werke der Blaue Vier-Maler nach Los Angeles. Ihre vorzeitige Abreise begründete sie nicht mit den politischen Ereignissen, sondern mit dem fallenden Dollarkurs und der Hoffnung, rechtzeitig wieder in Kalifornien einzutreffen, um dort Werke der Blauen Vier zu akzeptablen Preisen verkaufen zu können. 

Julia Feininger schrieb ihr am 30. April: „es tut uns aus mehr als einem grund sehr leid, dass sie so üble erfahrungen gemacht haben, dass sie reissaus nehmen, was wir ihnen allerdings in keiner weise verdenken.“ 

In Los Angeles angekommen, schrieb Galka Scheyer Piet Mondrian, sie bedauere sehr, dass sie seine Bilder nicht wie geplant in Paris habe betrachten können. „Aber unglücklicherweise waren meine Erfahrungen in Deutschland so unangenehm, dass ich nicht mehr den Mut hatte, meine Reise fortzusetzen.“ Mehr verriet sie nicht. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Berlin Berlin, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Braunlage
Galka Scheyer in Braunlage

Paul Klee erwartete im Dezember 1932, dass Galka Scheyer ihn in Dessau besucht. Weil sie länger als geplant in Paris blieb und anschließend ihre Familie in Braunschweig traf, schrieb er ihr am 28. Dezember: „Jetzt mache auch ich etwas Ferien, das heißt ich suche einen Ort auf, an dem ich kein Atelier und keine Arbeitsmöglichkeit habe.“ Mit dem Ort meinte er das Städtchen Braunlage im Harzgebirge, wo sich seine Frau Lily seit dem 19. November als Patientin der Klinik Dr. Barner aufhielt. Paul Klee besuchte seine Frau zum Jahreswechsel, reiste aber nach acht Tagen zurück nach Dessau und weiter nach Düsseldorf, wo er eine neue Arbeitsstätte, aber noch keine passende Wohnung gefunden hatte. Galka Scheyer traf ihn nicht in Braunlage an, sie wurde erst am 29. Januar 1933 Patientin von Dr. Barner. Informationen über die Art ihrer Erkrankung sind nicht überliefert. 

In Braunlage las und hörte sie die Meldungen über die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. 

Lily Klee spazierte mit Galka Scheyer im Schnee zum Aussichtspunkt Adamsblick am Hasselkopf. Sie berichtete ihr von den persönlichen Bedrohungen, die sie und Paul Klee durch die Nationalsozialisten erfahren hatten, und von der Schließung des Bauhauses in Dessau. Und sie las ihr die Briefe vor, die Paul Klee ihr schrieb. Am 19. Februar 1933 reiste sie zu ihm nach Düsseldorf. 

Galka Scheyer hatte noch zehn Jahre später, im Zweiten Weltkrieg, den Wunsch, die Briefe, die Paul Klee seiner Frau nach Braunlage geschickt hatte, ins Amerikanische zu übersetzen und sie zu publizieren. Paul Klees Briefe erschienen ihr, schrieb sie Lily Klee, der Witwe, „so unwirklich schön und selten in der Wortsprache wie seine Linien und Farbensprache in seinen Bildern.“ 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Braunlage Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Brüssel
Galka Scheyer in Brüssel

Im Juni 1915 zog Emmy Scheyer in die von den Deutschen besetzte Hauptstadt des Königreichs Belgien, nach Brüssel. Sie wohnte im Stadtteil Ixelles nicht weit entfernt von ihrer Schulfreundin Valeska Heynemann, die hier schon seit einigen Jahren als Sekretärin arbeitete. Sie berichtet, Emmy Scheyer sei „nun definitiv eine Malerin“ gewesen und habe ein sorgenfreies Bohèmeleben geführt. 

Die Bilder, die in Brüssel entstanden (viele von ihnen sind mit dem Pseudonym Renée signiert), weisen in Aufbau, Technik und Wahl der Farben Ähnlichkeiten mit den Werken eines Malers namens Jos Albert auf. Er malte mit Vorliebe häusliche Szenen mit seiner Frau und seinem Sohn. Emmy Scheyer wandte sich ab von der Farbtupfen-Technik, die sie in Viareggio und Pisa angewandt hatte, und setzte nun, wie Jos Albert, mit skizzenhaft raschem Farbauftrag große Farbflächen neben einander. Mehrmals arbeitete sie mit einer Frau, die ihr in gewagten Posen Modell saß. 

Emmy Scheyer nahm in Brüssel außerdem Unterricht beim Bildhauer Louis van der Meulen. Von ihren Plastiken sind zur Zeit nur zwei Fotografien bekannt. 

Während ihres Aufenthaltes machte sie zwei Bekanntschaften, die während vieler Jahre ihres Lebens in Europa wichtig waren: 

Sie lernte Bernhard Mayer und seine Frau Auguste Mayer, geborene Lipper, kennen. Bernhard Mayer war durch internationalen Pelzhandel vermögend geworden, er war aber auch ein Freidenker und unterstützte Künstler und Anarchisten in Ascona mit beträchtlichen Summen. 

Und sie machte die Bekanntschaft mit Paul Bachrach und seiner Frau Elvira, geborene Bachmann. Paul Bachrach war ein Händler von Samt- und Seidenstoffen, Schuhfabrikant und Kunstsammler. Er erwarb einige Bilder der Kunststudentin Emmy Scheyer und machte sie mit seiner Tochter Charlotte bekannt, die in der Schweiz bei Alexander Sacharoff Ausdrucktanz studierte. 

Vieles deutet darauf hin, dass Emmy Scheyer in Brüssel ihre wichtigste und ergiebigste Arbeitsphase als Malerin erlebte. Trotzdem entschied sie sich im Mai 1916, die Stadt, in der die Deutschen den Sitz des Generalgouvernements Belgien eingerichtet hatten, zu verlassen und zu Künstlern zu reisen, die in der Schweiz im Exil lebten. Paul Bachrach sagte ihr, Charlotte werde sie in Lausanne mit dem russischen Maler Alexej von Jawlensky bekannt machen. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Brüssel Région de Bruxelles-Capitale - Brussels Hoofdstedelijk Gewest, Belgien
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Carmel-by-the-Sea
Galka Scheyer in Carmel-by-the-Sea

Nach ihrer Blaue Vier-Ausstellung in der Oakland Art Gallery im Mai-Juni 1926 wollte Galka Scheyer in der Künstlerkolonie Carmel-by-the-Sea einen Vortrag halten und sich erholen. Die kleine Gemeinde, 120 Meilen südlich von San Francisco am Pazifik gelegen, erinnerte sie vielleicht an das Städtchen Ascona und die Bewohner des Monte Verità. Sie war in ein konservatives und ein liberales, für Experimente offenes Lager geteilt. Galka Scheyer hielt den Vortrag, musste sich aber sehr bald wieder ihrer Alltagsarbeit zuwenden, weil das neblige Wetter die herbeigesehnte Erholung nicht zuließ. 

1928 hielt sie sich wieder in Carmel auf und versuchte, der fortschrittlichen Kunstszene das Werk Paul Klees nahe zu bringen. Ihre Zuhörerinnen und Zuhörer waren schon vertraut mit neuer Musik, fortschrittlichem Design und Avantgarde-Dichtkunst, aber moderne Malerei war ihnen noch nie begegnet. Auch dieses Mal hatte Galka Scheyer keinen Erfolg. Nur Pauline Gibling, Rudolph Michael Schindlers Lebensgefährtin, unterstützte sie mit der Meinung, Paul Klee sei sowohl als malender Poet wie als malender Musiker zu verstehen. Sie übernahm die Redaktion des diskussionsfreudigen Wochenblattes „The Carmelite“, das vom Schriftsteller Lincoln Steffens und seiner Frau Ella Winter als Alternative zur konventionellen Lokalzeitung herausgegeben wurde, und ermöglichte die Publikation der Rede, die Galka Scheyer in Prag hielt. 

Ende 1929 war Galka Scheyer wieder in Carmel, sie schlief im Freien, badete im Pazifik, hackte Holz und schaute den Kolibris und Kanarienvögeln zu. Da erhielt sie einen langen Brief von Julia Feininger, die sich über die Art und Weise beklagte, wie Alfred Rose, der in Hannover arbeitende Verleger, der Galka Scheyer mit einem Vorschuss die Reise nach Amerika ermöglicht hatte, die Begleichung der geliehenen Summe inklusive Zinsen einforderte. Galka Scheyer musste sofort reagieren. Wassily Kandinsky klagte sie daraufhin: „Seit drei Stunden sitze ich an der Schreibmaschine, um Feiningers und Ihnen zu schreiben.“ 

Doch ihre Mühe lohnte sich. 1942 konnte sie Lyonel Feininger berichten, die seit vielen Jahren nicht mehr gesehene Zeitungsherausgeberin Ella Winter habe sie in Hollywood besucht und sofort zwei seiner Bilder erworben. Anscheinend würden sich nach wie vor Menschen in Bilder verlieben. Es habe halt einige Zeit gedauert, bis der Samen, den sie in Carmel gesät hatte, „came to bloom in Hollywood.“ 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Carmel-by-the-Sea California, Vereinigte Staaten von Amerika
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer in Chemnitz
Galka Scheyer: Chemnitz

Die Stadt Chemnitz im Freistaat Sachsen war 1923, als Galka Scheyer dort eine ihrer Jawlensky-Ausstellungen durchführte, eine boomende Großstadt mit vielen Unternehmen in der Textil- und Maschinenbaubranche. Ihre Einwohnerzahl hatte sich in den fünfzig Jahren seit der Reichsgründung 1871 von 68.000 auf 322.000 beinahe verfünffacht. Sie hatte also doppelt so stark wie in der Stadt Braunschweig zugenommen, die im gleichen Zeitraum nur einen Zuwachs von 58.000 auf 146.000 Einwohner verzeichnete. Viele Unternehmer und ihre Gattinnen besuchten regelmäßig die Ausstellungen im Museum am Theaterplatz oder sie waren Mitglieder des Vereins Kunsthütte zu Chemnitz. 

