Lade Veranstaltungen

« Alle Veranstaltungen

Das Olympia-Attentat 1972: Staatsversagen, politische Deutung und die lange Geschichte einer fragmentierten Erinnerung

8. September 2026, 17:30 Uhr
Das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München, bei dem elf israelische Sportler und ein deutscher Polizist ermordet wurden, gilt als das größte antisemitische Attentat nach 1945 in Deutschland. Das Ereignis war nicht nur ein Akt antisemitischer Gewalt, sondern zugleich geprägt von einem dilettantischen Vorgehen der deutschen Polizei und einem weitreichenden Staatsversagen.
Die Veranstaltung nimmt das Attentat zum Ausgangspunkt, um die Rolle der DDR in der politischen Einordnung des Anschlags sowie die spätere Aufarbeitung in den neuen Bundesländern zu untersuchen. Dabei wird auch die Rezeption in der deutschen Linken in den Blick genommen, etwa wenn Ulrike Meinhof das Attentat als antifaschistisch deutete und damit zur Verschiebung von Täter- und Opferperspektiven beitrug.
Ein zentraler Aspekt ist die Restitutionspolitik. Über Jahrzehnte mussten die Hinterbliebenen um Anerkennung und Entschädigung kämpfen. Was als Entschädigung bezeichnet wurde, blieb lange Zeit unzureichend und wurde von Betroffenen als Almosen kritisiert. Erst nach jahrzehntelangem Druck wurden zentrale Akten geöffnet und neue Verhandlungen geführt. Die Veranstaltung greift diesen langen Konflikt um Verantwortung, Anerkennung und materielle Wiedergutmachung auf.
Darüber hinaus wird die sprachliche und politische Verarbeitung des Attentats analysiert. Wie wurde Gewalt benannt, relativiert oder verschoben? Welche Rolle spielten ideologische Rahmungen in der DDR und in Teilen der deutschen Linken? Und wie entsteht daraus eine Erinnerungskultur, die bis heute fragmentiert bleibt?
Im Zentrum steht die Frage, wie Erinnerung organisiert wird: was sichtbar wird, was verschwindet und wie sich politische Deutung, Sprache und institutionelle Interessen überlagern.
Jérôme Buske ist Kulturwissenschaftler und Politologe. Er hat mehrere Texte zur Erinnerung an das Olympia-Attentat 1972 veröffentlicht und sich intensiv mit Fragen von Zeugenschaft, Sprache und Erinnerungskultur beschäftigt. Als Referent bei MAKKABI Deutschland hat er Gedenkzeremonien zu München 1972 begleitet und engagiert sich seit Jahren politisch für eine kritische Aufarbeitung.
Foto: Jérôme Buske

Details

Veranstalter

Veranstaltungsort