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„Bis ein Ort erinnert“ goes Architekturpavillon


Kooperation zur Erinnerungskultur: Lecture-Performance und Dokumentarfilm: 29. Juni: 18-20 Uhr
Die Erinnerungskultur einer Gesellschaft ist ein partizipativer Prozess. Sie entsteht durch Kontroverse und Konsens, durch Akzeptanz und Veränderung. Und vor allem entsteht sie durch Diversität. Wie divers Erinnerungskultur sein kann, zeigt das Kooperationsprojekt des Braunschweiger Künstlers Lucian Loebner und der Gedenkstätte Schillstraße.
Palm Trees and Uniforms, Lecture Performance, ca. 20 min
Palm Trees and Uniforms ist eine poetische Lecture Performance, die die verdrängte Nazivergangenheit einer Familie reflektiert. In alten Familienalben, zwischen Kindheitsfotos von Großpapa, tauchen Fotos von einem Mann in SS-Uniform auf. Wer ist dieser Mann und was macht er in dem Fotoalbum?
Ausgehend von diesem Erlebnis begibt sich Loebner auf eine spekulative Reise zu Familiengeschichten und Erinnerungen. Wie kann es sein, dass immer nur die gleiche Heldengeschichte von seinem Urgroßvater erzählt wurde? Welche Geschichten wurden nie ausgesprochen und aus den Erinnerungen verdrängt? Und wie werden sich Menschen einmal an uns erinnern?
Die Performance ist ein Eingeständnis, dass es auf viele Fragen keine Antworten gibt. Sie benennt das Privileg, Opportunist sein zu können, welches als weiße Deutsche auf Loebners Vorfahren, wie auf die deutsche Mehrheitsgesellschaft zutrifft. Gleichzeitig räumt sie mit einer verklärten Familiengeschichte auf und entlarvt Helden, die in Wahrheit keine sind.
Gerne steht der Künstler im Anschluss noch für ein persönliches Gespräch bereit.
„Bis ein Ort erinnert“ – Erinnerungskultur in Braunschweig
Der Dokumentarfilm „Bis ein Ort erinnert“ beleuchtet ein lange verdrängtes Kapitel der Braunschweiger Geschichte: das ehemalige KZ-Außenlager Schillstraße. Der 39-minütige Film zeichnet den jahrzehntelangen Kampf um Erinnerung und Gedenken nach und erzählt von zivilgesellschaftlichem Engagement, politischen Auseinandersetzungen und der Frage, wie eine Stadt mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit umgeht.
Lange blieb die Geschichte des Lagers aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt. Erst ab den 1990er Jahren setzten sich Initiativen, antifaschistische Gruppen und engagierte Einzelpersonen dafür ein, die Erinnerung an die ehemaligen Häftlinge sichtbar zu machen und einen würdigen Gedenkort zu schaffen.
Der Film zeigt eindrucksvoll, dass Erinnerung keine Selbstverständlichkeit ist, sondern immer wieder gesellschaftlich erkämpft und gestaltet werden muss. Zugleich wirft er Fragen auf, die bis heute aktuell sind: Wie wird Geschichte erinnert – und welche Verantwortung trägt die Gegenwart?
Im Anschluss besteht Möglichkeit mit der Regisseurin Sarah K. Becker und der Leiterin der Gedenkstätte Schillstraße, Dr. Stina Barrenscheen-Loster, zu diskutieren.