Galka Scheyer verstand sich gut mit dem Leiter beider Einrichtungen, Friedrich Schreiber-Weigand. Am Sonntag, 29. März 1923 eröffnete sie mit ihm zusammen eine ihrer Jawlensky-Ausstellungen. In fünf Sälen waren etwa 65 Werke des Malers aus der Vorkriegszeit und aus den letzten Wochen seines Schaffens zu sehen. Galka Scheyer hielt zusätzlich etwa zwanzig Werke in Reserve, um sie Kaufinteressierten privat zeigen und verkaufte Arbeiten in den Sälen ersetzen zu können. Es wurden aber nur drei Werke veräußert, und dies mit großen Einbußen im Vergleich zu den Ausstellungen in Wiesbaden und Stettin. 

Trotzdem freute sich Galka Scheyer über die Resonanz in Chemnitz und schrieb Jawlensky, sie mache die Erfahrung, dass die Kunst in den Provinzstädten, „wo die Menschen nicht so überfüttert sind mit tausend Dingen“ ganz anders wahrgenommen werde als in Berlin. „Man hat mehr Ehrfurcht vor dem Unbekannten und man horcht, man möchte etwas vernehmen.“ In einem nie veröffentlichten Manuskript erwähnte sie einen jungen Schlosser aus Chemnitz, der ihr nach vielen Ausstellungsbesuchen einen Brief schrieb. Galka Scheyer hatte den Eindruck, dass seine Auffassung so „nahe an das Wesen des Künstlers heranreicht“ wie selten. 

In der Chemnitzer Presse entstand eine qualitativ hoch stehende Debatte über Jawlensky und die Frage, ob seine Entwicklung zur Abstraktion und zum seriellen Arbeiten eine positive sei oder in eine Sackgasse führe. 

Galka Scheyer hielt mehrere Vorträge während der Ausstellung. Zwei geplante musste sie absagen, weil sie infolge einer Allergie mit Nesselfieber im Bett lag, mit „Augen wie Schweinsaugen, klein und verschwollen.“ 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Chemnitz Sachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Chicago
Galka Scheyer in Chicago

Galka Scheyer gab sich mit den Erfolgen, die sie 1924 und 1925 mit Vorträgen an Experimental Schools und einer Ausstellung in New York hatte, nicht zufrieden. Weil sie auf ihre Rundbriefaktion einige vielversprechende Antworten aus anderen Bundesstaaten erhielt, ging sie gerne auf Angelica Archipenkos Vorschlag ein, sie auf einer Reise an die Westküste Amerikas zu begleiten. Die beiden Frauen verließen New York am 30. Mai 1925, besichtigten die Niagara-Fälle und verbrachten zwei Tage in Chicago. Abends zeigte ihnen der Architekt Francis Barry Byrne, der Feininger am Bauhaus in Weimar besucht hatte, vom Lake Michigan aus die in Scheinwerferlicht getauchten Hochhäuser. Tags darauf fuhr er die beiden Damen im Auto zu den Bauten, die er selbst entworfen hatte, und zu denjenigen von Frank Lloyd Wright, bei dem er in die Lehre gegangen war. Im Art Institute of Chicago staunte Galka Scheyer über viele nie gesehene Bilder des Malers El Greco. 

Im April 1932 war sie als Vermittlerin moderner europäischer Kunst schon so angesehen, dass The Arts Club of Chicago ihr die Fahrtkarte von Hollywood nach Chicago (drei Tage und Nächte in der Bahn!) und ein gutes Honorar für einen Vortrag über die Blaue Vier bezahlte. Die Chicago Evening Post brachte eine Beschreibung ihrer enthusiastischen Art der Kunstvermittlung, die sie hoch erfreute. Kunstliebhaber erwarben die eine oder andere Lithographie, die University of Chicago engagierte Galka Scheyer für einen zweiten Vortrag. 

Im Mai 1933, nach ihrer zweiten Europareise, besuchte sie in Chicago die gerade eröffnete Weltausstellung A Century of Progress. Sie vergnügte sich auf einer „Rutsch-Aeroplan-Wirbelwind-Bahn“ und besichtigte Kunstausstellungen. Ganze Säle voller Werke von El Greco, Cézanne, van Gogh und der sogenannt „primitiven Kunst“ waren zu sehen. 

Mit Chicago blieb Galka Scheyer in gewisser Weise noch lange verbunden, weil László Moholy-Nagy im Oktober 1937 dort das new bauhaus, American School of Design eröffnete und nach einem Jahr wegen schlechter Kritiken der Feuilletonisten, die den Rückzug von Sponsoren zur Folge hatten, schon wieder schließen musste. Galka Scheyer schrieb Moholy-Nagy, das sei eine Tragödie, er dürfe seine Idee nicht aufgeben, sie hätte das new bauhaus gerne in Los Angeles, es wäre in California notwendig. Dazu kam es nicht, Galka Scheyer konnte aber Werke von Moholy-Nagy in Los Angeles ausstellen, und der nimmermüde Bauhaus-Freund besuchte sie in ihrem eigenen Haus in den Hügeln von Hollywood. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Chicago Illinois, Vereinigte Staaten von Amerika
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Dessau
Galka Scheyer in Dessau

An der Burgkühnauer-Allee in Dessau waren im Juli 1926 ein Haus für den Bauhaus-Leiter Walter Gropius und seine Gäste sowie drei Doppelhäuser für die Bauhaus-Meister Klee, Kandinsky, Muche und Schlemmer bezugsbereit. Feininger schrieb Galka Scheyer in Los Angeles, die Bauten seien „entzückend“, sein Atelier sei groß und gut geeignet für die Arbeit. „Was die Häuser bestaunt werden, von den Dessauern, glauben Sie gar nicht! Sonntags kommen zehntausend Menschen vorbei und bleiben vor der Reihe der Häuser stehen.“ Das Bauhaus selbst wurde am 4.-5. Dezember 1926 eingeweiht. 

Im Mai 1928 schrieb Emmy Scheyer an Kandinsky, sie komme zu Besuch. Sie wolle in Deutschland eine neue Kollektion von Bildern der Blaue Vier-Maler zusammenstellen und als europäischer Korrespondent des San Francisco Examiner über ihre Eindrücke am Bauhaus berichten. Am 12. Juni traf sich Galka Scheyer in Dessau nur kurz mit Lyonel Feininger, der sich nach Deep an der Ostseeküste in den Urlaub begeben wollte. Dann verbrachte sie einige Tage in Berlin und kehrte nach Dessau zurück, um mit Kandinsky und Klee zu sprechen. Es folgten ihre Reise nach Prag und ein Aufenthalt bei Jawlensky in Wiesbaden.

Auf ihrer zweiten Europareise1932-1933 kam Galka Emmy Scheyer, nunmehr amerikanische Staatsbürgerin mit diesem Namen, am 25. März 1933 nach Dessau. Sie traf sich mit Lyonel Feininger nur einmal kurz in der Stadt. Bei dem Gespräch kam es anscheinend zu Missverständnissen, die erhebliche Folgen hatten. Am 1. April erlebte Galka Scheyer in Dessau den von den Nationalsozialisten propagierten Boykott aller jüdischen Geschäfte, Banken und Anwaltskanzleien. Kandinsky schrieb ihr drei Wochen später, er habe erst aus einem Brief aus Dessau (vermutlich von Julia Feininger) erfahren, „wie alle dortigen Erlebnisse stark auf Sie gewirkt haben mussten!“ 

Als sie eine Ausstellung in Los Angeles plante, schrieb sie Feininger, wie sehr sie und einige ihrer Kunstfreunde bedauerten, dass er nur ungünstig in der Ausstellung vertreten sei. Feininger antwortete ihr, diese Diskussion habe er bei ihrem Treffen in Dessau schon erahnt. Er sei kein Maler, der gleichzeitig an zwanzig oder dreißig Bildern arbeite, er habe keine Bilderreserve, die er zu gegebener Zeit aus dem Schrank ziehen könne. 

Drei Jahre später spielte dieses Treffen erneut eine Rolle, als Feininger Galka Scheyer drohte, aus der Vereinigung Die Blaue Vier auszutreten. Damals habe die Serie von Missverständnissen zwischen ihnen begonnen, schrieb Feininger, „als Sie plötzlich den Ernst der dortigen Lage erkannten, der politischen Lage. Ich bin weit davon entfernt, Sie dafür zu schelten, dass Sie das Land so schnell Sie konnten, verließen. Vielleicht fangen wir erst jetzt an, uns zu wünschen, wir hätten hier nicht rumgehangen bis jetzt, wo wir nur noch eine winzige Chance sehen, in der gewohnten Weise weiter zu leben.” Erst 1937 konnten Julia und Lyonel Feininger Deutschland verlassen und ein neues Leben beginnen. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Dessau Sachsen-Anhalt, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Hamburg
Galka Scheyer in Hamburg

Wie Emmy Scheyer 1920 und 1922 Jawlensky-Ausstellungen in Hamburg durchführte, ist zur Zeit nicht klar, alle Unterlagen dazu sind im Zweiten Weltkrieg vernichtet worden. 

Am 24. April 1924 schrieb sie Jawlensky, er dürfe sich gerne am Hamburger Hafen von ihr verabschieden, wenn sie sich auf den Weg nach New York mache. Aber am 6. Mai 1924 fuhr sie nur in Begleitung ihrer Schwägerin Margrit nach Hamburg. Zwei Tage später bestieg sie den Ozeandampfer „Deutschland“. In der Passagierliste wurde eingetragen: „Scheyer Emmy, ledig, 35jährig, geb. Braunschweig, Dtl., Beruf. Schriftsteller.“ Sie richtete sich mit einem riesigen Schrankkoffer, den sie gegen Konserven aus der Fabrik ihrer Brüder eingetauscht hatte, in einer Kabine erster Klasse ein und fuhr in zehn Tagen nach New York. Mit an Bord: eine Packkiste mit einer nicht genau überlieferten Anzahl von Bildern und Arbeiten auf Papier ihrer vier „Blauen Könige“ und anderer Maler wie Franz Marc. 

Am 5. Juni 1928 traf Emmy Scheyer wieder in Hamburg ein, weil sie in Prag am 6. Internationalen Kongress für Zeichnen, Kunstunterricht und Angewandte Kunst teilnehmen wollte. Am 7. September 1928 reiste sie auf der „Deutschland“ mit der Hamburg-America-Line zurück in die USA. 

Nach den dramatischen Monaten, die sie 1932-1933 in Europa erlebt hatte, verließ sie Deutschland am 5. Mai 1933 von Hamburg aus, dieses Mal mit der City of Havre der Baltimore Line. Lily Klee schrieb ihr kurz vor der Abreise: „Sie reisen schon jetzt nach USA. You are a happy girl!“ 

Am 23. November 1938 buchte das Hamburger Hapag-Lloyd Reisebüro für Paul und Paula Scheyer und ihre Söhne Schifffahrtskarten „in der Kajütsklasse“ für die Fahrt Hamburg-Los Angeles/San Francisco und stellte mit „Heil Hitler!“ bei der Deutschen Bank 2.750.- Reichsmark in Rechnung. Und die Zollfahndung Hamburg teilte am 7. August 1941 der Devisenstelle Braunschweig mit, dass Paul Scheyers Umzugsgut im Auftrag der Gestapo Hamburg versteigert wurde, weil auf der letzten Seite seiner „Umzugsgutliste“ Gegenstände festgestellt worden waren, „für die eine Mitnahmegenehmigung nicht vorlag.“ Welche Hamburger Bürgerinnen und Bürger das Umzugsgut erwarben, muss noch erforscht werden. Wie Galka Emmy Scheyer auf die materielle Not reagierte, in der Paul Scheyers Familie im amerikanischen Exil steckte, ist eine weitere offene Frage. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Hamburg Hamburg, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Hannover
Galka Scheyer in Hannover

Weil der Berliner Galerist Wolfgang Gurlitt 1920 der erste sein wollte, der Jawlenskys Werke nach dem Weltkrieg ausstellte, einigte sich Emmy Scheyer mit der Kestner Gesellschaft in Hannover auf einen Ausstellungsbeginn im Herbst dieses Jahres. Den Kontakt zu deren Leiter Paul Erich Küppers stellte Dr. Erich Katzenstein in München her, ein Verwandter Emmy Scheyers, der ihr und Alexej Jawlensky lange Zeit nur unter dem Decknamen Dr. Erler bekannt war. 

Die Ausstellung in der Kestner Gesellschaft wurde am 3. Oktober 1920 eröffnet. Kurz zuvor berichtete Emmy Scheyer: „Dr. Küppers hier in Hannover ist äußerst liebenswürdig. Er ist besonders entzückt von den Variationen. Er hat mir das Hängen ganz allein überlassen und ist sehr zufrieden damit. Für Freitag wird die Presse eingeladen. Sonntag ist große Eröffnung mit einer Ansprache von Dr. Küppers und einer Führung von mir.“ 

Zur Vernissage reiste Familie Scheyer aus Braunschweig an. Emmy war überrascht, dass ihr Bruder Paul sich in ein Bild Jawlenskys „verliebte“, die „Variation: Frosttag.“ 

Die Malerin, Kunstförderin und Salonnière Käte Steinitz erinnerte sich noch Jahre später, als sie in Kalifornien lebte, an Emmy Scheyer in Hannover: „Sie hielt Vorträge mit so leidenschaftlich zündender Überzeugungskraft, dass wir Damen der Kestnergesellschaft uns fürchteten, ins Inferno des Banausentums verbannt zu werden, wenn wir nicht mindestens je eine Landschaft und einen Kopf von Jawlensky gekauft hätten.“ 

Emmy Scheyer erhielt in Hannover Einladungen zu Familie Steinitz, zum Ehepaar Küppers, zum Galeristen und Sammler Herbert Garvens-von Garvensburg. Im März 1924 trat sie wieder vor einen illustren Kreis von Hannoveranern, weil ihr Zahnarzt Hermann Bode, ein Verehrer Jawlenskys, sie eingeladen hatte, einen Vortrag mit Lichtbildern zu halten. Bodes Schwiegervater, Fritz Beindorff, Besitzer der Günther Wagner Farbenfabrik und Produzent der Tinte Marke „Pelikan“, war zugegen. An diesem Abend besprach Emmy Scheyer ihr Amerika-Vorhaben mit dem Verleger und Kunstsammler Alfred Rose, Ehemann ihrer Braunschweiger Bekannten Edith Frank. Er bot ihr an, die Reise nach New York und die ersten Monate ihres Aufenthaltes in den Staaten zu finanzieren, wenn die Blaue Vier-Maler seine Auslagen durch Bilder erstatteten. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Hannover Niedersachsen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Honolulu
Galka Scheyer in Honolulu

In Ascona lernte Emmy Scheyer vielleicht den Schriftsteller Hermann Hesse kennen, der, wie viele seiner Zeitgenossen, von Honolulu schwärmte. Auch in Braunschweig sprach man über die Hauptstadt der von den Amerikanern 1898 annektierten Inselgruppe Hawaii. Robert Jordan, ein Schriftsteller und Essayist der Braunschweigischen Staatszeitung, schrieb 1924: „Es gibt nur eine Kunst oder es gibt keine; und diese Kunst kann in Honolulu, Braunschweig und Berlin wohnen; und der Schöpfer kann Müller und Schulze oder Kandinsky heißen.“ Honolulu war für die Einen ein Sehnsuchtsziel, für die Andern der Inbegriff des Fremden. 

Als Galka Scheyer 1924 nach New York fuhr, lernte sie auf dem Ozeandampfer „Deutschland“, einen Passagier kennen. Es handelte sich um den Arzt Dr. Eric Fennel. Er lud sie ein, ihn in Honolulu zu besuchen und an der Kunstakademie Vorträge zu halten. Das ließ sich vorerst nicht verwirklichen, Galka Scheyer war schon froh, dass sie sich in New York zurechtfand, aber die Idee, bis nach Honolulu weiterzureisen, wich nicht aus ihrem Kopf. 

Ein Jahr später in Kalifornien angekommen, erholte sie sich von der anstrengenden Reise bei „Hawaiien-Grammophon-Saitenspiel“ und schrieb ihren Blaue Vier-Malern: „Nach Honolulu ist es noch so weit wie von New York nach London, sechs bis sieben Tage. Aber dann kommt das Paradies.“ 

Neue Hoffnungen, den Honolulu-Reiseplan zu verwirklichen, machte sie sich, als sie einen Kunstmaler und Plantagenbesitzer kennen lernte. „Der hat sehr viel Geld und will es für mich arrangieren, dass man mir meine Reise, sowie Aufenthalt dort bezahlt, damit ich dort Vorträge halte.“ Daraus wurde wieder nichts. 

Erst im Januar 1931, auf der Rückreise von Bali, betrat Galka Scheyer den Boden der Inselgruppe Hawaii und besuchte Dr. Eric Fennel. Zehn Jahre später konnte sie in der Honolulu Academy of Arts eine Ausstellung mit Bildern der Blauen Vier realisieren! 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Honolulu Hawaii, Vereinigte Staaten von Amerika
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer in Lausanne und Saint Prex
Galka Scheyer: Lausanne und Saint Prex

In Lausanne, wunderschön am Genfer See, also im französischsprachigen Teil der Schweiz gelegen, fand vom 20. Oktober 1916 an eine Ausstellung mit Bildern von russischen und polnischen Malern statt, die in der Schweiz im Exil lebten. Organisiert wurde sie von einem Komitee, das zur Unterstützung von russischen und serbischen Kriegsgefangenen gegründet worden war. Sie fand in den Büroräumen des Komitees statt und war dessen erste Ausstellung. Emmy Scheyer sah sie und war von den Bildern des Malers Alexej von Jawlensky hingerissen. Sie lernte ihn kennen, als er in Lausanne Bekannte besuchte. Er wohnte mit der Malerin Marianne von Werefkin an der Rue du Motty in Saint Prex, einem Städtchen wenige Kilometer von Lausanne entfernt. Mit in der kleinen Wohnung der Exil-Russen lebten Helene Nesnakomoff und ihr Sohn Andrej.

Emmy Scheyer besuchte Jawlensky und sah bei ihm weitere Werke, unter anderen das Bild „Der Buckel“, das 1911 im Ostseebad Prerow entstanden war. Sie bezeichnete es 1934 als „Grundstein unserer Freundschaft“ und Jawlensky antwortete ihr mit den Worten: „’Buckl’ ist unser Vereinigung in Kunst.“

Vermutlich besuchte Emmy Scheyer am 24. November 1916 in Lausanne auch noch einen Galaabend, den das erwähnte Komitee veranstaltete. Alexander Sacharoff trat in Gewändern auf, die an Bilder von Léon Bakst erinnerten, und tanzte zu Musik von Frescobaldi, Chopin und Debussy.

Es gelang Emmy Scheyer, in Basel oder Zürich einige Werke von Jawlensky zu verkaufen. Der Maler schrieb ihr: „Liebes gnädiges Fräulein.(…) Ich danke Ihnen herzlichst für Alles, was Sie für mich tun. Man kann mir schreiben direkt nach St. Prex, auch das Geld bitte ich nach St. Prex zu schicken.“

Als Emmy Scheyer 1917 in Zürich wohnte, reiste sie wieder nach Saint Prex, begleitet von Eliane Bachrach, die mehrere Bilder von Jawlensky erwarb.

Den Jahreswechsel 1918-1919 verbrachte sie allein und besinnlich in Lausanne. Bei dieser Gelegenheit machte sie Jawlensky gegenüber eine ihrer seltenen Bemerkungen zum jüdischen Brauchtum: „Ich liebte nie, Neujahr fröhlich zu feiern, da liebe ich die jüdische Idee, die ernst ist am Neujahr.“

Der Maler vertrat später die Meinung, Emmy Scheyer habe nach der Begegnung mit ihm in Lausanne zu malen aufgehört. Er irrte sich. Emmy Scheyer malte auch noch in Ascona, in München und in Ossining bei New York. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Lausanne Vaud, Schweiz
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: London und Oxford
Galka Scheyer in London und Oxford

Im Oktober 1909 trat die zwanzigjährige Emmy Scheyer ihre erste längere Auslandsreise an. Sie fuhr nach England, berichtet ihre Schulfreundin und erste Biographin Valeska Heynemann, später genannt Lette Valeska, und arbeitete wie viele andere Töchter dieser Zeit „als Kinderfräulein.“ Ihre erste Aufgabe habe darin bestanden, einen achtjährigen Knaben zu erziehen, der als unlösbares Erziehungsproblem galt. Er habe sich bei ihrer Ankunft laut schreiend und um sich schlagend unter dem Bett versteckt. Sie sei ebenfalls unter das Bett gekrochen, habe angefangen, mit dem Jungen zu spielen und sei seine beste Freundin geworden. 

Emmy Scheyer bezeichnete sich später oft als Kindermädchen ihrer vier „Blauen Königen“ Feininger, Jawlensky, Kandinsky und Klee. 

In England habe sie gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen, schreibt Lette Valeska weiter. Sie habe neben ihrer Arbeit Museen besucht und ihre Englisch-Kenntnisse verbessert. Tatsächlich absolvierte sie in Oxford Kurse der „Association for the Education of Women“. Am 22. März 1910 erhielt sie ein Zertifikat, das bescheinigte, sie habe Kurse über Shakespeare, Shakespeare’s Contemporaries, English Pronunciation und English Grammar & Composition besucht und die Prüfungen bestanden, „by paper-work and viva voce“. 

Der Aufenthalt in England fiel der jungen Emmy Scheyer schwer, aber er war der ersehnte Beginn ihres permanenten Reiselebens in Freiheit. Als sie im September 1924 in New York lebte, schrieb sie ihrer Familie in Braunschweig: „In England habe ich auch erst sehr, sehr armselig angefangen, und mein Schicksal wusste, warum. Dadurch habe ich unendlich viel mehr gelernt, und mein Examen in Oxford (gemacht), das mir heute, nach vielen Jahren den Aufenthalt in Amerika ermöglicht.“ Man könne „nur etwas vertieft von sich geben, wenn man durch Leiden Erkenntnisse gesammelt hat und wächst, innerlich.“ Ihre Lebensmaxime war: im Schlimmsten das Gute erkennen! 

Im April 1936, als Paul und Erich Scheyer überlegten, wie sie ihren Kindern in der Schweiz, in England oder Amerika zu einer guten Ausbildung verhelfen könnten, war Galka Scheyer bereit, ihnen eine Lehrstelle zu vermitteln und sie in ihrem Haus in Los Angeles unterzubringen. Ihrem Bruder Paul schrieb sie: „Nett zu denken, dass ich auch einmal in England angefangen habe. Vielleicht machen die Kinder denselben Rundgang wie ich und landen im schönen California.“ 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

London City England, Vereinigtes Königreich
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Los Angeles, Hollywood und Pasadena
Galka Scheyer in Los Angeles, Hollywood und Pasadena

Auf ihrer Reise von der Ost- an die Westküste Nordamerikas hielt sich Galka Scheyer 1925 dreizehn Tage in Los Angeles auf und lernte den Innenarchitekten Hans Sachs und zwei Schüler von Frank Lloyd Wright kennen: Rudolph Michael Schindler und Richard Josef Neutra. Sie verhalfen ihr zu vielen Kontakten. 

Ende Oktober 1926 führte sie in Los Angeles eine Ausstellung der Blauen Vier im Museum of History, Science and Arts durch und hielt zwei Vorträge. Die Riesenstadt habe Ähnlichkeiten mit Pilzen im Wald, die im Regen aufgeschossen seien, schrieb sie ihren Blue Four, der Autoverkehr sei lebensgefährlich. 

Obwohl sie noch in San Francisco wohnte und erfolgreich und glücklich war, knüpfte sie weitere Kontakte in Los Angeles und wohnte im Sommer 1927 im Haus 835, Kings Road von Rudolph Michael Schindler, um bei ihm Architektur zu studieren. 

Im Mai 1929 eröffnete der New Yorker Kunsthändler Harry Braxton in Hollywood eine Galerie. Galka Scheyer versuchte, mit ihm zusammen zu arbeiten und plante vier Einzelausstellungen der Blauen Vier. Als der Filmregisseur Josef von Sternberg viele Werke kaufte, hoffte sie, in L.A. mit seiner wohlhabenden Hollywood-Filmszene mehr Bilder verkaufen zu können als in S.F. und zog um. 1930-1932 wohnte sie oft bei Schindler und Pauline Gibling – eine konfliktreiche Situation! Sie schloss zwei weitere wichtige Bekanntschaften, diejenige zum Ehepaar Walter und Louise Arensberg und diejenige zu Ruth McClymonds Maitland. Alle Drei waren wohlhabende, passionierte Kunstsammler. 

Als Galka Scheyer 1933 von Berlin nach Amerika zurückkehrte, wohnte sie zuerst in Hollywood, 1962, Glencoe Way, in einem Apartment, das aus der Waschküche eines Frank Lloyd Wright-Hauses entstanden war. Dann fand sie einen Bauplatz in den kaum erschlossenen Hügeln Hollywoods und brachte Richard Josef Neutra dazu, für geringes Honorar ein Haus mit einem Galerieraum zu entwerfen. Sie half bei den Bauarbeiten mit und konnte den Neubau schon im Februar 1934 beziehen. Die Anschrift bestimmte sie selbst: 1880, Blue Heights Drive, Hollywood. Lyonel und Julia Feininger kamen im Juni 1936 zu Besuch, worauf Galka Scheyer beschloss, das Haus durch eine kleine Dachgeschoss-Wohnung zu erweitern. Der Architekt Gregory Ain entwarf sie. 

Die Weltwirtschaftskrise ließ den Kunstmarkt auch in Kalifornien zusammenbrechen. Trotzdem veranstaltete Galka Scheyer 1936 an der Stendahl Art Gallery in Los Angeles eine Kandinsky- und eine Jawlensky-Ausstellung und empfing Gäste in ihrem Haus, unter ihnen Marlene Dietrich und Greta Garbo. Verkäufe von Bildern kamen aber nur selten zustande. Die Entscheidung, die Blaue Vier-Maler nicht mehr gemeinsam auszustellen, sondern einzeln, und der Plan, Bilder für Dreharbeiten auszuleihen, wirkten sich nicht positiv aus: Feininger drohte, aus den Blue Four auszusteigen. Trotzdem konnten im März-Juni 1940 weitere Ausstellungen der Gruppe in der Stendahl Art Gallery verwirklicht werden. 

Walter Arensberg wünschte, dass seine Sammlung von Kunstwerken aus vielen Epochen mit derjenigen von Galka Scheyer zusammen in einem neu zu bauenden Museum der University of California in Los Angeles aufgehoben werde. Die Universität konnte den Plan, in der vereinbarten Frist ein Museum zu errichten, nicht 

einhalten. Deswegen gelangte Galka Scheyers Private Collection in das Pasadena Art Museum, aus dem das Norton Simon Museum entstand. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Los Angeles California, Vereinigte Staaten von Amerika
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Mexico City
Galka Scheyer in Mexico City

An Galka Scheyers Malnachmittagen schufen Kinder und Jugendliche viele Zeichnungen. Einige waren 1927 in Ausstellungen in San Francisco, Oakland und Los Angeles zu sehen, 1928 in Prag und Mexico City. Sie versetzten die Kunstwissenschaftler in Staunen. 

Der mexikanische Maler Diego Rivera arbeitete im November 1930, als Galka Scheyer auf Bali war, in San Francisco. Für die Ausstellung der Blauen Vier, die im April-Mai 1931 im California Palace der Legion of Honor stattfand, schrieb er, hell begeistert vom Werk Kandinskys, einen Katalogtext. Er kaufte mehrere Arbeiten von Paul Klee und schenkte sie seiner Frau, Frida Kahlo. Galka Scheyer freundete sich mit den Beiden an, sie luden sie in ihr Haus in Coyoacán ein und reisten zurück nach Mexico. 

Galka Scheyer zeigte die Arbeiten, die die Kinder in ihren Malnachmittagen geschaffen hatten, noch in einer Ausstellung, zusammen mit Arbeiten von Kindern aus anderen Schulen des Westens, dann verschickte sie zahlreiche Bilder der Blauen Vier nach Mexico und folgte der Einladung Frida Kahlos und Diego Riveras in der Hoffnung, dort schon bald eine Ausstellung eröffnen zu können. Die Transportkisten mit den Bildern der Blauen Vier trafen aber erst nach vielen Wochen in Mexico City ein. Deshalb war die Ausstellung Cuatro Azules Ende November nur eine Woche lang in der Biblioteca Nacional zu sehen. 

Galka Scheyer vertiefte ihre Freundschaft zu Frida Kahlo und Diego Rivera und lernte einen ihrer Freunde kennen, Angel Bracho. Sie erwarb von ihm das Mädchenbild „La Niña“ und von Diego Rivera das Bild „Blue Boy with the Banana.“ Es hing in den letzen Lebensjahren Galka Scheyers immer in der Penthouse-Gästewohnung ihres Hauses in Hollywood. 

Heute werden beide Bilder im Norton Simon Museum gelagert. Dort befindet sich auch ein ungehobener Schatz: etwa 400 Zeichnungen, die die Kinder an Galka Scheyers Malnachmittagen geschaffen haben. Sie wieder einmal ausgestellt zu sehen, wäre eine große Freude. 

Bildquellen: Katrin Keßler, Bet Tfila - Forschungsstelle

Mexiko-Stadt Estado de México, Mexiko
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: München
Galka Scheyer in München

Die Kunstmetropole München mit ihrem Studenten- und Künstlerstadtteil Schwabing war oft das Reiseziel Emmy Scheyers. Im Sommer 1909, wenige Wochen nach dem Tod ihres Vaters, reiste sie als Zwanzigjährige dorthin, begleitet von dem vier Jahre jüngeren Braunschweiger Albert Hamburger. Die Beiden nahmen Malunterricht bei Gustav Lehmann, der ein Porträt von Albert Hamburger zu malen begann und ein Exlibris für Emmy Scheyers Bücher anfertigte. Am 5. August waren die Beiden wieder in Braunschweig und schrieben Gustav Lehmann ganz melodramatisch, wie sehr sie bedauerten, dass sie ihn in München hatten zurücklassen müssen. 

Ob und wie lange Emmy Scheyer 1910 und 1911 in der bayerischen Hauptstadt weilte, bevor sie mit Gustav Lehmann nach Viareggio und Pisa reiste, um zu malen, ist kaum mehr zu klären. 

Im Juni 1913 meldete sich Emmy Scheyer in München ganz offiziell für einen längeren Aufenthalt an. Angeblich besuchte sie an der Universität Vorlesungen von Heinrich Wölfflin, immatrikuliert war sie aber nicht. Ihre Freundinnen Käthe Evers und Elsa Daubert gesellten sich zu ihr, mit Albert Hamburger zusammen übte sich die Clique in Gustav Lehmanns Atelier in Porträtmalerei. Elsa Daubert notierte viele Jahre später, dass sie sich im April 1914 immer wieder an der Mottlstraße 10 trafen, zum Essen und Arbeiten, zu Spaziergängen im Englischen Garten und zu Wanderungen in den Bayerischen Voralpen: „Liebe Friede Schönheit.“ 

1915, kein Jahr nach Gustav Lehmanns Tod, war Emmy Scheyer kurze Zeit wieder in München und wohnte an der Ohmstraße 1 in der „Pension Lehmann“, die Martha Lehmann, Gustavs ältere Schwester, führte. 

Ende Oktober 1919 reiste Emmy Scheyer von Ascona aus nach München. Im Auftrag von Alexej von Jawlensky traf sie sich mit Lily Klee. Die beiden Damen betraten die von Einbrechern durchwühlte und verwüstete Wohnung Marianne von Werefkins und Alexej von Jawlenskys an der Giselastraße 23. Der Maler wünschte sich ein Verzeichnis der Werke, die er bei Kriegsausbruch hatte zurücklassen müssen und die Emmy Scheyer im Atelierraum und im Keller vorfand. Dann spedierte sie einige Werke nach Braunschweig, damit sie ihr für eine Wanderausstellung und für Abbildungen in einem Katalog oder einer Monographie zur Verfügung stünden. Skizzen, die Jawlensky auf Malerpappe gemalt und in den Papierkorb geworfen hatte, wurden verschenkt oder verkauft. 

Im August 1920 war Emmy Scheyer einmal mehr in München, weil ihre Jawlensky-Ausstellung in der Galerie Neue Kunst von Hans Goltz Station machte. Nun wurde Emmy Scheyer mit Meldungen konfrontiert, Bilder von Jawlensky seien in der Galerie zu hohen Preisen erhältlich, gleichzeitig fänden sich im Kunsthandel Skizzen Jawlenskys auf Malerpappe zu sehr niedrigen Preisen. Sie bezeichnete sich als Jawlenskys „kleiner aber tapferer Fahnenträger und Freund“ und als seinen Jünger, gestand ihm aber auch: „Ich schreibe und lachen Sie nicht male, aber niemanden erzählen.“ 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

München Bayern, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: New York City
Galka Scheyer in New York City

Nach ihrem Aufenthalt in Ossining, den sie fluchtartig beendete, weil sie um ihr Leben fürchtete, erlebte Galka Scheyer die Stadt New York wie in einem Rausch. Dann fiel sie in depressive Stimmungen, sie hatte eine eiternde Augenentzündung und große Essprobleme, bis sie Bekanntschaft schloss mit einer Tante, die in New York zu Besuch weilte und ihr mit Rat und Tat zur Seite stand, so dass sie im August 1924 in einem Zimmer in 371, Central Park West unterkommen konnte, wo sie von Wanzen befallen wurde. 

In einer öffentlichen Bibliothek notierte sie sich etwa tausend Adressen von Museen und anderen Kunsteinrichtungen, um ein Rundschreiben zu verschicken, in dem sie auf ihre Kollektion von Werken der Blaue Vier-Maler aufmerksam machte und Vorträge anbot. Mit dem Kunsthändler Israel Ber Neumann schmiedete sie Pläne für eine gemeinsam betriebene Galerie und eine Art Lover Society – sie scheiterten. „New York ist auf Granit gebaut, und steinigen Boden zu beackern ist nicht leicht“, schrieb sie an Feininger. 

Immerhin: an der Walden School konnte Galka Scheyer einen Teil ihrer Kollektion zeigen, es gelangen ihr sogar kleine Verkäufe. Sie hielt Vorträge im Art Center von Stoaways, an der Ethical Culture School und an der Clarence H. White School for Photography. Sie traf sich mit dem Bildhauer Alexander Archipenko und sprach an seiner privaten Kunstschule. Mit seiner Frau, der Bildhauerin Gela Forster, freundete sie sich an. Im Februar-März 1925 konnte sie schließlich in der Daniel Gallery, 600, Madison Avenue, eine Ausstellung mit fünfzig Werken der Blauen Vier durchführen. Es erschienen ein Katalog und Artikel in den Zeitungen The Sun, New York Times, Art News und Time. Am meisten freute sie sich über die Reaktionen von Kindern auf die nie gesehenen Bilder der Blue Four. 

Ihren Brüdern versuchte sie mehrmals klarzumachen, dass sie ihr Leben in Amerika als Pionierarbeit, als Mission, als Sendung auffasste. Paul und Erich Scheyer waren schließlich bereit, ihrer Schwester monatlich 75 Dollar zu überweisen, wenn die Verhältnisse in Deutschland dies zuließen. 

Nach ihrer Reise an die Westküste der Vereinigten Staaten, wo sie sich viel wohler fühlte als in New York, kam Galka Scheyer nur noch 1928 und 1933 in die Stadt, und als die Buchholz Gallery and Willard Gallery 1940 eine Klee-Ausstellung organisierte. Im Frühling 1944 traf sie sich mit Lyonel und Julia Feininger in New York und bereitete eine Ausstellung der Blue Four vor, die im Oktober-November stattfand. Wegen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung konnte sie sie nicht mehr besuchen. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

New York City New York, Vereinigte Staaten von Amerika
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Oakland
Galka Scheyer in Oakland

Im September 1925 lernte Galka Scheyer in San Francisco den Maler Maynard Dixon und seine Frau kennen, die sie wiederum mit Roi Patridge, dem Direktor der Art Gallery am Mills College in Oakland, und seiner Frau Imogen Cunningham bekannt machten. Das Mills College war und ist heute noch eine Universität für Frauen. 1926 konnte Galka Scheyer dort Blaue Vier Ausstellungen realisieren und fünf Verkäufe tätigen. Sie war erfreut und zuversichtlich: „Wenn einer anfangen würde zu sammeln, andere kämen nach, aber eines Tages werde ich auch das berichten können.“ 

Galka Scheyer lernte William H. Clapp, den Leiter der Oakland Art Gallery, kennen. Er war Mitglied einer Vereinigung von Künstlern, die dem Realismus und Impressionismus nahe standen, hatte aber schon auf Galka Scheyers Rundbrief aus New York interessiert geantwortet und zeigte sich nun ganz aufgeschlossen für die radikal modernen europäischen Positionen, die Galka Scheyer ihm nahebrachte. Clapp ernannte sie im März 1926 zum European Representative der Oakland Art Gallery – eine unbezahlte, aber strategisch wichtige Stelle, weil die in der Gallery gezeigten Ausstellungen durch die Western Association of Art Museum Directors an andere Veranstalter weitergereicht wurden. 1927 war Galka Scheyer Mitorganisatorin der Fifth Annual Exhibition der Galerie, bei der es wegen Aktbildern, die konservativen Jury-Mitgliedern missfielen, zu einem Skandal kam. Zwei Jahre später engangierte sich Galka Scheyer auch in der Frage eines Neubaus für die Galerie. Ihr Freund Rudolph Michael Schindler arbeitete schon an den Bauplänen, als wieder Proteste der konservativen Kräfte in der Region aufkamen und ein großer Presserummel entstand. 

Obwohl Galka Scheyer begann, ihre Fühler nach Los Angeles, speziell nach Hollywood auszustrecken, gelang es ihr 1930, mit der Oakland Art Gallery ein Arrangement zu vereinbaren: als Repräsentantin reiste sie nach Bali, um eine Sammlung balinesischer Kunst zusammenzutragen. 

Im August-September 1931 konnte sie eine Blue 4-Ausstellung in der Oakland Art Gallery verwirklichen, im Januar 1935 eine Kandinsky- und im Januar 1937 eine Jawlensky-Wanderausstellung. 

Wegen wiederholter Meinungsverschiedenheiten über die Finanzierung ihrer Tätigkeit verlor Galka Scheyer im März 1938 ihre Stellung als europäische Repräsentantin der Oakland Art Gallery, die sich vermehrt auf die lokale Kunstszene konzentrieren wollte. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Oakland California, Vereinigte Staaten von Amerika
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Ossining
Galka Scheyer in Ossining

Galka Scheyer lebte vom 18. Mai 1924 an in der Kleinstadt Ossining nördlich von New York City. Sie dachte, bei Rajah Lilyan von Rubio, die sie in Leipzig kennen gelernt hatte, als willkommener Gast logieren zu können, merkte aber bald, dass diese etwa fünfzig Jahre alte Malerin in großen emotionalen und finanziellen Schwierigkeiten steckte. In Kuba geboren, hatte sie eine dramatische Kindheit, zwei Ehen und eine gescheitere Liebesbeziehung hinter sich. Sie war verzweifelt und eifersüchtig auf die Kinder der Nachbarn, mit denen Galka Scheyer gerne spielte. 

Diese musste etwa zwölf Tage auf ihre Transportkiste mit den Bildern der Blaue Vier-Maler und anderer Künstler warten, bis das Zollamt im New Yorker Stadtteil Bowery sie freigab. Sie musste mehrmals dorthin reisen und staunte über die vielen Schwarzen, die ihr unterwegs begegneten. 

Sie bezahlte ihrer Gastgeberin, die vor allem Porträts von Schwarzen malte, schließlich eine Miete für ein kleines Zimmer unter dem Dach, das sie benutzen durfte. Und geriet damit in finanzielle Schwierigkeiten. Mit Bittbriefen an ihre Brüder versuchte sie, diese zu lösen, aber die familiären Differenzen wurden dabei größer und größer. Verständnis hoffte Galka Scheyer, bei ihrer Schwägerin Margrit zu finden: „Ich bin überzeugt dass Du, liebe Ma, verstehst, wie mir meine Mission der Kunst ans Herz gewachsen ist, und dass ich dafür bereit bin, alles zu tun, was in meinen Kräften steht“, schrieb sie ihr, sie brauche aber viel Zeit, bis ihre Bemühungen auch einen finanziellen Erfolg zeitigen würden. 

Katherine S. Dreier, mit Marcel Duchamp zusammen Gründerin der Künstlerorganisation Société Anonyme, Inc. in New York, kam nach Ossining zu Besuch. Die beiden eigenwilligen Damen schmiedeten Pläne für eine Ausstellung und für Vorträge, aber eine wirkliche Zusammenarbeit begannen sie nicht. 

Galka Scheyer hoffte wochenlang, das Smith College in Northampton werde sie zu Vorträgen einladen, um bei der Jugend „die Liebe zur Kunst zu säen“ – ohne Erfolg. Sie spielte einige Zeit die Rolle der Zuhörerin, Trösterin und Beraterin Rajah von Rubios und merkte, dass sie dabei selber viel an Zuversicht und Energie verlor und krank wurde. Zur Erholung las sie Vincent van Goghs Briefe und malte Sonnenuntergänge – eines dieser Bilder zu finden, wäre ein großes Glück. Sie genoss den Blick über den Hudson, ab und zu aufgeschreckt durch die Sirenen des Gefängnisses Sing-Sing, die aufheulten, wenn ein Gefangener einen Ausbruchversuch wagte. Ende Juli floh sie selber von Ossining nach New York. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Ossining New York, Vereinigte Staaten von Amerika
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Paris und Saint Valery en Caux
Galka Scheyer in Paris und Saint Valery en Caux

Über Emmy Scheyers Aufenthalt in Frankreich in den Jahren 1910, 1911 und 1912 existieren kaum verlässliche Angaben. In einem Lebenslauf, den sie 1939 ihrem Antrag für ein Stipendium der Solomon Guggenheim Foundation beifügte, behauptete sie kühn: „Residence in Paris for 2 years for Art Studies at the Ecole des Beaux Arts. Piano Studies at the Conservatory of Paris where I held a Scolarship.“ Belege für eine zweijährige Studienzeit an der École des Beaux Arts fehlen ebenso wie Belege für ein Stipendium am Pariser Konservatorium. 

Lette Valeska schrieb 1957 dem Jawlensky-Biographen Clemens Weiler, Emmy Scheyer sei zuerst nach England und „von dort nach Paris in Stellung“ gegangen. Sie meinte damit sicherlich, dass Emmy in der französischen Hauptstadt ihre Arbeit als Kinderfräulein fortsetzte. Nebenbei habe sie studiert und Sprachexamina gemacht. Tatsächlich erhielt Mademoiselle Scheyer am 31. Juli 1912 in Saint Valéry en Caux, einer Kleinstadt in der Normandie, zwei Zertifikate der „Alliance Française“, einer Einrichtung, die Lehrkräfte für den Unterricht im Ausland, speziell in den französischen Kolonien ausbildete: eine Bescheinigung über die erfolgreiche Absolvierung der Elementarstufe und ein Diplom, in dem ihr attestiert wurde, sie habe in den Ferienkursen die schriftlichen und mündlichen Prüfungen in der Stufe „supérieure“ bestanden. Damit wurde anerkannt, dass sie fähig sei, die französische Sprache und Literatur im Ausland zu unterrichten. 

1932 reiste Galka Scheyer wieder nach Paris. Ihre Briefe an Giorgio de Chirico und Piet Mondrian zeigen, dass sie über ordentliche französische Sprachkenntnisse verfügte. Sie traf sich mit Marcel Duchamp und Le Corbusier, und sie kaufte am 9. Dezember 1932 in der Galerie Percier ein Bild von Pablo Picasso, das sie voller Stolz in ihre Privatsammlung einfügte. 

Nach ihrem Paris-Aufenthalt war sie, wie sie Kandinsky schreibt, „übermüdet vom vielen Bildersehen und Künstler kennen lernen“ und wurde so krank, dass sie sich in der Klinik Dr. Barner in Braunlage erholen musste. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Paris Île-de-France, Frankreich
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Prag
Galka Scheyer in Prag

Die Art Gallery in Oakland war 1928 bereit, Galka Scheyer eine Reise nach Europa zu finanzieren, wenn sie dort Werke der Blaue Vier-Maler zusammenstelle. Über ihre Eindrücke am Bauhaus in Dessau sollte sie später im San Francisco Examiner berichten. Die Anna Head School in Berkeley hatte zudem das Interesse, Emmy Scheyer, ihren art director, am 6. Internationalen Kongress für Zeichnen, Kunstunterricht und Angewandte Kunst teilnehmen zu lassen, der vom 29. Juli bis 12. August 1928 im Palais Lucerna am Prager Wenzelsplatz stattfand. Galka Scheyer trat diese Reise gerne an. Sie wurde von einer Freundin begleitet, Evelyn S. Mayer. Sie war Kunstdozentin am State Teacher’s College in San Francisco, sie sammelte trotz kleinem Gehalt, aus purem Idealismus und Interesse an neuen Lehrmethoden, zeitgenössische Kunst, und sie brachte ihre Schule dazu, vier Holzschnitte von Feininger und eine Lithographie von Kandinsky als Lehrmaterial zu erwerben. 

Ende Juli 1928 trafen die beiden Damen in Prag ein. Galka Scheyer sprach am 1. August über „Freie, imaginative und schöpferische Arbeit.“ Ihre Hauptgedanken: Wir müssen den Kindern erlauben, ihre Eindrücke ohne Vorgaben, ohne Verbote und Gebote kreativ auszudrücken. Wir müssen ihr Selbstvertrauen stärken. Jedermann kann zeichnen und malen! „Lassen wir die Kinder sich manifestieren, um ihre persönliche Lebenswahrheit auszudrücken“, sagte sie. Was wir benötigen, seien Lehrkräfte, die in ihrem Berufsleben nicht Opfer der Hektik und der Routine werden, sondern Zeit finden für neue Inspirationen. In den Schulbibliotheken sollten ihnen die besten Reproduktionen von Kunstwerken aus allen Nationen und Epochen zur Verfügung stehen. 

Galka Scheyer zeigte in Prag Abbildungen von Malereien, die Kinder und Jugendliche in ihren Kursen geschaffen hatten. Eine erweiterte Fassung ihres Vortrages wurde 1929 in einer amerikanischen Zeitschrift abgedruckt. Im San Francisco Examiner erschien ein illustrierter Artikel über eine Ausstellung in Berkeley, in der Malereien von Drei- bis Fünfzehnjährigen mit denen von Studenten der University of California zusammen ausgestellt waren. 

Galka Scheyer blieb bis an ihr Lebensende eine begeisterte und erfolgreiche Förderin der Kreativität von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sogar ihre alte Schulfreundin Valeska Heynemann ließ sich von ihr zum Malen anspornen. Sie bot ihre Bilder unter dem Künstlernamen Lette Valeska an. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Prag Praha, Tschechien
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: San Francisco
Galka Scheyer in San Francisco

Im komfortablen Eisenbahnwagen der Marke Pullman fuhren Angelica Archipenko und Galka Scheyer im Juni 1925 von Chicago aus nach Ames, wo Galka Scheyer einen Vortrag halten konnte. Über Denver, Santa Fe und den Grand Canyon ging die Reise weiter nach Los Angeles, Santa Barbara und Sacramento. Dort lernte Galka Scheyer einen Bürgermeister und seine Frau kennen, die sie mit Professoren bekannt machten, welche im Einzugsgebiet von San Franciscos arbeiteten, in Oakland und Beverly. Folgenreich war ihre Bekanntschaft mit Arthur B. Clark, Professor am Art Department der Stanford University, Palo Alto. Dort konnte Galka Scheyer Ende Oktober 1925 eine große Ausstellung der Blauen Vier veranstalten und vier Vorträge halten – ein erster Höhepunkt ihres Wirkens in der Bay Aera. Der San Francisco Examiner brachte am 1. November 1925 einen Artikel mit mehreren Fotos unter dem Titel „Prophetess of The Blue Four“. Galka Scheyer war eine glückliche „Prophetin“, bezeichnete sich aber weiterhin als Kindermädchen, Botschafterin und Ministerin der Blauen Vier. Sie lernte den erfolgreichen Komponisten Ernest Bloch kennen und hatte, obwohl er verheiratet war, jahrelang ein Techtelmechtel mit ihm. Am Conservatory of Music, dessen Direktor er war, konnte sie einen Vortrag mit Lichtbildern halten. 

Die Paul Elder Gallery in San Francisco (eigentlich eine Buchhandlung) zeigte im Januar 1926 graphische Werke der Blauen Vier, es kam zu neun ersten Verkäufen. Galka Scheyer fuhr vom Hotel Normandie, wo sie wohnte, zu ihren Arbeitsorten und schrieb, in der Atmosphäre New Yorks sei sie „beinahe moralisch gestorben“ – an der Westküste, diesem Schmelztiegel von Kulturen aus Nord- und Südamerika, Europa und Asien, hatte sie das Gefühl, Fuß fassen zu können. Ihr Rückreisebillet nach Deutschland ließ se verfallen. Im Februar 1926 zog sie ins Hotel Monroe um, weil sie dort in einem Zwei-Zimmer-Apartment Besucher empfangen konnte, um ihnen die europäische Moderne nahe zu bringen. 

1927 konnte sie Ausstellungen der Blauen Vier in Oakland, San Francisco, San Diego, Portland, Spokane und Seattle realisieren, immer begleitet von Vorträgen. Franz Marc widmete sie mehrere Einzelausstellungen. Bilder von Baumeister, Lissitzky, Moholy-Nagy, Schlemmer und Schwitters zeigte sie unter dem Titel Constructivists. Werke von Archipenko, Dix, Kirchner, Kokoschka, Lehmbruck, Nolde, Schmidt-Rottluff und Segal fasste sie als European Modernists zusammen. Sie war bereit, neue Formen der Kunstvermittlung auszuprobieren und begeisterte sich für die Marketingmethoden der Firma Hale Bros. Bei einer Möbelausstellung dieser Warenhauskette stellte sie 1928 große Ölbilder der Blue Four zur Verfügung, wenn sie in San Francisco, Oakland, Sacramento und San José Vorträge vor den Angestellten und einem geladenen Publikum halten durfte. Weil sie hoffte, in der Filmszene von Hollywood kaufkräftige Liebhaber der Werke zu finden, die sie ausstellte und auslieh, zog sie aber weiter nach Los Angeles. 

Im August 1931 hielt sie sich noch einmal in Frisco auf und stellte den Antrag, als Bürgerin der Vereinigten Staaten zugelassen zu werden, sie sei 32 Jahre alt – in Wirklichkeit war sie 42. Ihrem Antrag wurde stattgegeben, im Jahr darauf erhielt sie einen amerikanischen Pass auf den Namen Galka Emmy Scheyer. 1939 konnte sie in San Francisco noch eine Kandinsky-Retrospektive realisieren, 1943 Gedenkausstellungen von Klee und Jawlensky. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

San Francisco California, Vereinigte Staaten von Amerika
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Viareggio und Pisa
Galka Scheyer in Viareggio und Pisa

Als Emmy Scheyer im April 1910 aus London nach Braunschweig zurückkehrte, konnte sie ihren einundzwanzigsten Geburtstag feiern. Sie wurde offiziell volljährig und schied aus dem Leitungsgremium der Firma W. Maseberg aus. (Nicht überliefert ist, auf welche Weise sie für ihren Verzicht finanziell entschädigt wurde. Sie musste ihre Brüder in den folgenden Jahren immer wieder um die Auszahlung ihres „Monatlichen“ bitten und für eine pünktliche Auszahlung einer Rente kämpfen, bis die Überweisung von Devisen nach Amerika von den Nationalsozialisten untersagt wurde.) 

Mit Gustav Lehmann trat sie im Frühsommer 1910 eine Reise in das Land ihrer Sehnsucht an: Italien! In dem mondänen Badeort Viareggio stellten die beiden Malenthusiasten ihre Staffeleien auf und malten mehrmals, zu verschiedenen Tageszeiten, die Segelschiffe, die am Canale Burlamacca vertaut waren. Emmy Scheyer wanderte auch an die Spitze der Mole, blickte auf die Stadt Viareggio zurück und malte ein Bild ihrer Skyline. 

Vielleicht besuchte Albert Hamburger, der junge Braunschweiger Malstudent, die Beiden in Viareggio oder in Torbole am Gardasee, wo Gustav Lehmann sich mit seinem Lehrer Charles J. Palmié mehrere Wochen lang aufhielt und viele Bilder malte. 

1911 trafen sich Emmy Scheyer und Gustav Lehmann in Pisa wieder und malten mehrere Ansichten der Brücke Ponte di Mezzo. Lehmanns Bild „Arnobrücke von Pisa“ wurde 1936 dem Städtischen Museum Braunschweig geschenkt, aber 1944 bei einem Luftangriff auf das Gebäude der Geheimen Staatspolizei zerstört. 

Vor den Toren der Stadt Pisa, am Lago Massaciuccoli, malte Emmy Scheyer ein Bild mit einem gelb blühenden Feld, im Hintergrund sind die Maste abgetakelter Segelschiffe und die Carrara-Berge zu erkennen. 

Die Italienreisen waren prägend für die Malerin Emmy Scheyer. Sie erinnerte sich später gerne an sie. Im August 1920 schrieb sie dem Schwerenöter Jawlensky aufmunternd: „Probieren Sie mal mit meinen leuchtenden Farben, da ist so noch meine Lebensbejahung und glückliches Singen von meinem Erlebnis der Sonne in Italien stark und selig drin. Von vor dem Krieg.“ 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Viareggio Toscana, Italien
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Weimar
Galka Scheyer in Weimar

Mitten in den Revolutionswirren des Jahres 1919 wurden in Weimar die Kunstgewerbeschule und die Hochschule für bildende Kunst zu einer Einrichtung zusammengefasst. Das Staatliche Bauhaus in Weimar entstand, der Architekt Walter Gropius wurde als sein Leiter berufen, im Januar 1921 begann Paul Klee zu unterrichten. 

Emmy Scheyer besuchte Familie Klee zum Jahreswechsel 1921-1922 in ihrer Wohnung Am Horn 53. Paul Klee schenkte ihr das Aquarell „Die Heilige“ mit der Widmung „in Freundschaft“. Emmy Scheyer liebte diese Arbeit sehr. Sie zeigt eine sitzende Frau mit durchsichtigem Brautschleier, die eine weiße Nelke (ein Symbol platonischer Liebe) genau betrachtet. Klee sei ein „fabelhafter Mensch“, schrieb Emmy Scheyer an Jawlensky, sie beobachte ihn bei seiner Arbeit in seinem Atelier. Mit dem Ziel, zum Verständnis der Kunst in ihrer vielfältigen Einheit zu kommen, besuche sie auch die anderen Bauhausmeister. 

Im Frühling 1922 war Emmy Scheyer wieder in Weimar. Laut Lette Valeska machte sie sich Hoffnungen, regelmäßig am Bauhaus Vorträge halten zu dürfen. Anfang Mai konnte sie im Thüringischen Landesmuseum eine Jawlensky-Ausstellung eröffnen. Walter Gropius sorgte dafür, dass sie vom 3. bis 9. Juni 1922 auch im Bauhaus-Oberlichtsaal gezeigt wurde. Fast gleichzeitig fand eine Ausstellung mit einer anderen Auswahl von Bildern Jawlenskys in einem Bürogebäude in Jena statt – ein Höhepunkt in Emmy Scheyers Karriere als Ausstellungsmacherin! 

Da erfuhr sie, das Gerücht sei in Umlauf, sie habe sich zu Unrecht Bilder von Jawlensky angeeignet und biete sie ganz eigennützig zum Verkauf an. Sie war völlig verzweifelt. Paul Klee stand ihr zur Seite und entwarf einen Brief, den Jawlensky ihr zu ihrer Entlastung zusenden sollte. Der Maler verhielt sich aber in dieser Verleumdungsaffäre sehr ungeschickt. Lyonel Feininger, inzwischen auch als Meister am Bauhaus tätig, tröstete Emmy Scheyer. 

Als das Bauhaus Weimar im August-September 1923 eine Leistungsschau über die vier Jahre seines Bestehens veranstaltete, war Emmy Scheyer wieder in der Stadt (Berichte darüber fehlen allerdings). Dabei traf sie Rajah von Rubio, eine Malerin, die sie in Leipzig kennen gelernt hatte und die sie nach Ossining bei New York einlud. 

Im Januar 1924 war Emmy Scheyer erneut in Weimar und diskutierte ihr Vorhaben, Paul Klee, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky als Gruppe Die 4 zusammenzufassen, um sie in einem „geschlossenen Vorgehen“ in Amerika bekannt zu machen. Kurz darauf wurde die Bezeichnung der Gruppe zu Die blaue Vier abgeändert. Emmy Scheyer schrieb später, dies sei in Erinnerung an die Münchener Gruppe Der Blaue Reiter geschehen. Kurz bevor sie nach Amerika fuhr, zeigte sie die Lichtbilder, die sie von ihren „vier Königen“ machen ließ, am Bauhaus Weimar. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Weimar Thüringen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Wiesbaden
Galka Scheyer in Wiesbaden

Am Sonntag, 9. Januar 1921 begann im Museum Wiesbaden in Zusammenarbeit mit dem Nassauischen Kunstverein eine Ausstellung mit Bildern von Campendonk und Schoenleber sowie graphischen Arbeiten lokaler Künstler. Den Schwerpunkt der Ausstellung bildeten 135 Werke Jawlenskys, die Emmy Scheyer zur Verfügung stellte. Tags darauf schrieb sie dem Maler hoch erfreut: „Die Ausstellung hängt wundervoll.(…) Und einige Liebesankäufe sind im Gang.“ 

Zu ihrem Schrecken fiel die Berichterstattung in der Wiesbadener Zeitung sehr negativ aus. Der Kritiker klagte, er habe beim Betrachten der Bilder einen „Leidensweg durch die Marterräume“ zurücklegen müssen, und er kam zum Schluss: „Unfug – grober Unfug!“ Das Museum Wiesbaden erwarb trotzdem fünf Werke. 

Erst die Besprechung im Wiesbadener Tagblatt am 11. Februar war eine positive. Sicher sei, dass man in Jawlensky keinen Mitläufer vor sich habe, schrieb ihr Autor, „sondern einen der Inauguratoren“ des Expressionismus. „Keinen Effektsuchenden oder auf Verblüffung Bedachten, sondern einen dem Drang der eigenen Brust hingegebenen.“ 

„Ach Emmy, der größere Teil von diesem Erfolg doch gehört Ihnen“, schrieb Jawlensky seiner „Fahnenträgerin“. Diese hielt sich einmal mehr in einem Sanatorium auf, antwortete aber ihrem Idol, sie fliege nachts wie ein kleines Vögelchen nach Ascona, picke an sein Fenster, sehe ihn arbeiten und fliege dann glücklich wieder fort. „Da heißt das Vögelchen Emmy Scheyer, hat eine lange Nase und ist sehr vergnügt, denn Jawlensky hat in Wiesbaden einen ‚fabelhaften Erfolg!!! 20 Bilder verkauft, 2 noch in Unterhandlung.(...) Alle Leute lassen Sie herzlich herzlich grüßen und haben alle einen Jawlenskyfimmel: Geld wie Heu!“ 

Sein erster großer Erfolg nach dem Krieg ermutigte Jawlensky, sich von Marianne von Werefkin zu trennen und mit Helene Nesnakomoff und ihrem gemeinsamen Sohn Andrej von Ascona nach Wiesbaden zu ziehen. Er fand eine Wohnung an der Beethovenstraße und heiratete Helene am 20. Juli 1922 auf dem Standesamt. 

Im August 1928, nach ihrem Vortrag auf dem 6. Internationalen Kongress für Zeichnen, Kunstunterricht und Angewandte Kunst in Prag, hielt sich Emmy Scheyer wieder in Wiesbaden auf und stellte bei Familie Jawlensky eine neue Kollektion Bilder zusammen, die sie nach San Francisco spedierte. 

Bei ihrem turbulenten Aufenthalt in Europa 1932-1933 besuchte sie Jawlensky erst im April in Wiesbaden und reiste aufgeschreckt und in größter Eile nach Berlin weiter. 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Wiesbaden Hessen, Deutschland
marker icon
icon-car.png Fullscreen-Logo KML-Logo
Galka Scheyer: Zürich
Galka Scheyer in Zürich

In seinem Buch „Unsern täglichen Traum“ schreibt Hans Arp, Zürich sei 1917 „von einer Armee von internationalen Revolutionären, Reformatoren, Dichtern, Malern, Neutönern, Philosophen, Politikern und Friedensaposteln besetzt“ gewesen, die sich im Café Odéon trafen. „Die Dadaisten hatten zwei Fenstertische inne.(…) In der Nachbarschaft dieser Tische hielt das Tänzerpaar Sacharoff in preziösen Attitüden Hof und mit ihnen die Malerin Baronin Werefkin und der Maler von Jawlensky.“ 

Ob Emmy Scheyer mit den Stadtbekannten an einem Tisch saß, ist nicht überliefert. Vielleicht besuchte sie die dritte Ausstellung der Galerie Dada, auf der Zeichnungen von Kindern ausgestellt waren, die der rumänische Maler Arthur Segal gesammelt hatte. Ihre Freundschaft mit ihm und ihr Interesse an der Malerei von Kindern, die ohne Vorgaben aus sich selbst heraus malten, wuchsen in den folgenden Jahren. Von den Dadaisten interessierte sie nur Hans Arp. 

Jawlensky schuf in diesen Monaten einige Werke, die Emmy Scheyers Namen im Titel tragen und von ihren Gesichtszügen gekennzeichnet sind. Im Oktober konnte er mit seinen Angehörigen von Saint Prex nach Zürich-Wollishofen umziehen. 

Emmy Schyer wohnte in Zürich in der gleichen Pension wie Charlotte Bachrach. In einem Brief fragte sie Paul Jonas Meier, den Leiter des Herzoglichen Museums in Braunschweig, ob sie ihre Werke in einem der Säle ausstellen dürfe, in denen sie mehrmals Ausstellungen von Gustav Lehmann gesehen hatte. Ihrem Gesuch wurde stattgegeben, die Ausstellung kam aber erst nach Kriegsende zustande. 

Ende des Jahres bezog sie eine Wohnung, in der ihr genügend Platz für Bildhauerarbeiten zur Verfügung stand. Auf dem Bevölkerungsamt gab sie an, sie sei Bildhauerin. Insgeheim arbeitete sie auch an ersten Gedichten. 

1918 verbrachte sie einige Monate in Ascona, reiste aber mehrmals durch den Gotthard-Tunnel nach Zürich. Auch 1919 war sie in der Stadt amtlich gemeldet, sie wohnte an der Seefeldstraße, nicht weit entfernt von dem Tänzerpaar Sacharoff-von Derp. 

Im Winter 1923-1924 hoffte Emmy Scheyer, in Zürich eine Jawlensky-Ausstellung veranstalten zu können. Ihre Bedingung: die Zuständigen sollten die Kosten für ihre Reise nach New York übernehmen. Der Plan scheiterte. Emmy Scheyer schrieb Jawlensky, sie lasse das Vorhaben fallen, „wegen der Langweiligkeit der Schweizer.“ 

Bildquellen: Gilbert Holzgang, Galka Emmy Scheyer Zentrum e.V.

Zürich Zürich, Schweiz

 

Allgemeine Hinweise zur Besichtigung jüdischer Friedhöfe:
Für den Besuch jüdischer Friedhöfe gelten einige Regeln, die alle Besucher/innen einhalten sollten. Männliche Besucher müssen eine Kopfbedeckung tragen; das Betreten von Gräbern soll vermieden werden; Essen und Trinken ist nicht gestattet. An jüdischen Feiertagen sowie am Schabbat (Freitagnachmittag bis Samstagabend) ist der Friedhofsbesuch untersagt. Manche Friedhöfe sind verschlossen, bitte wenden Sie sich für eine Besichtigung an die genannten Ansprechpartner/innen. Vielerorts werden Führungen über den Friedhof angeboten. Informationen hierzu können Sie der Lokalpresse oder der Internetseite der politischen Gemeinde entnehmen. Wenn nicht anders angegeben, sind die Friedhöfe aber auch ohne ein Betreten gut einsehbar.

Bildnachweis:
Bet Tfila – Forschungsstelle, TU Braunschweig: 02, 11, 16, 18-20, 36, 45-46, 58-59, Dransfeld, Göttingen, Hannover, Hildesheim; Braunschweigisches Landesmuseum, Uwe Brodmann: 25; Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel, Lukkas Busche: 40; Gilbert Holzgang, Braunschweig: 28; Israel Jacobson Netzwerk (R. Denz, K. Keßler und U. Knufinke): 01, 03-05, 07-09, 13-15, 21-24, 26-27, 29-35, 37-39, 41-44, 47-55, Burgdorf; Kreismuseum Peine: 07; Privatarchiv J. Frassl, Seesen: 56; Privatarchiv K.-U. Blomberg, Wittingen: 06; Städtisches Museum Seesen: 57; Stadt Wolfsburg, Günter Poley: 11; Stadt Wolfsburg, Klaus Gottschick: 12; Volkswagen Aktiengesellschaft: 10.